Der Sportpark Kaiserlinde verändert sein Gesicht

Der Sportpark Kaiserlinde verändert sein Gesicht

Seit genau 17 Monaten läuft der Ausbau des Waldstadions an der Kaiserlinde in Elverbserg. Die neue Haupttribüne ist fast fertig und ein echtes Schmuckstück. Im Umfeld des Stadions wird sich noch viel entwickeln.

Es ging alles rasend schnell: Am 4. Juni 2013 stieg die SV Elversberg in die 3. Fußball-Liga auf. Vier Tage später präsentierte die Saarbrücker Zeitung den Vier-Stufen-Plan des Vereins zum Ausbau des Stadions an der Kaiserlinde. Der war durch den Aufstieg notwendig geworden und soll acht Millionen Euro teuer werden. Am Ende soll eine rundum doppelstöckige und geschlossene Arena mit einer Kapazität von 15 000 überdachten Plätzen stehen, die zweitliga-tauglich wäre. Am 15. Juni 2013 begannen vorbereitende Arbeiten zum Umbau. Die SVE musste für Heimspiele ins Saarbrücker Ludwigsparkstadion ausweichen. Seit 5. Oktober 2013 spielt sie wieder im eigenen Stadion. Was hat sich bis heute getan?

Baugenehmigung steht aus

Sportlich ist die SVE wieder in die Regionalliga abgestiegen. Ihr Stadion ist seit 17 Monaten eine Baustelle. Der Club baut auf eigene Kosten. Für den Bereich des Stadions gilt der rechtskräftige Bebauungsplan "Sportanlage Kirchendick" von 1979. "Dieser ist die bauplanungsrechtliche Grundlage zur Erteilung der Baugenehmigung für den Umbau des eigentlichen Stadions, insbesondere der Errichtung der neuen Tribüne", teilt die Pressestelle des Landkreises Neunkirchen mit, dessen Untere Bauaufsicht Genehmigungsbehörde ist. Eine Baugenehmigung steht aus. "Der Antrag auf Erteilung einer Baugenehmigung wurde eingereicht. Die erforderlichen Unterlagen liegen nun soweit vor, so dass voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche der obersten Bauaufsichtsbehörde der Entwurf einer Baugenehmigung zur erforderlichen Zustimmung (Versammlungsstätte größer 800 Personen) vorgelegt werden kann."

Der Grund, warum die Baugenehmigung bisher nicht erteilt wurde, ist "das nicht vorliegende, von einem Prüfingenieur geprüfte Brandschutzkonzept des Stadions, insbesondere der neuen Haupttribüne. Dies wurde jedoch am 07.11.2014 der Unteren Bauaufsichtsbehörde vorgelegt. Für den Aushub der Baugrube, Erd- und Gründungsarbeiten im Bereich der Haupt- und Vortribüne liegt eine Teilbaugenehmigung vor", erklärt der Landkreis.

Neuer Bebauungsplan

Der Gemeinderat Spiesen-Elversberg hat am 6. Dezember 2013 die Aufstellung des Bebauungsplans "Sportpark Kaiserlinde" beschlossen. Die Kosten dafür zahlt die SVE, sagt Bürgermeister Reiner Pirrung , ohne die Summe zu nennen. Es werden die planungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen, um "die bestehende Sportanlage der SV Elversberg gemäß den Standards der 3. Bundesliga auszubauen. Es sollen zum einen angemessene Trainingsmöglichkeiten und zum anderen ausreichend viele Parkplätze geschaffen werden", heißt es in einer Bekanntmachung der Gemeinde. Denn in den Planungsunterlagen von "Argus Concept - Gesellschaft für Lebensentwicklung" steht unter dem Punkt "Änderung des bestehenden Bebauungsplans Nr. 89 Kirchendick": "Während der Kunstrasenplatz noch entsprechend den Festsetzungen des Bebauungsplans errichtet wurde, wurde das eigentliche Stadion Kaiserlinde gegenüber den Festsetzungen des geltenden Bebauungsplans um ca. 90 Grad gedreht. Teile des heutigen Stadions ragen damit über den Geltungsbereich des bestehenden Bebauungsplans hinaus. Auch wenn die schon begonnenen Umbauarbeiten am Stadion Kaiserlinde bereits genehmigt wurden, ist es erforderlich, den bestehenden Bebauungsplan zielkonform zu ändern."

