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Der ungestillte Hunger der Dressur-Königin

Wie immer hochkonzentriert: Isabell Werth gestern auf dem Peterhof in Perl. Foto: Ruppenthal
Wie immer hochkonzentriert: Isabell Werth gestern auf dem Peterhof in Perl. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Perl. Isabell Werth zählt zu den erfolgreichsten Sportlerinnen der Welt. Die Dressurreiterin hat alles gewonnen, was es in ihrer Sportart zu gewinnen gibt. Bis Sonntag ist sie bei der Peterhof-Gala in Perl-Borg am Start. Von SZ-RedaktionsmitgliedHenning Jochum

Fünf Olympiasiege, sechs Weltmeistertitel, 13 Trophäen bei der Europameisterschaft - und das hat eine einzelne Person erreicht. Dressurreiterin Isabell Werth ist eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der Welt. Doch eines hat sie noch nicht gewonnen: einen Wettbewerb bei der Peterhof-Dressur-Gala. Das soll sich ändern. Denn die Rheinbergerin wird bis Sonntag bei der zweiten Auflage des Vier-Sterne-Turniers im Saarland teilnehmen. "Vergangenes Jahr war ich parallel bei einem anderen Wettbewerb. Aber ich habe schon von der Professionalität auf dem Peterhof gehört", sagte Werth vor ihrer Anreise nach Perl-Borg.

Vier Wochen vor der EM im dänischen Herning (19. bis 25. August) ist die 43-Jährige motiviert wie eh und je. Zusammen mit ihrem Pferd Don Johnson kam sie bei der deutschen Meisterschaft und dem Chio in Aachen jeweils auf Platz zwei - hinter Helen Langehanenberg. Ein Ticket für die EM hat sie seit Mittwoch sicher. Zusammen mit Langehanenberg, Kristina Sprehe und Anabel Balkenhol wird Werth Deutschland vertreten.

Zum Dressursport kam Werth schon mit 17 Jahren. Zuvor war sie auch als Spring- und Vielseitigkeitsreiterin unterwegs. "Ich bin einfach alles geritten, was mir unter den Hintern gesetzt wurde", sagt sie und lacht. Doch vor ihrer Volljährigkeit fragte sie ihr Nachbar in der Silvesternacht 1986, ob sie nicht seine Pferde reiten wolle. Eine schicksalhafte Begegnung, denn von nun an arbeitete Werth eng mit Uwe Schulten-Baumer Senior zusammen. "Er stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Ohne ihn wäre ich sicher nicht da, wo ich heute bin", erklärt Werth.

Und da wäre sie auch nicht ohne ihr damaliges Pferd: Gigolo. "Ich weiß noch genau, als wir 1989 nach Warendorf gefahren sind und ich die Wahl zwischen zwei Pferden hatte. Bei Gigolo wusste ich sofort, dass das mein Pferd ist", blickt die gelernte Juristin zurück. Das Duo gewann in den 90er Jahren alles, was es zu gewinnen gibt - bis Gigolo 2000 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Auch Werth ließ es danach sportlich ruhiger angehen, beendete die Partnerschaft mit Schulten-Baumer und arbeitete als Juristin.

2006 gelang ihr mit Satchmo eine fulminante Rückkehr: Weltmeister im Grand Prix Special. "Das Schöne am Dressurreiten ist, dass es nie langweilig wird. Man zieht keine ewigen Bahnen im Schwimmbecken oder läuft Runden auf der Tartanbahn. Pferde geben einem jeden Tag eine neue Antwort", erklärt Werth ihren ungestillten Hunger trotz der unzähligen Erfolge.

Heute ist Werth mit Don Johnson wieder auf dem Weg zur Weltspitze - sie selbst trägt schon lange den Namen "Dressur-Königin". "Ich muss schmunzeln, wenn ich das höre. Aber ich weiß, wie schnell man vom Held zum Idioten werden kann. Von daher kann ich das gut einschätzen", sagt die vierterfolgreichste deutsche Olympionikin hinter Birgit Fischer (Kanu), Reiner Klimke (Reiten) und Kristin Otto (Schwimmen).

Einschätzen kann sie auch ihre Zukunft. "Ich mache schon noch fünf bis sieben Jahre weiter. Danach sehen wir weiter", erklärt Werth. Fünf bis sieben Jahre? Da wird wohl noch der ein oder andere Titel in ihrer Sammlung folgen - vielleicht schon am Wochenende auf dem Peterhof.



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Auf einen BlickHeutiger Zeitplan der Peterhof-Dressur-Gala:10 Uhr: Preis von Bottega Conticelli, FEI Grand Prix de Dressage (Große Tour), Qualifikation für Prüfung 6 - Grand Prix Kür, international. 13.50 Uhr: Show mit Jean-Francois Pignon. 14.15 Uhr: Preis von VA-TOUT, FEI Grand Prix Dressage (Große Tour), Qualifikation für Prüfung 7 - Grand Prix Special, international.Weitere Infos unter www.engarde.de hej