Der treffsichere Gastarbeiter

Bremen. Eigentlich war es ein bedeutungsloser Treffer, der Claudio Pizarro da nach 75 Minuten bei Borussia Mönchengladbach gelungen ist. Aus fünf Metern hat er am Samstag eine Flanke von Wesley zum 4:1-Endstand ins Tor gedrückt. Die meisten der 133. Bundesliga-Treffer, die er zuvor erzielt hat, waren wertvoller. Doch dieser hier hat den Peruaner verzückt

 71 seiner 133 Bundesliga-Tore erzielte Claudio Pizarro zwischen 2001 und 2007 für Bayern München. Mit Werder Bremen tritt der Peruaner heute im DFB-Pokal bei seinem Ex-Club an. Foto: dpa

71 seiner 133 Bundesliga-Tore erzielte Claudio Pizarro zwischen 2001 und 2007 für Bayern München. Mit Werder Bremen tritt der Peruaner heute im DFB-Pokal bei seinem Ex-Club an. Foto: dpa

Bremen. Eigentlich war es ein bedeutungsloser Treffer, der Claudio Pizarro da nach 75 Minuten bei Borussia Mönchengladbach gelungen ist. Aus fünf Metern hat er am Samstag eine Flanke von Wesley zum 4:1-Endstand ins Tor gedrückt. Die meisten der 133. Bundesliga-Treffer, die er zuvor erzielt hat, waren wertvoller. Doch dieser hier hat den Peruaner verzückt. Und mit dem Stürmer von Fußball-Bundesligist Weder Bremen angeblich auch viele Leute in Südamerika. Denn mit diesem 134. Tor überflügelte Pizarro Giovane Elber in der Wertung der erfolgreichsten ausländischen Bundesliga-Torschützen. "Das bedeutet mir sehr viel", sagt der 32-Jährige, "auch für meine Familie, meine Freunde und mein Land".

Pizarro ist ein Mann von klassischer Stürmer-Natur. Er faselt nicht von Dingen wie der Arbeit fürs Kollektiv. Er will treffen. Deshalb hat es ihn gefuchst, dass er bis zum neunten Spieltag auf den historischen Moment warten musste. Eine Muskelverletzung hatte Pizarro gebremst. "Endlich habe ich den Rekord", sagt er nun. Solche Dinge sind ihm wichtig.

Den Sonntag wollte er damit verbringen, mit seinen Kindern eine DVD anzuschauen, auf der all seine 134 Bundesliga-Treffer zu sehen sind. "Die jubeln bei jedem Tor noch einmal", kündigte er an. Pizarro möchte respektiert, ja bewundert werden. Manchmal beansprucht er Freiheiten, die andere nicht haben. In der Regel zahlt er solche Privilegien mit Leistung zurück. Aus Perus Nationalelf flog er 2007 trotzdem, weil er nach einem Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel ein Fest mit Damenbesuch gefeiert haben soll. Die Geschichte um die Beteiligung an der Firma seines Freundes und Beraters Carlos Delgado hat 2009 seine Karriere bedroht. Pizarro wurde vorgeworfen, an Transfers mitzuverdienen, was Statuten des Weltverbands Fifa aktiven Fußballern untersagen. Die Geschichte wurde nie aufgeklärt, aber sie ist ausgestanden, ebenso wie die Verletzung. Nun sollen noch ein paar gute Jahre folgen. Pizarro steht vor der Rückkehr in die Nationalelf und träumt davon, an der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien teilzunehmen. Zuvor will er einige andere Dinge erreichen: "Unser Ziel ist die Meisterschaft", verrät er beflügelt von seinem Rekordtreffer. Und er will "noch mehr Tore schießen, um noch länger in den Geschichtsbüchern zu bleiben." Am besten schon heute in der 2. DFB-Pokalrunde bei seinem Ex-Club Bayern München (20.30 Uhr/ARD) - auch wenn Pokal-Treffer für den Bundesliga-Rekord nicht zählen.

Hintergrund

"Das ist ein Tod-oder-Gladiolen-Spiel", sagte Bayern Münchens Trainer Louis van Gaal vorm heutigen Pokalspiel gegen Werder Bremen - und lobte seine B-Elf. Er sei "sehr froh, dass wir mit dieser Mannschaft sieben Punkte aus den letzten drei Spielen holen konnten". Die Statistik spricht für die Bayern. Seit 19 Jahren sind sie im Pokal daheim unbesiegt. Zuletzt siegte der damalige Zweitligist FC Homburg in München - am 17. August 1991 mit 4:2 nach Verlängerung. dpa

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