Das 87 610 Quadratmeter große Plangebiet ist Eigentum von Gemeinde, SVE und größtenteils Saarforst, einem Landesbetrieb. Der Club will es kaufen, wie aus den Argus-Unterlagen hervorgeht. Es handelt sich um Teile des Landschaftsschutzgebietes "Ruhbachtal/Kirchendick". Parallel zum Bebauungsplan wird deshalb eine Teiländerung des Flächennutzungsplans angestrebt. Das Gelände soll aus dem Landschaftsschutz ausgegliedert werden. Die Gemeinde stellt den Antrag an die zuständige Naturschutzbehörde. Von dem 87 610 Quadratmeter großen Plangebiet sollen als Waldfläche 18 990 Quadratmeter bleiben.

Derzeit läuft das "Scoping", ein Beteilungsverfahren. Bis 21. November werden Öffentlichkeit, Behörden und Träger öffentlicher Belange angehört.

Verein investiert in Infrastruktur

Das Stadion samt Umfeld hat sein Gesicht seit Juni 2013 enorm verändert - und wird es weiter tun. Die neue und 120 Meter lange Haupttribüne mit Unter- und Oberrang mit zwölf Logen kostet 4,5 Millionen Euro . Sie steht, der Innenausbau läuft. Bevor der Oberrang hochgezogen werden konnte, mussten Kanal- und Sicherungsmaßnahmen neben, an und unter der Landstraße 112 vorgenommen werden. Diese führt am Stadion entlang. Sie gehört der öffentlichen Hand. Doch der Club als Bauherr musste die Arbeiten planen, ausführen lassen und bezahlen, wie Pirrung erklärt.

Vom Bau eines Trainingsplatzes an der Stadionzufahrt hat die SVE Abstand genommen. In alten Planungen war daneben ein Mc Donald's-Restaurant eingezeichnet. Angestrebt wird der Bau von Trainingsplätzen und eines Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) im Wald am Fuß des Hangs hinter der alten Haupttribüne. Dort muss die SVE bis zur Waldstraße einen Abwasserkanal bauen lassen, sagt Pirrung. Zudem soll eine Anbindungsstraße entlang der neuen Parkplätze her, die der Verein in fußläufiger Entfernung zum Stadion benötigt.

"Der Bebauungsplan hat ein Stellplatzkonzept", bestätigt das saarländische Wirtschaftsministerium. Es ist unter anderem involviert, weil die Verkehrserschließung geändert werden muss, um einen geregelten Verkehrsfluss auf der Landstraße zu gewährleisten. Der Bebauungsplan sieht Flächen für den Bau eines Verkehrskreisels vor. Derzeit würden noch andere Varianten wie eine Ampel-Regelung geprüft, erklärt das Ministerium.

In den Argus-Planungsunterlagen steht, dass in anderen Bundesländern von einem Stellplatz pro 20 Besucherplätzen ausgegangen wird. Dies entspricht im Falle des SVE-Stadions etwa 750 Stellplätzen. Es müssten somit noch etwa 650 Pkw- sowie einige Bus-Parkplätze gebaut werden. Vom Plangebiet sind laut Argus-Unterlagen als Stellplatzfläche 26 690 Quadratmeter eingeplant.

