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Basketballerin Gülich in der WNBA
Der weibliche Nowitzki legt los

Phoenix. Basketballerin Marie Gülich startet in ihre erste Saison in der US-Profiliga WNBA – als dritte Deutsche überhaupt.

Als die Videobotschaft von Dirk Nowitzki über den Bildschirm flimmerte, staunte Marie Gülich nicht schlecht. „Da war ich erstmal sprachlos“, sagt die 23-Jährige. Besser hätte das Abenteuer WNBA kaum beginnen können. Erst als dritte Basketballerin aus Deutschland hat sie es in die US-Profiliga geschafft, das blieb auch dem großen Vorbild nicht verborgen.


Nowitzki hat (noch) keine Nummer von Gülich, also schickte der frühere NBA-Champion seine Glück­wünsche einfach an Phoenix Mercury, seit fünf Wochen Club der Kölnerin. „Die Leute aus der Medienabteilung haben mich in einen Raum gezogen und gesagt: Wir müssen Dir was zeigen“, sagt Gülich. Dann wurden ihre Augen groß und größer.

Gegen die Wings aus Nowitzkis Wahlheimat Dallas geht es für Gülich in der Nacht zu Samstag los. Nach vier Jahren am College in Corvallis, wo sie als Schlüsselspielerin für die Oregon State Beavers auflief, steht der erste Einsatz im Profilager an. Dass sie bei der Verteilung der Talente an Position zwölf ausgewählt wurde, ziemlich früh, macht ihr keinen Druck. „Ich habe mir das verdient“, sagt Gülich: „Ich kann Basketball spielen. Das Team und die Trainer glauben an mich, die sehen mein Potenzial.“



Das tut auch der Deutsche Basketball-Bund. „Das ist eine tolle Auszeichnung auch für den deutschen Basketball im weiblichen Bereich. Wir hoffen, dass Marie in der WNBA Fuß fasst und künftig unsere Nationalmannschaft verstärkt“, sagt Verbands-Vizepräsident Armin Andres.

Vor Centerspielerin Gülich waren aus Deutschland nur Marlies Askamp (47) und Linda Fröhlich (38) in die WNBA gekommen. „Ich habe das gar nicht gewusst“, sagt Gülich: „Als ich das gesehen habe, dachte ich: Wow, das ist schon echt ein bisschen krass.“ Wie Nowitzki meldete sich auch Fröhlich bei ihr, bot Hilfe an und gab ihre Telefonnummer weiter. „Wenn ich Fragen habe, kann ich mich bei ihr melden. Das war wirklich nett.“ Bis 2007 spielte Fröhlich in den USA, Askamp zwischen 1997 und 2002. Auch im Club bekommt Gülich Hilfe. Sie ist nicht nur Teamkollegin von Olympiasiegerin und Weltmeisterin Brittney Griner, mit Diana Taurasi gehört ein weiterer ganz großer Name aus dem US-Basketball zur Mannschaft. „Zwei Legenden“, sagt Gülich: „Diana ist supercool.“

Unterstützung kann sie gebrauchen, die Umstellung ist nicht einfach. Größter Unterschied sei „das professionelle Leben. Es gibt mehr Regeln. Man geht zum Training, am Nachmittag macht jeder sein Ding“, sagt die 1,94 Meter große Nationalspielerin: „Am College war es wie Familienleben, wir haben wirklich alles zusammen gemacht.“

In den USA fühlt sie sich längst zu Hause. 2014, als Gülich nach dem Abi am Landrat-Lucas-Gymnasium in Leverkusen nicht recht wusste (mit Rhöndorf spielte sie in der Jugend-Bundesliga übrigens auch schon in der Saarlouiser Stadtgartenhalle), was sie machen soll, versuchte sie ihr Glück in Nordamerika. „Ich habe gedacht, ich probiere es einfach aus. Zurückgehen kann ich immer noch.“ Trotz anfänglicher Probleme wie „Heimweh“ oder „Kulturschock“ hat sie den Schritt bis heute nicht bereut.

Gülich startet mit Vorschusslorbeeren in die WNBA-Karriere. In der Regionalliga „Pac-12“ wurde sie zuletzt als Defensivspielerin des Jahres ausgezeichnet, ihre Trefferquote aus dem Feld (65,2 Prozent) war die zweitbeste der Geschichte. Ihr Schnitt lag in der abgelaufenen Saison bei 17,5 Punkten und 9,1 Rebounds. „Sie war schon die ganze Zeit auf unserem Radar“, lobte Mercury-Manager Jim Pitman.

Im Training arbeitet sie gerade an Nowitzkis weltberühmtem Wurf im Rückwärtsfallen. „Weil ich den wirklich gut finde“, sagt Gülich. Ihre Ziele für das erste Jahr formuliert sie klar: „Auf dem Spielfeld mein Ding machen, Rebounds holen. Keine Angst haben, Fehler zu machen.“