1. Sport
  2. Saar-Sport

Der Riese wankt, fällt aber nicht

Der Riese wankt, fällt aber nicht

Moskau. Spektakuläre Topspins, trickreiche Aufschläge und eine Gala-Show von Timo Boll: Der deutsche Tischtennis-Star und seine Kollegen Dimitrij Ovtcharov und Christian Süß versuchten alles. Riese China wankte zwar, aber er fiel nicht

Moskau. Spektakuläre Topspins, trickreiche Aufschläge und eine Gala-Show von Timo Boll: Der deutsche Tischtennis-Star und seine Kollegen Dimitrij Ovtcharov und Christian Süß versuchten alles. Riese China wankte zwar, aber er fiel nicht. Der dreifache Europameister verlor gestern das Traum-Finale der Team-Weltmeisterschaft in Moskau mit 1:3 gegen den nunmehr 17-maligen Rekordchampion und schenkte dem scheidenden Bundestrainer Trainer Richard Prause zum Abschied eine Silbermedaille.

Trotz der missglückten Olympia-Revanche - 2008 in Peking hieß es im Finale 0:3 - war der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) zwei Jahre vor der Heim-WM in Dortmund 2012 der große Gewinner in der russischen Hauptstadt. Neben Silber für die Herren, die zum dritten Mal nach 1969 (3:5 gegen Japan) und 2004 (0:3 gegen China) ein Finale verloren, holten die Damen sensationell Bronze (siehe Infokasten). Das ist die beste Team-WM-Bilanz seit dem Kriegsende.

In zwei Jahren soll in Dortmund und London mehr als nur ein Loch in die chinesische Tischtennis-Mauer geschlagen werden. "Wir müssen dafür alle Kräfte bündeln und noch mehr trainieren", kündigte der zukünftige Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf an. Der frühere Doppel-Weltmeister und Prause-Assistent durfte in Moskau laut Reglement nicht auf der Bank sitzen.

Das Finale begann mit einem Paukenschlag. Boll schlug in einem 50-Minuten-Krimi den Weltranglisten-Ersten Ma Long in fünf Sätzen. Dabei lag er bereits 0:2 zurück. Die Niederlage setzte Ma Lin kräftig unter Druck. Doch der Weltranglisten-Vierte schaffte mit einem 3:0 gegen Ovtcharov den Ausgleich. Den möglichen Sensationssieg für das DTTB-Team hatte Süß an Position drei auf dem Schläger. Der deutsche Meister konnte aber eine 1:0-Satzführung gegen Zhang Jike nicht retten. Danach bekam China die Partie besser in den Griff, und Ma Lin löste mit einem Vier-Satz-Sieg gegen Boll bei den zahlreichen chinesischen Fans unter den 8000 Besuchern großen Jubel aus. dpa

Hintergrund

Der Siegeszug der deutschen Tischtennis-Damen ist erst im Halbfinale der Team-WM gestoppt worden. Die Auswahl um Europameisterin Jiaduo Wu aus Kroppach verlor am Samstag gegen den Olympia-Zweiten Singapur mit 0:3. Doch traurig war keiner. Mit der Bronzemedaille - der ersten seit der WM 1997 in Manchester - hatte im Vorfeld keiner gerechnet. "Es herrscht Freude pur", sagte Trainer Jörg Bitzigeio. Der dritte Platz von .Kristin Silbereisen, Elke Schall und Sabine Winter "ist ein sensationelles Ergebnis", lobte Sportdirektor Dirk Schimmelpfennig.

"Der Verband hat an uns geglaubt, auch in schlechten Zeiten", bedankte sich Bitzigeio. Er gilt als konsequenter Verfechter einer harter Trainingsarbeit. Auch die Zukunft sieht gut aus. Zwar sind Wu (32) und Schall (36) älter als 30 Jahre. Doch Silbereisen (25), Winter (17) und die 16-jährige deutsche Vizemeisterin Petrissa Solja (TTSV Fraulautern), die für die WM zuerst nominiert wurde und dann doch zu Hause bleiben musste (die SZ berichtete), haben ihr Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. dpa