Bund soll 130 Parkplätze bezahlen

Nach SZ-Informationen trägt der Bund die Kosten für 130 Mitfahrerparkplätze, die im gleichen Zug an gleicher Stelle mitentstehen. Das Wirtschaftsministerium sagt: "Die Straßenbauverwaltung beabsichtigt zusätzlich an der Bundesautobahn A 8, Anschlussstelle Elversberg, Stellplätze für Berufspendler einzurichten. Der Bau von insgesamt 130 Mitfahrerparkplätzen wird in das Bebauungsplanverfahren integriert. Die Finanzierung der Stellplätze werden beim BMVI (Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, Anmerkung der Redaktion) im Rahmen der fernverkehrsrelevanten Mitfahrerparkplätze beantragt." Der Mitfahrerparkplatz direkt am Stadion wird dann zum "normalen" Parkplatz und bei Heimspielen für Rettungskräfte genutzt.

1,5 Millionen Euro Mehrkosten?

Insgesamt steckt die SV Elversberg angeblich 1,5 Millionen Euro in Infrastruktur-Maßnahmen rund ums Stadion. Ob die Summe in den veranschlagten acht Millionen Euro für den Stadion-Ausbau enthalten ist oder als nicht eingeplante Zusatz-Kosten angesehen werden müssen, ist offen. Der Verein gab trotz mehrmaliger Anfrage an die Pressestelle keine Stellungnahme ab.

Nicht nur durch den Stadionausbau, den Parkplatzneubau und den eventuellen Bau eines NLZ wird der Wald zwischen Autobahn, Land- und Waldstraße sein Aussehen maßgeblich verändern beziehungsweise wegfallen. Nach SZ-Informationen hat die Globus-Handelskette Interesse, in dem Gebiet einen Markt zu bauen. Das Thema geistert schon Jahre durch die Gemeinde. Nun scheint es konkret zu werden.

Bringt Globus 400 Arbeitsplätze?

Angeblich sollen durch Globus bis zu 400 Arbeitsplätze entstehen. Denkbar ist ein doppelstöckiger Bau- und Einkaufsmarkt auf dem Gelände zwischen Autobahn, der Abfahrt Heinitz und der Hüttenstraße - also in unmittelbarer Nähe zum Stadion. Auf Anfrage nach dem konkreten Interesse ließ Rainer Muck, bei Globus Geschäftsführer für Bau und Energie, mitteilen: "Globus ist stets auf der Suche nach geeigneten Immobilien und Grundstücken, um an mehr Standorten für seine Kunden vor Ort sein zu können. Wir bitten Sie um Verständnis, wenn wir aus Wettbewerbsgründen keine weitere Auskunft geben möchten."

Verfahren im Frühjahr beendet

Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wird das Bebauungsplanverfahren im Frühjahr 2015 abgeschlossen sein. Das Saarbrücker Ludwigsparkstadion kann von Januar 2016 bis Juli 2017 nicht genutzt werden. Das teilt die Stadt Saarbrücken als Eigentümerin auf ihrer Internetseite mit. Die Arena wird für 16 Millionen Euro saniert und umgebaut, das Fassungsvermögen danach 18 000 Zuschauer betragen. Das Land trägt 10,7 Millionen Euro der Kosten, die Stadt 5,3 Millionen. Der 1. FC Saarbrücken benötigt für diesen Zeitraum eine Ausweichspielstätte. Im Saarland kommen nur das städtische Waldstadion in Homburg und das vereinseigene Stadion in Elversberg in Frage.

FCS als Mieter in Elversberg?

Homburg als Ausweichquartier dürfte an Bedenken der Sicherheitsbehörden scheitern, weil die Rivalität zwischen FCS- und FCH-Fans groß ist. Mietet sich der 1. FC Saarbrücken ins örtlich ohnehin näher gelegene Stadion von Ligakonkurrent Elversberg ein? Präsident Hartmut Ostermann lässt mitteilen: Um die Alternativen für einen möglichen Ausweichplatz unter den Richtlinien des Deutschen Fußball-Bundes zu prüfen, sei es unerlässlich, "den genauen Zeitrahmen der Bauleitplanung und damit der Abstinenz des FCS vom Ludwigspark zu kennen, bevor man konkrete Verhandlungen mit den potenziellen Vereinen aus der Region führen kann, die über ein geeignetes Stadion verfügen".

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