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Formel-1-Pilot Leclerc startet durch
Und Mentor Bianchi schaut von oben zu

Sauber-Pilot Charles Leclerc überzeugt in seiner ersten Saison in der Formel 1 so sehr, dass Ferrari ihn als Stammpiloten und Teamkollegen von Sebastian Vettel verpflichtet hat.
Sauber-Pilot Charles Leclerc überzeugt in seiner ersten Saison in der Formel 1 so sehr, dass Ferrari ihn als Stammpiloten und Teamkollegen von Sebastian Vettel verpflichtet hat. FOTO: AP / Luca Bruno
Singapur. Mit dem Wechsel zu Ferrari erreicht die Karriere des 20-jährigen Rennfahrers Charles Leclerc einen vorläufigen Höhepunkt. sid

Am Ziel seiner Träume hielt Charles Leclerc inne. Der Wechsel zur großen Scuderia Ferrari war gerade offiziell, da dachte der 20-Jährige an seinen Mentor, Freund, seinen „großen Bruder“ – an den verstorbenen Formel-1-Piloten Jules Bianchi. „Danke für all das, was du mich gelehrt hast“, schrieb Leclerc kurz vor dem Großen Preis von Singapur an diesem Sonntag (14.10 Uhr/RTL) bei Twitter: „Du wirst nie vergessen werden.“


Die steile Karriere des Monegassen Leclerc erreicht in der kommenden Saison ihren vorläufigen Höhepunkt, wenn er ins Teamduell mit Sebastian Vettel geht. Für Vettel dürfte es nicht allzu einfach werden. Und für Leclerc ist es der logische nächste Schritt. Er raste geradezu durch die Nachwuchsklassen und überzeugt nun als Neuling auch in der Formel 1 bei Sauber.

Einen großen Anteil an all dem hat Bianchi. Der acht Jahre ältere Franzose hatte Leclerc schon auf der Kartbahn an die Hand genommen. Später stand Bianchi selbst schon vor dem Sprung zu Ferrari, die Zukunft leuchtete rot. Doch dann riss ihn sein Unfall beim Großen Preis von Japan 2014 im Alter von nur 25 Jahren aus dem Leben. „Ich bin nicht darüber hinweggekommen“, sagt Leclerc heute: „Vielleicht werde ich das nie schaffen. Aber mit dem Motorsport wollte ich deshalb nicht aufhören. Ich wollte nie etwas anderes machen.“



Mit vier Jahren hatte Leclerc erstmals im Kart gesessen, er konnte nicht genug davon bekommen. „Ich fuhr, bis der Sprit leer war“, erinnert er sich. Mit sieben Jahren gewann er sein erstes Rennen, und er hörte nicht mehr damit auf. Dank der Förderung durch seinen Vater Hervé Leclerc, selbst einst Rennfahrer, kam die Karriere in Schwung.

2016 nahm Ferrari den Teenager in seine Akademie auf, im selben Jahr gewann Leclerc die GP3-Meisterschaft. Dem Aufstieg in die Formel 2 folgte ein starker Saisonstart – dann schlug das Schicksal wieder zu. Vater Hervé erkrankte und starb im Juni 2017. Sein Sohn trauerte, doch nur wenige Tage später reiste er zum Rennwochenende nach Baku. Und siegte dort im Hauptrennen. „Wenn ich Zweiter wurde, war mein Vater nie so richtig glücklich“, sagt Leclerc über seinen Antrieb: „Deshalb wollte ich gewinnen, nur gewinnen.“ Er holte anschließend als Neuling souverän den Titel in der Formel 2, seit März überzeugt er nun im unterlegenen Sauber.

Und im kommenden Jahr darf Leclerc auch in der Königsklasse um Siege kämpfen, der rote Ferrari macht es möglich. „Mein Vater und Jules haben mich immer gelehrt, nach mehr zu streben“, sagt Charles Leclerc: „Ich denke, wenn sie jetzt zu mir herunterschauen, dann tun sie das mit Stolz.“