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Der vierte Stern muss noch warten

Der vierte Stern muss noch warten

Turn-Bundesligist TG Saar hat das Titel-Finale verloren. In der Ludwigsburger Arena lieferte der angeschlagene Außenseiter Haushoch-Favorit Straubenhardt am Samstag aber einen großen Kampf.

"Steh!" schmettert es am späten Samstagabend in der Ludwigsburger Arena aus 200 heiseren Fan-Kehlen, als TG-Saar-Turner Luca Ehrmantraut mit einem Tsukahara-Salto durch die Luft wirbelt und den Abgang am Reck in den Stand zementiert. Mit seiner fehlerfreien Übung sichert sich der 20 Jahre alte B-Kader-Nationalturner die letzten Punkte des Tages.

Die saarländischen Schlachtenbummler jubeln - doch am Ausgang des Titelkampfs in der Deutschen Turnliga (DTL) ändert der "Dreier" gegen Olympia-Teilnehmer Lukas Dauser nichts mehr. Die TG Saar hat das Evergreen-Duell um die deutsche Meisterschaft gegen die KTV Straubenhardt mit 33:40 verloren und wird wie im Vorjahr "nur" Vizemeister - trotz großem Kampf. Nach den Titelgewinnen von 1981, 1982 und 2012 muss der vierte Stern also noch warten.

Spannender als 2015

"Schade, es hat wieder nicht gereicht. Aber wir haben alles gegeben und es diesmal viel spannender gemacht als im Karlsruher Finale", resümierte TG-Altmeister Eugen Spiridonov erschöpft, aber sichtlich zufrieden. 2015 kassierte der Außenseiter vom Erzrivalen eine bittere 20:49-Klatsche und war chancenlos. Diesmal verlangte er dem mit fünf Olympioniken gespickten "FC Bayern im Turnen" vor 3000 Zuschauern alles ab, hielt den Wettkampf offen und den übermächtigen Gegner in Atem. "Die Jungs haben toll geturnt, wie in der ganzen Saison", lobte Viktor Schweizer seine Schützlinge und verwies auf die Ausgangslage. "Ivan Bykov hat uns nach dem Kreuzbandriss komplett gefehlt. Waldi ist gesundheitlich angeschlagen und konnte seine gewohnte Leistung heute nicht abrufen", nannte der TG-Trainer die großen Handicaps.

Waldi - das ist Waldemar Eichorn, der wie sein Nationalturner-Kollege Bykov gewöhnlich Mehrkampf turnt. In Ludwigsburg trat der deutsche Meister am Pauschenpferd nur an zwei Geräten an - mit einem Bandscheibenvorfall. Doch irgendwann ist Schluss. Das harte Wettkampfjahr und der strapazierte Körper forderten ihren Tribut. So endete Waldis atemberaubende Thomaskreisel-Show am Paradegerät früher als geplant. Die Kämpfernatur stieg ab und gab im ersten Pauschenpferd-Duell gegen den Ex-Teamkollegen und jetzigen KTV-Turner-Trainer Anton Fokin vier Punkte ab.

Nach dem Boden hatte es 5:5 gestanden. Nach dem Pauschenpferd lag der Meister mit 9:5 vorn, doch die TG Saar konterte: Spiridonov, Barren-Olympiasieger Oleg Wernjajew und Tobias Matzke turnten die Saarländer wieder mit 15:9 in Führung. Nach den verlorenen Ringe-Duellen (5:11) stand es 20:20 - und der saarländische Fan-Block Kopf. "Mit der Nominierung des armenischen Ringe-Spezialisten Davtyan Vahagn fürs Finale wollte die KTV wohl auf Nummer sicher gehen", kommentierte Thorsten Michels den Schachzug der Star-Truppe um Marcel Nguyen und Andreas Bretschneider. "Ohne diese vier Punkte wäre es noch enger geworden", meinte der TG-Vorsitzende.

Nach der Pause holte TG-Neuzugang Felix Remuta im Sprung-Duell gegen den Unterhachinger Vereinskollegen Nguyen einen Punkt. Dann musste sein Team den Favoriten ziehen lassen, verlor Sprung (1:5) und Barren (1:12) und lag vor den Reck-Duellen hoffnungslos mit 22:37 hinten. "Volles Risiko" hieß nun die Devise am Königsgerät, an dem Wernjajew, Spiridonov und die Eigengewächse Dschamal Mergen und Luca Ehrmantraut glänzten. "Deutscher Meister werden kann jeder. Wir haben Straubenhardt mit 11:3 an ihrem Paradegerät Reck geschlagen", feixte Ehrmantraut, während die Schwaben in weißen Meister-T-Shirts ihren fünften Titel feierten.

