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Formel 1: Der Weltmeister der Herzen tritt ab

Formel 1 : Der Weltmeister der Herzen tritt ab

Einer der letzten alten Recken verlässt die Formel 1. Am Sonntag absolviert Felipe Massa in São Paulo sein letztes Heimrennen.

Felipe Massa weiß ziemlich genau, was da gerade auf ihn zukommt. Am kommenden Sonntag (17 Uhr MEZ/RTL und Sky) tritt der Brasilianer in Sao Paulo zu seinem letzten Heimrennen als Formel-1-Pilot an, und er hat darin eine gewisse Übung. Vor zwölf Monaten nämlich hatte Massa schon einmal höchst emotional „Adeus“ gesagt zu seinen Fans und zur Königsklasse. Er ließ damals seinen Tränen freien Lauf, als die ganze Boxengasse Spalier stand und applaudierte.

„Jeder weiß ja, dass ich mich vor einem Jahr schon von der Formel 1 verabschiedet hatte“, sagt der 36-Jährige, „aber nun geht meine Karriere wirklich zu Ende.“ Eine Laufbahn, in der Massa bei Ferrari zunächst ein Lehrling von Rekordweltmeister Michael Schumacher war, bevor er 2008 nur haarscharf und höchst dramatisch an seinem eigenen WM-Titel vorbeischrammte. „Ich nehme viele großartige Erinnerungen mit“, sagt Massa.

Dieses Jahr 2017 war dabei nicht viel mehr als eine verlängerte Ehrenrunde. Der Rücktritt Nico Rosbergs bei Mercedes hatte im vergangenen Winter den Fahrermarkt aufgewirbelt, und Massas Williams-Rennstall benötigte doch noch einmal die Dienste des Routiniers. Zu einem der populärsten Fahrer der Königsklasse war er aber schon im vergangenen Jahrzehnt aufgestiegen.

Die Karriere des Mannes aus Sao Paulo begann 2002 beim Schweizer Traditionsrennstall Sauber, 2006 wechselte er zu Ferrari, es folgten seine erfolgreichsten Jahre. In nur einer gemeinsamen Saison bei der Scuderia sei Michael Schumacher „wie ein Lehrer“ gewesen, erinnert sich Massa, „er hat mir viel gegeben und immer versucht, mir zu helfen.“

Nach Schumachers Abschied stand Massa auf eigenen Beinen, weckte in seiner brasilianischen Heimat mit insgesamt elf Grand-Prix-Siegen zumindest hin und wieder Erinnerungen an Größen wie Ayrton Senna und Nelson Piquet – und hätte sich 2008 fast ein eigenes Denkmal gebaut. Rund 30 Sekunden lang feierte Massa beim Saisonfinale – ausgerechnet in Sao Paulo – schon den vermeintlichen Titelgewinn. Die Tribünen erzitterten, die Ferrari-Box bebte im Jubel über den neuen Weltmeister Massa. Doch plötzlich gefroren die Mienen bei allen, die es mit dem Brasilianer hielten. Lewis Hamilton hatte kurz vor dem Ziel Timo Glock überholt und so doch noch den für ihn entscheidenden fünften Platz eingefahren. Mit einem Punkt Rückstand musste Massa sich geschlagen geben, er war dann doch nur Weltmeister der Herzen. Glock brachte es an diesem Tag übrigens ebenfalls zu einiger Berühmtheit in Brasilien, und das hatte vor allem unangenehme Folgen. „Alle sahen mich als Spielverderber, ich bekam sogar Drohungen per Email“, erinnerte sich der Deutsche später.

Der gefährlichste Moment in Massas Karriere hatte bleibenden Einfluss auf die Formel 1. In der Qualifikation in Ungarn 2009 schlug eine Metallfeder bei hohem Tempo gegen seinen Helm. Massa erlitt einen Schädelbruch, wurde notoperiert und konnte in der restlichen Saison nicht mehr antreten. Die Helme der Piloten wurden daraufhin im Bereich des Visiers überarbeitet und damit noch sicherer gemacht. Auch diese Erinnerungen dürften am Sonntag noch einmal aufleben, wenn Massa zum wirklich letzten Mal Abschied von seinen Fans nimmt. Und wahrscheinlich werden wieder Tränen fließen. Trotz aller Übung.