Der Stress beginnt erst nach dem Spiel

Gaga Clemens bei der Darts-WM : Der Stress beginnt erst nach dem Spiel

Für den Start bei der Darts-WM nimmt Gabriel Clemens aus Honzrath einige Strapazen auf sich. Heute trifft er auf John Henderson.

Mit gedrückten Daumen und spannungsgeladen werden am heutigen Freitag wieder viele Saarländer vor dem Fernseher sitzen und bei Sport1 das Geschehen im Londoner Alexandra Palace verfolgen. Gabriel Clemens, der erste Saarländer, der jemals bei einer Darts-Weltmeisterschaft spielte, hat heute seine Zweitrunden-Partie. Gegen 14.30 Uhr spielt „Gaga“ gegen den favorisierten Schotten John Henderson.

Was das Spiel an sich angeht, macht sich der „German Giant“ keine Gedanken. Er kennt nun die Gegebenheiten vor Ort und konzentriert sich nur auf die Partie. Was danach passieren kann, ist womöglich noch stressiger als das Spiel selbst. Es sah leicht und locker aus, als The German Giant am vergangenen Sonntag den Engländer Aden Kirk mit 3:0 nach Sätzen von der Bühne fegte. Es war der erste Auftritt und auch der erste Sieg eines Saarländers bei der Darts-Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace.

„Ich war zwar ein bisschen nervös, aber das hat mich nicht gestört. Was danach kam, war viel schlimmer“, sagte Gabriel Clemens. Der 35-Jährige wurde zur Dopingprobe bestellt. Unmittelbar nach dem Verlassen der Bühne wurde er vom Sicherheitspersonal empfangen und nicht mehr aus den Augen gelassen – für sage und schreibe acht Stunden. Durch das viele Wasser, das die Darts-Spieler bei etwa 40 Grad auf der Bühne trinken, war die erste Urinprobe des Honzrathers viel zu dünn. Die Kontrolleure konnten mit dieser nichts anfangen. Also musste er bis zum nächsten Toilettengang warten und durfte bis dahin keine Flüssigkeit zu sich nehmen.

„Ich habe was gegessen und bin danach mit dem Sicherheitspersonal spazieren gegangen oder habe mir die anderen Darts-Spiele angeschaut. Am späten Abend ging es dann endlich“, berichtet Gaga von seinem wahren Stress bei der Darts-WM.

Doch das war längst nicht alles. Während sich der Schotte Henderson, die Nummer 23 der Weltrangliste, perfekt im Spielerhotel auf die Partie vorbereiten kann, musste Gaga (66. der Weltrangliste) bereits am Montag wieder nach Hause, da er am Dienstag wieder zur Arbeit musste. Vom Verlassen des Spielerhotels in London bis an die Haustür seiner Wohnung in Saarwellingen vergingen acht Stunden. Die gleiche Zeit kam am Mittwoch wieder dazu, bis er zurück im Londoner Hotel war.

Dazwischen lagen ein Arbeitstag beim Entsorgungsverband Saar und TV-Termine, die er zugesagt hatte. „Zum Training kam ich kaum in Deutschland. Allerdings habe ich bei dem TV-Termin einen Neun­darter (das perfekte Spiel) geworfen. Ich fühle mich gut“, erklärt Gabriel Clemens, der den Donnerstag und den Freitagmorgen für intensives Training nutzen wollte.

Auch mit seinem Mental-Trainer hat er sich in Deutschland noch einmal getroffen. „Die Vorbereitung war stressig, aber ich mache mir keinen großen Kopf. Ich freue mich darauf, wieder auf die Bühne zu gehen und einfach nur Darts zu spielen“, sagt Clemens. Während für die meisten Darts-Spieler der Gang auf die Bühne und das Spiel extreme Nervenbelastungen sind, ist es für den German Giant fast schon eine Erholung vom ganzen Drumherum.

Und dass der Darts-WM-Weihnachtsstress für den Saarländer noch ein bisschen weitergeht, ist keinesfalls ausgeschlossen. Auf der Profitour in diesem Jahr in England hat Gaga seinen heutigen Gegner bereits geschlagen. In einem spannenden Spiel gewann Clemens gegen den Schotten mit 6:5.