Liga-Top-Scorer Wernjajew gewann mit 15 Punkten die Einzelwertung, das nie aufgebende TG-Team die Sympathie der Zuschauer und Syad Massalme reichlich Zuversicht. "Ich habe einen tollen Auftritt unserer Jugend gesehen, mit viel Luft nach oben", schwärmte der TG-Mannschaftsarzt. Franz-Josef Kiefer stimmte ihm zu. "Diesen Jungs gehört die Zukunft", sagte der Präsident des Saarländischen Turner-Bundes. Mit augenzwinkerndem Blick auf die Vereins-Philosophie des finanzkräftigen Rivalen zog TG-Saar-Fan Monika Weisgerber-Bastuck dann noch Parallelen zum ungenießbaren Kartoffelsalat, der später auf der Titel-Party serviert wurde: "Wie der Meister, so die Feier - nichts selbstgemacht, nur gekauft."

Die Schäfer-Schwestern freuen sich über Bronze

Saarländerinnen belegen mit dem TuS Chemnitz-Altendorf Platz drei im Bundesliga-Finale - Stuttgart siegt vor Karlsruhe



Im Finale um die deutsche Meisterschaft im Frauenturnen sicherte sich das Bierbacher Schwestern-Duo Pauline und Helene Schäfer mit dem TuS Chemnitz Bronze. Der Titel ging erneut an den MTV Stuttgart.

Das war's. Im Finalturnier um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft im Frauenturnen ist die Entscheidung gefallen, der achte Titel des MTV Stuttgart perfekt. Als Nationalturnerin Kim Bui in der Ludwigsburger Arena ihre Schlussbahn am Boden beendet hatte und auf der LED-Wand kurz darauf die Wertung der Kampfrichter aufblitzt, bricht bei den Schwäbinnen Jubel aus. Der Wettkampf ist noch nicht beendet, aber der Vorsprung auf die TG Karlsruhe-Söllingen vor den letzten Bodenübungen von MTV-Star Eythora Thorsdottir und TG-Athletin Leah Grießer uneinholbar.

Der frühe Jubel beim alten und neuen Meister ist verständlich, aber man könnte meinen, er störe Pauline Schäfer bei der Konzentration auf den letzten Sprung. Dem ist nicht so. Seit den Olympischen Spielen in Rio ist die saarländische Nationalturnerin Stress gewohnt und scheint alles um sich herum ausblenden zu können. Nach einem langen Anlauf zelebriert sie den Schrauben-Salto im hohen Bogen über den Sprungtisch und landet im Stand - der Ausfallschritt stört wenig.

Die Tageshöchstwertung (14,90 Punkte) beim Final-Four der vier besten Teams der Deutschen Turnliga (DTL) hat die Saarländerin für den TuS Chemnitz-Altendorf am Paradegerät Schwebebalken erzielt. Der gelungene Sprung wird mit 14,15 Punkten belohnt. "Nach dem harten Jahr bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Unsere junge Riege hat ihre Bestes gegeben und Rang drei verteidigt", sagt Schäfer, die an zwei Geräten antrat. Ihr Team landet auf Rang drei und gewinnt vor dem TZ DSHS Köln Bronze.

Großen Anteil am achtbaren Abschneiden der "jungen Wilden" hat Helene Schäfer. Die vier Jahre jüngere Schwester der WM-Bronzemedaillen-Gewinnerin am Schwebebalken war für Chemnitz als Mehrkämpferin im Einsatz, mit ihrer Leistung aber nicht ganz zufrieden. Daran änderte auch der sechste Platz in der Einzelwertung nichts. "Ich habe am Boden unnötige Fehler gemacht und flog zwei Mal vom Balken", ärgerte sich die 15-Jährige. "Aber es war ein anstrengendes und mein erfolgreichstes Jahr, und ich bin froh, dass wir es geschafft haben", sagt die deutsche Juniorenmeisterin im Mehrkampf und am Schwebebalken . Im Juni hatte Helene bei der Junioren-EM am Paradegerät der großen Schwester Rang sechs erzielt. Am Stufenbarren wurde sie in Bern Siebte.

"Der Titel war heute kein Thema", sagt Helene Schäfer, Schwester Pauline sieht es genauso. Auch mit Sophie Scheder wäre wohl nicht mehr drin gewesen. Die Turnerin des Jahres absolviert gerade ihre Grundausbildung bei der Bundeswehr und musste deswegen in Ludwigsburg passen. Am 22. Dezember reisen die Schäfer-Schwestern vom Wahl-Wohnort Chemnitz ins Saarland. Funkelnde Bronze-Medaillen wären im heimischen Wohnzimmer mal der etwas andere Christbaum-Schmuck.