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Der Schatten über Rio

Der Schatten über Rio

Wohl noch nie bestimmte das Thema Doping vor Olympischen Spielen derart die Schlagzeilen. Und die Diskussionen haben noch lange kein Ende, obwohl die Wettkämpfe in Rio in weniger als 100 Tagen schon beginnen.

Dürfen Russlands Leichtathleten starten? Was passiert mit Kenia? Und wie wirkt sich das Wirrwarr um Meldonium weiter aus? Auch knappe 100 Tage vor dem Beginn der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind die wichtigsten Doping-Fragen ungeklärt. Wohl noch nie füllte das Thema im Vorfeld Olympischer Spiele so die Schlagzeilen. Es geht um die Grundlage des Sports: die Glaubwürdigkeit.

"Sport kann immer noch aufregend sein. Aber wenn die Öffentlichkeit das Interesse verliert, weil sie denkt, alle dopen - dann werden die Menschen aufhören, Sport zu schauen", sagt Richard Pound, Gründungspräsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Auch er wird am 17. Juni mit Spannung die Entscheidung mit der größten Auswirkung auf Olympia erwarten. Knapp 10 000 Kilometer von Rio entfernt beschließt der Leichtathletik-Weltverband IAAF in Wien darüber, ob russische Leichtathleten in Rio an den Start gehen dürfen.

Noch immer scheint es kaum vorstellbar, dass ein jahrelanges, staatlich unterstütztes Dopingsystem innerhalb weniger Monate komplett geändert werden kann. Genauso unvorstellbar scheint aber auch, dass die IAAF die Sportgroßmacht Russland mit einem Aus brüskiert.

IAAF-Präsident Sebastian Coe steht vor einer auch für ihn persönlich brisanten Entscheidung. Einerseits weiß Coe, dass Russland innerhalb des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mächtige Unterstützer hat, andererseits gibt er sich selbst als Reformer. Angeblich hat sich IOC-Präsident Thomas Bach persönlich bei Coe für eine Teilnahme der Russen stark gemacht.

"Die IAAF muss sagen können: Wir sind moralisch davon überzeugt, dass alle, die an den Start gehen, sauber sind. Wenn sie das nicht sagen können - dann haben sie ein Problem", sagt Pound. Er selbst hatte als Vorsitzender der unabhängigen Wada-Kommission großen Anteil an der Aufdeckung des jahrelangen Betrugs. Damals sagte Pound, Russlands Leichtathleten hätten die Spiele in London "sabotiert". Dies solle sich nun nicht wiederholen.

Klar ist aber auch, dass Russland weder die einzige Nation, noch die Leichtathleten die einzige Sportart mit einem Dopingproblem ist. Erst Ende März hatte die englische Tageszeitung "The Times" neue Hinweise auf systematisches Doping bei russischen und chinesischen Schwimmern geliefert. Der deutsche Bundestrainer Henning Lambertz hatte befürwortet, bei entsprechender Faktenlage "ganze Nationen" zu sperren. Dass dies passiert, ist unwahrscheinlich.

Genauso wie wohl auch der Ausschluss Kenias. Mehrmals verpasste das ostafrikanische Land Fristen der Wada, ein Doping-Kontrollsystem existiert de facto ebenso wenig wie eine handlungsfähige Anti-Doping-Agentur. Am 2. Mai entscheidet die Wada über Konsequenzen.

Gleichfalls am Pranger sind auch andere Länder. Die IAAF soll zuletzt in einem internen Papier die Anti-Doping-Systeme in Äthiopien, Marokko, der Ukraine und Weißrussland als "entsetzlich" bezeichnet haben. Beispielweise habe die regionale Anti-Doping-Agentur für Ostafrika in Äthiopien im WM-Jahr 2015 keinen einzigen Test durchgeführt.

Es sind viele Probleme, die die Wada lösen muss. Doch die Reputation der obersten Dopingbekämpfer hat durch die Verwirrung um den Wirkstoff Meldonium arg gelitten. Fast 200 positive Tests hat es auf den seit dem 1. Januar 2016 verbotenen Wirkstoff gegeben, wie viele davon letztendlich zu Sperren führen werden, ist unklar. Mitte April musste die Wada zugeben, dass Meldonium doch länger im Körper nachweisbar ist als angenommen und von der Wada behauptet. Eine Blamage für die Welt-Anti-Doping-Agentur und den Kampf gegen Doping . An neuen Studien wird derzeit geforscht - zu spät für die Sommerspiele in Rio .