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Der Weltmeister hat viel vor

Der Weltmeister hat viel vor

Was macht man, wenn man als Weltmeister sein großes Ziel erreicht hat? Ganz einfach: sich ein neues setzen. Timo Bernhard hat vor dem Saisonstart der Langstrecken-WM sogar gleich zwei.

"Es war die gefühlt kürzeste Winterpause meiner ganzen Karriere", sagt Timo Bernhard (35) und lacht. "Kurz, hart und stressig - aber auch spannend." Ende November hatte der Porsche-Pilot aus Homburg den Titel in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC eingefahren. Und danach ging der Trubel erst richtig los. "Es gab allein knapp 30 Ehrungen. Von der Stadt Homburg bis hin zur WM-Gala des Weltverbands Fia in Paris. Dann Testfahrten für die neue Saison, unzählige Meetings mit den Ingenieuren und Simulator-Tests. Wirklich frei hatte ich nur ein paar Tage über Weihnachten."

Der schönste Termin stand allerdings Mitte Januar an - denn da kam Sohnemann Ben auf die Welt, Bernhards zweiter Junge. Und Ben ist auch der Grund, warum der Homburger derzeit selbst außerhalb der 24 Stunden von Le Mans rund um die Uhr im Einsatz ist. Immerhin: Der Kleine hat schon seinen eigenen Porsche . Von Papa Timos Teamkollegen Brendon Hartley und Mark Webber gab es einen knallroten Bobbycar-Porsche.

Bis in die Haarspitzen motiviert

Wirklich Zeit zum Entspannen gab es für den Homburger über Winter also kaum, dennoch ist Bernhard froh, dass nun die Fahrerei wieder losgeht. Am Sonntag um 13 Uhr ist Saisonstart mit dem Sechs-Stunden-Rennen von Silverstone. "Ich bin bis in die Haarspitzen motiviert. Wir sind gut vorbereitet. Die Tests waren gut. Und wir wissen, dass wir ganz gut dastehen. Aber die Konkurrenz hat nachgelegt", sagt Bernhard: "Es wird spannend."

Die Kampfansage von Audi kam im vergangenen Jahr schon eine Woche nach dem verlorenen WM-Titel. Bereits bei der internen Abschlussfeier präsentierten die Ingolstädter den neuen Audi R18 für die Saison 2016. So früh wie noch nie. "Mit diesem Auto wollen wir die WM-Krone und den Siegerpokal von Le Mans nach Ingolstadt zurückholen", gab Sportchef Wolfgang Ullrich unmissverständlich als Parole aus. Der neue, rund 1000 PS starke Bolide ist radikal, sein Design sorgte für Aufsehen. Und Ullrich würzte noch einmal nach: "Wir haben mit der Arbeit an diesem Konzept schon im Jahr 2014 begonnen, denn alles ist neu: Monocoque, Motor, Hybridsystem - einfach alles."

Während Audi und auch Toyota komplett neue Boliden gebaut haben, hat Porsche sein Vorjahres-Auto lediglich in den Details verbessert. Evolution statt Revolution heißt die Devise. "Die Konkurrenten haben viele technische Lösungen übernommen, die wir bereits hatten. Von daher können wir nicht so ganz danebengelegen haben", sagt Porsche-Projektleiter Fritz Enzinger. Und: "Wir sind bereit zur Titelverteidigung."

Die Zeiten bei den Testfahrten in Le Castellet geben ihm recht: Der Porsche 919 Hybrid setzte an beiden Tagen die Bestzeit. Toyota scheint im Vergleich zum Vorjahr aufgeholt zu haben, Audi litt noch unter Kinderkrankheiten. Dennoch hat Bernhard die Ingolstädter auf dem Schirm: "Die Zeiten sind schwer einzuschätzen. Toyota war stark, Audi noch in der Findungsphase. Aber die Fahrer sagen, dass das Auto viel Potenzial hat. Ich bin echt gespannt, wie das Kräfteverhältnis in Silverstone sein wird."

"Wir sind jetzt die Gejagten"

Dass bei Porsche kurz vor Saisonbeginn mit Technikchef Alexander Hitzinger eine Schlüsselfigur das Team plötzlich verlassen hat, hält Bernhard für (noch) nicht problematisch: "Sein Weggang kam überraschend. Aber für das Jahr 2016 war da schon alles eingetütet, das Auto fertig" Und dennoch: Der ehemalige Formel-1-Ingenieur (Red Bull) war ein Mann der ersten Stunde beim WM-Projekt von Porsche . Er war der Denker und Lenker im Hintergrund. Ihn zu ersetzen, wird schwer fallen. Auch wenn Projektleiter Enzinger beteuert: "In unserem Team aus 260 Mitarbeitern ist die Ingenieursebene ausgesprochen kompetent besetzt. Wir sind für die Saison 2016 sehr gut vorbereitet."

Bernhard hat sowieso Rückenwind. "Die Stimmung, das Hochgefühl des WM-Titels trägt uns in die neue Saison", sagt er: "Bei den Testfahrten erstmals in das Auto mit der Startnummer 1 einsteigen zu können, war ein tolles Gefühl." Aber gleichzeitig sind auch der Druck und die Erwartungshaltung gestiegen. Das merkt er: "Wir sind jetzt die Gejagten."

Sein Ziel für die neue Saison ist klar. "Wir wollen natürlich ein zweites Mal Weltmeister werden", sagt Bernhard. Und dann gibt es da noch einen Job, der im vergangenen Jahr nicht ganz erledigt wurde. "Ein Gesamtsieg mit Porsche in Le Mans. Das ist ein Traum von mir, seit ich denken kann", sagt Bernhard. Voriges Jahr war er Zweiter geworden.

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Auf einen BlickDer Kalender der Langstrecken-WM 2016:17. April: 6 Stunden von Silverstone. 7. Mai: 6 Stunden von Spa-Francorchamps. 19. Juni: 24 Stunden von Le Mans. 24. Juli: 6 Stunden vom Nürburgring. 3. September: 6 Stunden von Mexiko-Stadt. 17. September: 6 Stunden von Austin. 16. Oktober: 6 Stunden von Fuji. 6. November: 6 Stunden von Schanghai. 19. November: 6 Stunden von Bahrain. wip