Der Saubermann

Hockenheim. Das verschmitzte Lächeln ist wieder da. "Es ist schön zu sehen, dass das Team Fortschritte macht", sagt Peter Sauber und lacht. In den vergangenen Monaten hatte der 66-Jährige wenig Grund zur Freude, stattdessen hatten sich tiefe Sorgenfalten in seine Stirn gegraben. Der Schweizer sah mitgenommen aus.Kein Wunder: Sauber hat kein einfaches Jahr hinter sich

Hockenheim. Das verschmitzte Lächeln ist wieder da. "Es ist schön zu sehen, dass das Team Fortschritte macht", sagt Peter Sauber und lacht. In den vergangenen Monaten hatte der 66-Jährige wenig Grund zur Freude, stattdessen hatten sich tiefe Sorgenfalten in seine Stirn gegraben. Der Schweizer sah mitgenommen aus.Kein Wunder: Sauber hat kein einfaches Jahr hinter sich. Eigentlich wollte er es ja längt langsamer angehen lassen, in den Ruhestand treten, es sich auf einer Berghütte am Zürich-See bequem machen. 2005 hatte er sein Formel-1-Team an BMW verkauft. Sauber wähnte sich am Ziel: "Ich hatte immer nach einem starken Partner gesucht. Nun war ich sicher, dass ich eine langfristige Lösung für den Rennstall gefunden hatte." Bei der Übergabe der Firma hatte er strahlend verkündet: "Das ist für mich, als würde ich als Brautvater meine Tochter zum Altar führen."Doch nur vier Jahre später folgte die Scheidung von Sauber und BMW, und nun muss sich "Papa" Peter wieder selbst um die Tochter kümmern. "Ich muss doch die Arbeitsplätze und den Technologiestandort erhalten", sagt Sauber. Das Team, das in diesen Tagen 40 Jahre alt wird, ist mehr als sein Beruf. Es ist sein Lebenswerk. "Das war der bitterste Tag in meiner 40-jährigen Motorsport-Karriere", erinnert sich Sauber an den Tag des BMW-Rückzugs. "Viele der Mitarbeiter hatte ich selbst eingestellt." Als Privatteam in der Formel 1 zu bestehen, hatte ihm auch früher schon manche schwere Zeit beschert. Er hat sie stets leise überwunden, ganz untypisch für die Formel 1. Peter Sauber will auch gar nicht in die von Glamour durchwehte Welt passen. Hochanständig, ehrlich und zurückhaltend. - das war er, das ist er. Ein Saubermann. Er kam ohne Skandale durch, ist seit über vier Jahrzehnten mit derselben Frau verheiratet und benennt unverdrossen seine Rennwagen nach ihr - das C steht für Christiane Sauber.Das Auto in diesem Jahr heißt C 29. "Der C29 ist eine Krücke", hatte Sauber nach dem Rennen in Kanada Mitte Juni noch geschimpft. "Ein unangenehmes Abschiedsgeschenk von BMW." Diese ungewöhnlich harschen Worte sind ein Zeichen dafür, wie verletzt Sauber vom BMW-Rückzug war. Eigentlich war es ein Wunder, dass das Auto überhaupt am Start stand. Die Rückkaufs-Verhandlungen mit BMW zogen sich bis Ende November. Nahezu ohne Sponsoren ging Sauber in die Saison.Doch jetzt scheint das Team die Kurve bekommen zu haben. In den ersten acht Rennen fuhren die Sauber-Piloten gerade mal ein einziges Pünktchen ein, in den beiden letzten 14. Aufgaben war nie eine Alternative, sagt Sauber: "Was mich immer angetrieben hat, war der Wille, vor einer unlösbaren Aufgabe nicht zu kapitulieren." Es gibt sogar schon wieder erste Kaufangebote. Doch Sauber hat abgelehnt. "Ich möchte das Team erst in sichere Bahnen führen." Am besten schon am Wochenende in Hockenheim.

Hintergrund"Für mich ist der Motorsport eine unternehmerische Aufgabe, zu der ich per Zufall kam", sagt Peter Sauber. Im väterlichen Betrieb hatte er Elektromonteur gelernt. Ein Freund überredete ihn, seinen VW tunen zu lassen. Saubers Lust am Basteln war geweckt, am Ende verlor der Käfer die Straßenzulassung. Im elterlichen Keller entstand anschließend der C1. Mit ihm gewann Sauber 1970 den Schweizer Sportwagen-Titel. In den späten 80er Jahren baute Sauber die Sportwagen für Mercedes. Auch der Formel-1-Einstieg war beschlossene Sache. Doch 1991 kippte der Mercedes-Vorstand den werksseitigen Einstieg. Sauber versuchte es allein. 1993 standen die Autos erstmals am Start. Heute hat das Team 260 Mitarbeiter. wip