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Der Triumph vereint eine trauernde Stadt

Torschützen unter sich: Henrich Mchitarjan (links) und Paul Pogba jubeln über ihren Sieg im Finale der Europa League gegen Ajax Amsterdam. Foto: Wiklund/dpa
Torschützen unter sich: Henrich Mchitarjan (links) und Paul Pogba jubeln über ihren Sieg im Finale der Europa League gegen Ajax Amsterdam. Foto: Wiklund/dpa FOTO: Wiklund/dpa
Solna. Mit dem Sieg in der Europa League hat Manchester United sein Triple vollendet und den Einzug in die Champions League geschafft. Nicolas Reimer

Lebensfreude und Leichtigkeit waren für einen Augenblick zurück, als Wayne Rooney den riesigen Silberpokal in den Nachthimmel von Solna stemmte. Wild hüpfend bejubelten die Stars von Manchester United mit ihrem Kapitän den Triumph in der Europa League, sie lachten herzlich - aber sie vergaßen nicht. "Tragische Tage liegen hinter uns", sagte Rooney: "Wir wollten den Cup natürlich für die Fans, aber auch die Opfer und deren Familien gewinnen."


Zwei Tage nach dem fürchterlichen Terroranschlag, der 22 Menschen das Leben gekostet und Unzählige verletzt hatte, hauchte der Stolz der Arbeiterstadt seinen Einwohnern wieder ein wenig Lebensmut ein. Tausende United-Anhänger fieberten beim 2:0 (1:0) im Endspiel gegen Ajax Amsterdam im Stadion mit, noch mehr verfolgten das Endspiel in der Heimat vor den Bildschirmen.

Und ganz egal ob Spieler oder Fans, ob vor Ort oder nicht: "Wir haben alle zusammengehalten. Deshalb ist es ein großartiger Erfolg - für uns und für die Stadt", sagte Rooney. "United hat bedeutendere Trophäen gewonnen, aber diese bedeutet alles für den Club, um den Widerstand der Stadt zu zeigen nach dem Anschlag an der Manchester Arena", schrieb The Times treffend.



"Manchester - a City united" ("Eine vereinte Stadt") hatte auf einem riesigen Banner gestanden, das vor dem Anpfiff von den Anhängern im Block präsentiert wurde - und vor dem die Spieler nach ihrem Triumph mit nachdenklichen Mienen in der Kabine posierten. "Los United, siegt für Manchester", stand auf einem kleineren Plakat. Und in der Tat: Von der ersten Minute an wirkten die Red Devils von Star-Teammanager José Mourinho motiviert.

Die Führung durch den Franzosen Paul Pogba (18. Minute) war mehr als verdient, auch nach dem Treffer des ehemaligen Dortmunder Bundesliga-Profis Henrich Mchitarjan (48.) besaß Manchester die besseren Chancen. "Wir haben den Cup, jetzt bringen wir ihn heim", versprach Pogba, der von einem "tollen Resultat für die Stadt Manchester" sprach.

Ähnlich sah es Innenverteidiger Chris Smalling, der sich freute, dass "Manchester wieder positiv in den Schlagzeilen" steht. Smalling nannte aber auch den anderen, sportlichen Grund für die grenzenlose Erleichterung im United-Lager: "Wir haben die Champions League vermisst. Endlich sind wir wieder dabei."

Denn der Erfolg in der Europa League war nach dem enttäuschenden Platz sechs in der Liga die einzige Möglichkeit, um sich doch noch für die europäische Königsklasse zu qualifizieren. Mit viel Leidenschaft rettete Manchester damit nicht nur eine gesamte Saison, sondern zog gleichzeitig in den elitären "Triple-Club" ein: Champions League, Europa League (früher Uefa-Pokal) und Europapokal der Pokalsieger hatten zuvor nämlich nur Juventus Turin, Bayern München, der FC Chelsea und Ajax gewonnen.

"Natürlich ist ein Sieg in der Champions League wichtiger als einer in der Europa League", sagte Mourinho, der nie einen Hehl aus seiner Abneigung zu diesem Wettbewerb gemacht hatte: "Es war aber das letzte Puzzlestück, das gefehlt hat. Dieser Erfolg bedeutet alles für den Verein." Und für die Stadt, das wusste auch Mourinho. "Was geschehen ist, ist furchtbar. Und natürlich würden wir den Pokal eintauschen gegen die Leben, die verloren gingen", sagte er: "Aber das können wir nicht. Wir können der Stadt nur ein bisschen Freude zurückgeben."