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Der wagemutigste "Quertreiber" der Rallye-Szene

Der wagemutigste "Quertreiber" der Rallye-Szene

Schmelz. "Es war ein Ritt auf der Kanonenkugel", sagt Guido Horsch. Und in seiner Stimme schwingt immer noch eine Mischung aus Stolz, Erstaunen und Schaudern mit. 25 Rallyes fuhr der Merziger als Co-Pilot von Manfred Hero (Foto: SZ), beide feierten in den 70er und 80er Jahren große Erfolge

 Manni und der Manta : Vor allem mit der Heckschleuder begeisterte Manfred Hero . Foto: SZ
Manni und der Manta : Vor allem mit der Heckschleuder begeisterte Manfred Hero . Foto: SZ

Schmelz. "Es war ein Ritt auf der Kanonenkugel", sagt Guido Horsch. Und in seiner Stimme schwingt immer noch eine Mischung aus Stolz, Erstaunen und Schaudern mit. 25 Rallyes fuhr der Merziger als Co-Pilot von Manfred Hero (Foto: SZ), beide feierten in den 70er und 80er Jahren große Erfolge. Doch unter den vielen Wertungsprüfungen ist Horsch eine in besonderer Erinnerung geblieben: "In 1.58 Minuten von Waldhölzbach nach Losheim - das war Wahnsinn."Quertreiber ist eigentlich gar keine nette Bezeichnung für einen Menschen. Bei Manfred Hero aber ist sie so etwas wie ein Ehrentitel. Denn der KfZ-Meister aus Schmelz war über Jahre hinweg einer der besten Querfahrer der Szene. Ein begnadeter Drifter und Lenker, der auf allem schnell war, was vier Räder hatte. Im Porsche 911, Opel Manta, Lancia Delta und BMW M 3 gewann er zahllose Rallyes und begeisterte die Fans. Als Privatfahrer, der es mit den übermächtigen Werksteams aufnahm und sie oft genug schlug, erreichte Hero Kultstatus. Und Manni wusste, was er seinen Fans schuldig war: "Ich habe mich immer schon auf die Kurven gefreut, wo im Strecken-Aufschrieb 'PS' stand", sagt Horsch. "Das hieß ,Platz satt' - und dann ging's ab." Hero war der ungekrönte Heckschleuderkönig. Noch heute vergeht im Saarland keine Rallye, bei der die Fans nicht irgendwann von "Manni" erzählen.Der lässt es heute ruhiger angehen. Sein Wohnmobil (ein Clou-Liner) eignet sich nicht für Drifts, aber um so besser dafür, einem anderen Hobby zu frönen: dem Begleiten der Tour de France oder der Rallye Monte Carlo. In Minheim und in Klüsserath an der Mosel unterhält Hero zwei mehrfach ausgezeichnete Wohnmobil-Parks. Zudem fährt er gerne Rad - auch hier schnell und mit hohen Ambitionen. Die High-Tech-Rennmaschine kostete mehrere Tausend Euro, Hero macht lange Fahrten durch die Weinberge und klettert gerne die Tour-de-France-Berge hoch. Kein Wunder, dass er heute kein Gramm mehr wiegt als zu seinen besten Rallye-Zeiten. Die waren in der 70er und 80er Jahren. Zu seinen größten Erfolgen gehören die Teilnahmen an der Rallye Monte Carlo (einmal auf Opel, zweimal auf Lancia). 1988 war er gemeinsam mit Bruder Wolfgang Elfter. In seinem Wohnmobil steht noch heute eine Tiffany-Lampe. Die Aufschrift: 56. Rallye Monte Carlo, 15. bis 22. Januar 1988, bestes deutsches Team. Hero erinnert sich: "Die Monte zu fahren, war das Größte." Um ein Haar wäre Hero damals sogar Zehnter geworden. So wurde er zweimal Elfter. Im Saarland war Hero kaum zu schlagen. Außer in Morscholz. "Da kommt Hero ja her - und da stand immer seine Mutter an der Strecke. Da haben wir im Vorbeifahren dann immer freundlich gewinkt", sagt Guido Horsch. Den vielleicht bittersten Ausfall aber hatte er 1981 zu verkraften, als Hero um Haaresbreite am Titel vorbeischrammte. Als Tabellenführer ging der Schmelzer beim Saisonfinale im niederbayerischen Straubing an den Start. Ein Getriebeschaden ließ alle Titelträume platzen. Doch nur ein Jahr später feierte Hero mit seinem Porsche seinen größten Sieg: Bei der zur Euroameisterschaft zählenden Saarland-Rallye schlug er den großen Walter Röhrl im überlegenen Lancia 037 aus der Weltmeisterschaft.