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Der russische Riese und die Sprache des Sports

Der russische Riese und die Sprache des Sports

Homburg. Wenn jemand in ein fremdes Land zieht, ist es naturgemäß ein Vorteil, die dortige Sprache zu beherrschen. Ist das nicht der Fall, gibt es immer noch das globale Englisch, um sich mit den meisten seiner neuen Mitmenschen zu unterhalten. Doch wenn auch jene Option wegfällt, bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten

Homburg. Wenn jemand in ein fremdes Land zieht, ist es naturgemäß ein Vorteil, die dortige Sprache zu beherrschen. Ist das nicht der Fall, gibt es immer noch das globale Englisch, um sich mit den meisten seiner neuen Mitmenschen zu unterhalten. Doch wenn auch jene Option wegfällt, bleiben nicht mehr viele Möglichkeiten. Mit Deutsch und Englisch kann der neue Center des Basketball- Zweitligisten Saar-Pfalz Braves nicht dienen. Aber obwohl diese beiden Wege entfallen, kommuniziert Dmitriy Cheremnykh ohne große Probleme. Wie? Er spricht die Sprache Sport - denn die verbindet verschiedenste Völker und Kulturen."Zu 99 Prozent verstehe ich, was der Trainer sagt. Und da wir auch in Russland die englischen Begriffe im Basketball benutzen, ist das kein Problem", erklärt Cheremnykh - oder besser gesagt seine Dolmetscherin. Außerhalb des Feldes benötigt der 33-Jährige die Hilfe von Maria Goroshanin, die während des Gesprächs mit der SZ als Übersetzerin fungiert.

In seiner Heimat Russland verstehen die Menschen ihn auf und neben dem Platz. Dort begann er im Alter von elf Jahren mit dem Basketball-Sport. "Ich war schon immer sehr groß und hatte in meiner Kindheit einige russische Basketballer als Idole. Mit 18 habe ich mich dann entschieden, mein Leben dem Basketball zu widmen", erzählt der 2,13 Meter große Schlaks. Während seines Sportlehrer-Studiums an der Staatlichen Universität des Sports in Sibirien machte sich Cheremnykh einen Namen in der ersten und zweiten Liga Russlands. 2003 gehörte er zu den 25 besten Spielern des größten Staates der Welt. Vor allem unterm Korb wusste er seine gewaltige Körperlänge geschickt einzusetzen und war regelmäßig unter den besten Drei in Sachen Rebounds und Blocks zu finden.

Dass er auch für seinen neuen Arbeitgeber aus Homburg in der Defensive Gold wert sein kann, zeigte der zweimalige Familienvater in seinem dritten Spiel für die Braves. Beim 91:85-Erfolg gegen Bundesliga-Absteiger Gloria Giants Düsseldorf avancierte er mit sieben Blocks, sieben Rebounds und elf Punkten zum Spieler des Tages - seine bisher beste Partie. "Ich habe mich vorwiegend auf die Verteidigung konzentriert, weil es der Trainer zu mir gesagt hat", erläutert der nach dem ersten Spieltag verpflichtete Profi seine Aufgabe.

Die Aufgabe für das Spiel gegen die BG Karlsruhe heute um 20 Uhr im Sportzentrum Homburg-Erbach ist klar: Der dritte Sieg im sechsten Spiel soll her, um den mäßigen Saisonstart vergessen zu machen. Nach dem Erfolg gegen Düsseldorf schien der Knoten geplatzt, doch dann folgte am vorigen Wochenende die deutliche Niederlage bei den Kirchheim Knights (69:88). "Nach dem letzten Spiel waren alle sehr enttäuscht. Wir haben uns zusammengesetzt und über die Lage gesprochen. Man hat gemerkt, dass jeder will, und die Möglichkeiten sind ja auf alle Fälle vorhanden", sagt Cheremnykh in der Hoffnung auf eine Rückkehr in die Erfolgsspur - denn Siege sprechen schließlich die deutlichste Sprache. "Zu 99 Prozent verstehe ich, was der Trainer sagt."

Dmitriy Cheremnykh,

neuer Center der Saar-Pfalz Braves

Hintergrund

Erstes Saisonziel der Saar-Pfalz Braves in der 2. Basketball-Bundesliga Pro A ist eine Platzierung unter den besten Acht, um die Playoffs zu erreichen, in denen die Zweitliga-Meisterschaft und der Bundesliga-Aufstieg ermittelt wird. Aktuell liegen die Braves mit zwei Siegen und drei Niederlagen aus den ersten fünf Partien auf dem elften Platz. Der heutige Gegner BG Karlsruhe hat bislang erst einen Sieg errungen und sollte für die Braves schlagbar sein. red/hej