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Der Weltmeister ist zur Stelle

Der Weltmeister ist zur Stelle

Souverän, scharf, seriös: Bundestrainer Joachim Löw sieht beim lockeren Start in die WM-Qualifikation mit dem 3:0-Erfolg am Sonntagabend in Oslo gegen Norwegen viel Positives – aber auch Luft nach oben.

Joachim Löw musste sich in dieser für ihn so erfreulichen Nacht in Oslo nicht an einem Espresso festhalten. Der Bundestrainer ließ nach dem überaus souveränen 3:0 (2:0) gegen Norwegen zum Auftakt der Mission WM 2018 sogar die "extrazarte", dunkle Schokolade mit 70 Prozent Kakao liegen, die ihm die freundlichen Gastgeber serviert hatten - Genuss hatten ihm zuvor schon Doppel-Torschütze Thomas Müller und Co. reichlich verschafft.

"Sehr solide, sehr souverän, sehr seriös, größtenteils auch sehr konzentriert. Wir waren einfach da", sagte Abwehrchef Mats Hummels . Das erste kleine Etappenziel auf dem langen Weg zum erhofften fünften Stern am 15. Juli 2018 in Moskau ist erreicht: Der Weltmeister marschiert in Gruppe C als Tabellenführer vorneweg - auch weil die Mannschaft "die Vorgaben sehr gut umgesetzt" hat, wie Löw hervorhob.

Konkret: Die DFB-Elf strahlte im letzten Drittel die von Löw so vehement geforderte "Schärfe" aus - obwohl im Angriffsspiel längst nicht alles funktionierte. Mario Götze etwa fand kaum Bindung, RTL-Experte Jens Lehmann kritisierte ihn scharf ("Er macht nichts"). Aber, betonte Müller, selbst beim 7:1 im WM-Halbfinale gegen Brasilien sei "nicht alles Zucker" gewesen. Vor allem der Bayern-Star, bei der EM torlos, zeigte Geschmackvolles. Mit dem 1:0 (15. Minute) beendete er nach 603 Minuten seine Torflaute im Adler-Dress. Das 2:0 von Joshua Kimmich (45.) bereitete er vor, das 3:0 erzielte er wieder selbst (60.).

"Ich glaube, dass ihn das ein bisschen erleichtert hat", sagte Löw. Aber jetzt, fügte er schmunzelnd an, sei schließlich "wieder WM-Zeit, WM-Qualifikation , da trifft er ja sowieso regelmäßig". Dass er die Lösung für die Stürmerproblematik in der Nationalelf ist, glaubt Müller aber selbst nicht. "Wir werden diese Diskussion noch ein paar Jahre haben", sagte er. Hinter Mario Gomez, der in Oslo fehlte, komme keiner nach, "der die Mittelstürmer-Attribute mitbringt".

Das ist aus Sicht der Verantwortlichen um Löw auch kein Muss - solange Müller und Co. das Offensivspiel so interpretieren wie phasenweise in Oslo . "Der Trainer hat die Konsequenz im letzten Drittel gefordert, dass man auch mal in die Tiefe geht, sonst ist das wie beim Handball: berechenbar", sagte Manager Oliver Bierhoff . Gegen hilflose Norweger gelang dies auch, weil Kimmich rechts und Jonas Hector links oft zur Grundlinie vorstießen. Und weil im Zentrum laut Löw "immer drei, vier Spieler waren, die den Abschluss wollten".

So war Oslo ein erster Fingerzeig dahin, dass sich Löw für das große Ziel, den WM-Titel erfolgreich zu verteidigen, ein Stück weit neu erfinden will. Er wird von der von ihm verehrten spanischen Schule abrücken (müssen). "Ich glaube, dass wir in den vergangenen Jahren zu systemverliebt, zu systemfixiert waren", sagte Bierhoff. Nun würden "wieder mehr Flanken geschlagen, das heißt, dass du Präsenz im Strafraum brauchst, einen Stürmer".

Außerdem gelte es, "wieder mehr die Eins-gegen-Eins-Qualitäten" zu fördern. Die besitzen laut Löw Spieler wie die Jungen Max Meyer und Julian Brandt, die ihr Potenzial nach dem starken Olympia-Turnier auch in dieser Länderspielwoche zeigten.

Löw erwartet derweil, dass im Oktober mit den Spielen gegen Tschechien in Hamburg und Nordirland in Hannover das zweite wichtige Thema aktuell wird: das Umschalten. "Die werden sicher mehr Fußball spielen wollen", sagte er mit Blick auf die Tschechen, die er als "hartnäckigsten Gegner" sieht. Daran, wer am Ende das Direkt-Ticket nach Russland bucht, ließ Löw keinen Zweifel. Die Konkurrenz werde alles geben, um "den zweiten Platz zu erreichen - nach Deutschland", sagte er. Dann entschwand der Bundestrainer vergnügt in die Nacht. Ohne Schokolade .