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Super Bowl in Minneapolis
Der Superstar trifft auf Mister Unbeständig

Philadelphias Spielmacher Nick Foles, links, und Tom Brady von den New England Patriots werden sich am Sonntag im Super Bowl um die legendäre Vince-Lombardi-Trophäe duellieren.
Philadelphias Spielmacher Nick Foles, links, und Tom Brady von den New England Patriots werden sich am Sonntag im Super Bowl um die legendäre Vince-Lombardi-Trophäe duellieren. FOTO: Craig Lassig / dpa
Minneapolis. Im Super Bowl am Sonntag trifft Tom Brady auf Nick Foles – es sind Quarterbacks aus verschiedenen Welten.

Unterschiedlicher geht es kaum. Hier Tom Brady, Superstar in einer eigenen Liga – dort Nick Foles, Inbegriff der Unbeständigkeit. Wenn die New England Patriots im 52. Super Bowl in der Nacht zum Montag (0.30 Uhr/ProSieben) auf die Philadelphia Eagles treffen, ist das auch ein Duell zweier grundverschiedener Spielmacher.


Längst steht Bradys Name in den Geschichtsbüchern des American Football. Fünf Mal hat er mit den „Pats“ den Olymp erklommen, das gab es nie zuvor. Die nächstbesten Quarterbacks (Terry Bradshaw, Joe Montana) konnten je vier Mal die Vince-Lombardi-Trophäe hochhalten. Folgt jetzt Nummer sechs?

Der 4. Februar markiert die achte Teilnahme für Brady an einem Super Bowl, auch das ist eine Bestmarke. Er wird dann 40 Jahre und 185 Tage alt sein. Man muss Brady nicht mögen, aber im American Football sind die Karrieren oft extrem kurz – schon sein Alter und die Dauer der Höchstleistung machen Brady zu einer Ausnahmeerscheinung. Kaum jemand kann die gegnerische Defense so schnell röntgen, kaum ein anderer Quarterback hat einen solchen Killerblick. Seine jüngste Handverletzung könnte nun aber ein Handicap sein. In Minneapolis sagte Brady mit nachdenklichem Blick auf seinen Spezialhandschuh: „Das ist noch nicht so, wie ich es gerne hätte.“

Brady ist ein Weltstar. Verheiratet mit Ex-Supermodel Gisele Bündchen, ausgestattet mit millionenschweren Werbeverträgen, ist er ein strahlender All-American-Boy. Er spielte in Filmen mit und wurde in der Serie „The Simpsons“ verewigt. Zu Bradys fünf Super-Bowl-Siegen kommen vier Super-Bowl-MVP-Trophäen für den besten Spieler des Endspiels, außerdem zwei Auszeichnungen für den besten Spieler der Liga.

Als Brady seinen ersten Super Bowl gewann, war sein Gegenüber Nick Foles 13 Jahre alt. Dass der Texaner nun überhaupt aufläuft in Minneapolis, liegt an der Verletzung von Carson Wentz. Auf dem besten Weg zum besten Spieler der Saison riss sich der etatmäßige Quarterback ein Kreuzband. Damit galt die Saison der Eagles als abgeschrieben, hatte Foles doch einen allenfalls durchwachsenen Ruf. Was folgte, war eine ur-amerikanische Geschichte vom Phönix aus der Asche. 2013 hatte Foles schon mal eine phänomenale Saison: ein Spiel mit 22 von 28 Pässen im Ziel, den Rekord von sieben Touchdowns in einer Partie eingestellt. Dann verletzte er sich an der Schulter, wechselte nach St. Louis und Kansas und verschwand so in der Versenkung, dass er mit 26 an Rücktritt dachte. Im März 2017 kehrte er mit einem Zweijahresvertrag zu den Eagles zurück – und hatte nach Wentz‘ Verletzung im Dezember seine Chance. Im Halbfinale gegen die Minnesota Vikings war er grandios. Präsent und präzise zerlegte er die beste Verteidigung der Liga, konnte seine Leistung danach selbst gar nicht glauben.



Brady hält mit einem Touchdowns-Interceptions-Verhältnis von 28:2 in mindestens 300 Wurfversuchen einen Rekord (2016). Der vorherige stammte aus 2013 – 27:2, gehalten von Nick Foles. Der wird nun das Spiel seines Lebens zeigen müssen, um die Eagles zum Sieg zu führen. „Wenn Foles das Ding gewinnt“, meinten die Experten des NFL-eigenen Senders, „wäre das eine der größten Geschichten überhaupt.“