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Der Star ist die Mannschaft

Der Star ist die Mannschaft

Barcelona. Es war eher eine Verlegenheit. Doch der Bundestrainer brachte es mit nur einem Wort auf den Punkt: "Highspeed-Handball". Der brasilianische Journalist staunte nicht schlecht, als ihm Martin Heuberger den Charakter des deutschen Spiels in englischer Sprache erklärte

Barcelona. Es war eher eine Verlegenheit. Doch der Bundestrainer brachte es mit nur einem Wort auf den Punkt: "Highspeed-Handball". Der brasilianische Journalist staunte nicht schlecht, als ihm Martin Heuberger den Charakter des deutschen Spiels in englischer Sprache erklärte.Heuberger hat die Nationalmannschaft seit seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren nicht nur personell umgekrempelt, er hat auch einen neuen Stil implementiert: Nach dem Vorbild von Europameister Dänemark wechselt Heuberger viel - und erntet dafür nun den Erfolg. Die körperliche Frische der Spieler könnte bei der WM in Spanien gepaart mit dem außerordentlichen Teamgeist zum entscheidenden Faktor auf dem Weg zur Medaille werden.

"Die Dänen haben das in den letzten Jahren vorgemacht. Ich habe immer das Gefühl, wenn sie im Halbfinale oder Finale stehen, dann sind sie noch frisch", sagte Kapitän Oliver Roggisch: "Und genau das merkt man bei uns auch. Wir können 60 Minuten Vollgas geben, das ist beeindruckend."

Der 28:23-Erfolg im WM-Achtelfinale gegen Mazedonien lieferte ein Musterbeispiel für die Funktionalität der Heubergerschen Wechselspiele. Als der Gummersbacher Adrian Pfahl in der 23. Minute zur ersten Sechs-Tore-Führung traf (11:5), hatte das schwer auszurechnende deutsche Team schon neun verschiedene Torschützen - eine bemerkenswerte Bilanz. Die vorentscheidenden Treffer in der zweiten Halbzeit gegen Mazedonien erzielten die kurz zuvor eingewechselten WM-Debütanten Tobias Reichmann und Kevin Schmidt.

Erfolg hatte Heuberger mit seiner Philosophie vom modernen Handball bereits in der Vergangenheit, als er die Junioren zwei Mal zum WM-Titel (2009 und 2011) führte. "Er hat sich von seinem Konzept überhaupt nicht geändert. Auch damals hatten wir einen breiten Kader und haben viel gewechselt", sagte Linksaußen Schmidt. "Das kann auch dieses Jahr unser großes Plus werden."

In allen sechs bisherigen WM-Spielen gab es einen anderen deutschen Haupttorschützen. Über das Fehlen überragender Einzelspieler wie Holger Glandorf oder Uwe Gensheimer redet keiner mehr. "Wir kompensieren das mit einer wahnsinnigen Geschlossenheit. Das ist vom Teamgeist her die beste Truppe, die ich je erlebt habe", sagt Roggisch, der seit elf Jahren dabei ist. Und auch Torhüter Silvio Heinevetter untertrich nach dem Viertelfinaleinzug die einzigartige Atmosphäre in der Mannschaft: "Wir haben zwar keine Superstars, aber eine richtig geile Truppe."

Und wenn es nach der Mannschaft geht, ist der Höhenflug noch lange nicht beendet. "Ich möchte das Turnier gerne mit einem Sieg beenden. Was das bedeutet, kann sich jeder denken", sagte Dominik Klein und veraschiedete sich in den Bus nach Saragossa. Dort findet morgen das Viertelfinale gegen die Spanier statt (19 Uhr/ARD), die gestern ihr Achtelfinale gegen Serbien gewannen. sid