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Der „Schräubchendreher“

Der „Schräubchendreher“

Kaiserslautern. Der 1. FC Kaiserslautern will mit aller Macht zurück in die Fußball-Bundesliga. Richten soll es Trainer Kosta Runjaic, der nach fünf Siegen und drei Unentschieden am vergangenen Samstag in Dresden seine erste Niederlage (2:3) einstecken musste und mit dem FCK heute bei Union Berlin um den Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale kämpft. Mit dem 42-Jährigen hat dpa-Mitarbeiterin Ulrike John gesprochen.



Herr Runjaic, Stefan Kuntz hat als Vorstandsvorsitzender seit 2008 vier Trainer entlassen, der Verein eine große Tradition. Spüren Sie, wie heiß der Stuhl ist, auf dem Sie sitzen?

Kosta Runjaic: Ich beschäftige mich nicht mit derartigen Umständen aus der Vergangenheit. Mich interessiert die tägliche Arbeit, der Wochenrhythmus. Denn das ist das Schöne am Fußball: Man kann immer wieder an kleinen Schräubchen drehen. Man muss immer wieder täglich mit einem analytischen Blick auf das Ganze schauen. Denn letztlich sind die Details entscheidend - egal, wo du als Trainer tätig bist.

Spötter sagen: Erst wenn man einmal entlassen worden ist, gehört man im Trainergeschäft richtig dazu. Im hohen Bogen rausgeflogen sind Sie noch nie?

Runjaic: Nein. In Duisburg hatten wir unsere Ziele erreicht, aber durch den Lizenzentzug hat es sich so ergeben, dass ich vertragslos wurde. In Darmstadt sind wir aufgestiegen und haben die 3. Liga gehalten. Davor, beim VfR Aalen, war es eine besondere Geschichte: Als sich der Verein kurz vor Ende der Saison 2008/2009 von Sportdirektor Jürgen Kohler und Trainer Petrik Sander trennte, da wurde auch ich als Co-Trainer freigestellt. Als hauptamtlicher Trainer in Wehen bin ich selbst gegangen. Aber auch über so etwas mache ich mir eigentlich keine wesentlichen Gedanken. Ich hatte hier beim FCK von Anfang an ein gutes Gefühl.

Stadt und Region sind fußballverrückt. Macht das die Aufgabe einfacher oder schwieriger?

Runjaic: Ich versuche, das Optimale aus der Mannschaft herauszuholen. Und die Qualität, die der Kader hat, weiterzuentwickeln und zu fördern. Wenn man erfolgreich ist und schönen Fußball spielt, macht es natürlich umso mehr Spaß. Aber ich weiß auch um die Verantwortung: Wir haben hier ein WM-Stadion und erstklassige Fans - eine Garantie für den Aufstieg ist das aber nicht.

Sie trainierten von 2004 bis 2006 die zweite Mannschaft des FCK. Hatten Sie sich damals vorgenommen, irgendwann als Cheftrainer zurückzukehren?

Runjaic: Damals vielleicht. Da war ich aber ein paar Jahre jünger und in der einen oder anderen Situation ungeduldiger.

Sie waren auch schon beim DFB, waren sportlicher Leiter in Darmstadt und arbeiten für das ZDF als fachlicher Berater. Wo haben Sie am meisten gelernt?

Runjaic: Darmstadt war schon ein sehr komplexer Baustein, weil ich da nicht nur Cheftrainer war, sondern auch die sportliche Leitung verantwortet habe. Duisburg war anschließend natürlich eine andere Nummer: Bundesliga-Strukturen, eine andere Medienlandschaft. Aber ich habe auf allen Stationen zu jedem Zeitpunkt etwas Wichtiges mitgenommen und dazugelernt.

Sie haben eine starke Startserie hingelegt, die Mannschaft spielt souverän. Wie nahe kommt dieser Fußball Ihren Idealvorstellungen?

Runjaic: Wir haben bisher wirklich durchweg ordentliche Partien geliefert. Wir haben dominant gespielt, viele Torchancen kreiert, viele Tore erzielt und wenig bekommen. So stellen wir uns das vor, und so kann es weitergehen. Aber wir können sicher noch manche Abläufe auf dem Platz verbessern.

Sie haben den klaren Auftrag, aufzusteigen. Wenn Sie Dritter werden und Lautern erneut in die Relegation müsste, wäre das ein Misserfolg?

Runjaic: Unser Kernziel ist der Aufstieg, der direkte Aufstieg. Sollte dies nicht funktionieren, dann wäre die Relegation die nächste Chance. Aber es sind noch viele Spiele zu spielen.

Wäre die jetzige Mannschaft des FCK tauglich fürs Oberhaus?

Runjaic: Das kann ich Ihnen momentan nicht beantworten. Wenn wir in diese Situation kommen, werden wir uns rechtzeitig damit beschäftigen, welche Anforderungen die Mannschaft erwarten.

Ist für Sie Erstliga-Trainer ein Lebensziel?

Runjaic: Als ich begonnen habe, war mein großer Wunsch, irgendwann als hauptberuflicher Trainer tätig sein zu dürfen. Klar, bei einer gewissen Entwicklung hat man schon das Ziel, in der 1. Liga zu arbeiten. Aber es ist nicht so, dass bei mir irgendwo an der Wand klebt: 2014 - 1. Liga!

Sie haben bei der WM 2006 für das Organisationskomitee Serbien und Montenegro betreut und bei der WM 2010 taktische Analysen für das ZDF erarbeitet. Sind Sie nächstes Jahr in Brasilien wieder im Einsatz?

Runjaic: Das kann ich momentan nicht beantworten. Bei der WM in Deutschland war ich 24 Stunden am Tag mit dem serbischen Team unterwegs als Bindeglied zwischen deren Verband, Mannschaft und dem Organisationskomitee. Das war eine großartige Erfahrung. 2010 habe ich miterlebt, welcher Aufwand bei den Medien rund um 90 Minuten betrieben wird. Es kann schon sein, dass ich nach Brasilien fliege und mir ein paar Spiele anschaue. Aber wichtig ist, dass alles den Anforderungen meiner Tätigkeit beim FCK und unseren Zielen untergeordnet ist.