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Olympische Winterspiele in Südkorea
Der Wellinger-Wahnsinn geht weiter

Skispringer Andreas Wellinger präsentiert seine Silbermedaille vom Wettbewerb auf der Großschanze. Der 22-Jährige ist bislang der dominierende Springer auf den Olympiaschanzen.
Skispringer Andreas Wellinger präsentiert seine Silbermedaille vom Wettbewerb auf der Großschanze. Der 22-Jährige ist bislang der dominierende Springer auf den Olympiaschanzen. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Pyeongchang. Nach Gold nun Silber: Andreas Wellinger ist der überragende Skispringer der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang. Am heutigen Montag soll mit der Mannschaft die Krönung folgen.

Feierbiest Andreas Wellinger hätte nach seinem Silbercoup am liebsten auf den Tischen getanzt, die ganz große Sause musste jedoch warten. „Die Party ist ganz gediegen geblieben, schließlich haben wir am Montag beim Teamspringen noch Großes vor“, sagte der überragende Skispringer von Pyeongchang. Um 2.30 Uhr hatte er die Party im Deutschen Haus verlassen, freilich nicht ohne die verdiente Belohnung. „Ein Weißbier ging schon“, sagte Wellinger, der mit seinen Teamkollegen standesgemäß auf sein Olympia-Märchen angestoßen hatte.


Den historischen Doppel-Sieg hatte Wellinger auf der Großschanze zwar um lausige 1,9 Meter verpasst, aber das war ihm im Freudentaumel völlig egal. „Dass es bei Olympia in beiden Wettkämpfen so gut funktioniert hat, ist unbeschreiblich. Schöner kann man es sich gar nicht wünschen“, sagte der 22-Jährige. Von Bundestrainer Werner Schuster erhielt Wellinger ein Sonderlob. „Gold und Silber, das ist eine Top-Ausbeute“, sagte der Österreicher.

Am Samstag brauchte es in einem Skisprung-Krimi schon einen anderen Wahnsinns-Kerl wie den polnischen Volkshelden Kamil Stoch, der nach seinem Doppel-Gold von Sotschi erneut triumphierte, um Wellingers zweiten Olympiasieg zu verhindern. Doch auch so herrschte im Lager der DSV-Adler angesichts der neuerlichen Schanzenparty große Euphorie. Mit schwarz-rot-goldener Fahne um den Hals betrat Wellinger am Abend die Bühne im Deutschen Haus, stimmte „Oh, wie ist das schön“ an, und alle sangen mit.

Wellingers Olympia-Bilanz liest sich schon vor dem heutigen Teamspringen (13.30 Uhr MEZ) sensationell. Nach dem Mannschaftserfolg von Sotschi und seinem Gold vom kleinen Bakken hat er nun als zweiter deutscher Skispringer nach Jens Weißflog Edelmetall in allen drei olympischen Wettbewerben geholt. Weder Martin Schmitt noch Sven Hannawald oder Dieter Thoma waren in solche Sphären vorgedrungen. „Nach vielen Jahren wieder so ein Erfolg – Respekt“, sagte Schuster nicht ohne Stolz.

Mit der Mannschaft soll nun die Kirsche auf dem Sahnehäubchen folgen. Auch dort ist Gold möglich. „Wenn wir alle unser Bestes zeigen, müssen sich die anderen lang machen“, sagte Wellinger. Am Samstag war dies nicht ganz gelungen: Karl Geiger, Richard Freitag und Markus Eisenbichler landeten auf den Rängen sieben, neun und 14. In der Summe kam das DSV-Quartett auf 1063,3 Punkte, nur Norwegen (1087,3) mit Bronzegewinner Robert Johansson war besser.



Ambitionen meldete auch Polen (1041,7) an. Deren Superstar Stoch stieg in den Kreis der Allergrößten auf, nach dem „Grand Slam“ bei der Vierschanzentournee krönte er einen überragenden Winter. „Diese Saison verläuft unglaublich für mich. Und ich hoffe, dass das Beste noch kommt“, sagte der 30-Jährige. Zweimal in Folge Großschanzen-Sieger bei Olympia – das hatte vor „König Kamil“, der im ersten Wettkampf von Pyeongchang noch leer ausgegangen war, nur der legendäre Finne Matti Nykänen geschafft.

Stochs nächstes Gold mit der Mannschaft will nun vor allem Wellinger verhindern. Der einzig verbliebene Springer aus dem deutschen Gold-Quartett von Sotschi verriet am Samstag die etwas ungewöhnliche Vorbereitung der DSV-Adler auf den Wettkampf. „Wir spielen in unserer Tiefgarage Fußball. Die ist so groß, da passen 10 000 Autos rein“, sagte Wellinger. Danach geht es dann wieder hoch ans Tageslicht. Und vielleicht sogar noch einmal in den siebten Himmel.