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Basketball
Der Traum von den „großen Dingen“ lebt

Der Berliner Moritz Wagner zeigte im Trikot der Michigan Wolverines bei den US-College-Meisterschaften teils überragende Leistungen. Das registrierten natürlich die NBA-Clubs.
Der Berliner Moritz Wagner zeigte im Trikot der Michigan Wolverines bei den US-College-Meisterschaften teils überragende Leistungen. Das registrierten natürlich die NBA-Clubs. FOTO: dpa / Julie Jacobson
New York. Die deutschen Basketball-Talente Moritz Wagner und Isaac Bonga wollen in die NBA. Heute fällt eine Entscheidung.

Moritz Wagner verarbeitet den Hype um ihn und die besten Basketball-Talente der Welt ganz bodenständig mit Zettel und Stift. Zwischen Tagträumen von der großen Bühne NBA, Treffen mit Idolen wie Magic Johnson und Gesprächen über millionenschwere Verträge schreibt der 21-Jährige aus Berlin immer wieder seine Gedanken nieder. Um zu reflektieren, was gerade Außergewöhnliches um ihn herum passiert. „Irgendwann werde ich ein Buch über all das schreiben“, sagt Wagner: „Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, alles mitzuschreiben, damit ich die Details nicht verliere und vergesse.“


Die Talenteverteilung der NBA (Draft) in der Nacht zum Freitag in Brooklyn/New York könnte für Wagner zu einem herausragenden Kapitel in seiner noch jungen Karriere werden. Der Berliner kann in die Liga des großen Dirk Nowitzki aufsteigen. Gleiches gilt für Nationalspieler Isaac Bonga vom Bundesliga-Club Skyliners Frankfurt – mit gerade einmal 18 Jahren.

Seitdem Wagner für den Draft gemeldet hat, ist er Teil der wilden Spekulationen. Greift bei dem bisherigen Collegespieler schon in der ersten Runde ein Club zu (garantierte Verträge), oder kommt er erst bei den zweiten 30 Spielern an die Reihe? Dann wäre der Sprung in die NBA nicht sicher. „Ich bin ein großer Spieler, der werfen kann“, sagt Wagner. Das sei gefragt, ein Vorteil. Er traut sich den Sprung zu und ist damit nicht alleine.



Wagner, der Sohn eines Psychotherapeuten, hat sich mit seinen Auftritten bei der „March Madness“ in die Notizbücher der NBA-Clubs geworfen. Die Finalniederlage mit den Michigan Wolverines konnte den hervorragenden Eindruck des früheren Jugendspielers von Alba Berlin nicht schmälern. Spätestens nach seinem Gala-Auftritt im Halbfinale der US-College-Meisterschaft gegen die Loyola Ramblers aus Chicago hatte er sich in den Mittelpunkt gespielt. Mit 24 Punkten und 15 Rebounds erreichte er Statistiken wie die späteren NBA-Superstars Larry Bird (1979) und Hakeem Olajuwon (1983). „Dirk Nowitzki war auch einmal ein schüchterner Junge, aber er hat keine Angst gehabt, die großen Dinge zu träumen“, sagt Wagner, der bereits über eine starke Physis verfügt und dem direkt ein gewisses NBA-Niveau zuzutrauen ist.

Auf eine andere Auswahlstrategie, nämlich auf eine Wette auf das Steigerungs-Potenzial, setzt dagegen Bonga. Die Grenzen für das Talent sind kaum absehbar – aber eine Garantie auf eine kontinuierliche Entwicklung bis auf Star-Niveau gibt es auch nicht. Der Schlacks mit mächtiger Reichweite kann trotz seiner 2,03 Meter gut die Spielmacher-Position ausfüllen und verfügt über einen starken Zug zum Korb. „Als Kind träumt man immer davon, mit den Besten zu spielen, und das ist nun mal in der NBA“, sagt Bonga, der ausgewählt, aber noch einmal zurück nach Europa verliehen werden könnte. In Richard Freudenberg ist gar noch ein weiterer Frankfurter gemeldet – doch dem 19-Jährigen werden kaum Chancen eingeräumt.

Völlig anders ist dies beim slowenischen Ausnahmespieler Luka Doncic. Der Europameister, EuroLeague-Sieger und seit Dienstag auch spanische Meister mit Real Madrid gehört zu den heißesten Eisen im Jahrgang 2018. Doch die Phoenix Suns, mit dem begehrten ersten Zugriffsrecht ausgestattet, tendieren offenbar zu DeAndre Ayton, einem mächtigen Center.

Der Frankfurter Isaac Bonga hat ein herausragendes Potenzial. Nur: Wird er sich auch so entwickeln wie erhofft?
Der Frankfurter Isaac Bonga hat ein herausragendes Potenzial. Nur: Wird er sich auch so entwickeln wie erhofft? FOTO: imago/Jan Huebner / Huebner/Bremes