| 21:18 Uhr

Badminton-DM in Bielefeld
Der realistische Geduldsspieler

Saarbrücken. Der Bischmisheimer Fabian Roth ist nach langer Zwangspause wieder zurück. Heute startet die deutsche Badminton-Meisterschaft. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Fabian Roth ist Realist. „Vielleicht kommt Bielefeld noch ein bisschen zu früh“, sagt der Badminton-Nationalspieler vom 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim. Zu früh, um in dieser Woche in Bielefeld seinen deutschen Meistertitel im Herreneinzel zu verteidigen. Schließlich stand der 22-Jährige am vergangenen Sonntag erstmals seit Monaten wieder in einem Wettkampf auf dem Feld. Im Bundesligaspiel gegen den TSV Trittau steuerte Roth in der Joachim-Deckarm-Halle einen Punkt zum schwer erkämpften 4:3-Sieg des Tabellenführers bei. „Das war ein guter Einstand für mich nach vier Monaten Pause. Natürlich fehlt mir noch ein wenig die Matchpraxis“, erzählt Roth.


Matchpraxis, die er ab heute in Bielefeld weiter ausbauen will. An diesem für ihn bedeutsamen Ort, wo er vor genau einem Jahr erstmals deutscher Einzelmeister bei den Aktiven wurde. Damals trug Roth noch das Trikot des TV Refrath und traf im Finale auf Marc Zwiebler, Deutschlands lebende Einzel-Legende und Nummer eins des BCB. Roth bezwang den deutschen Rekordmeister (neun Titel), viele sprachen damals von einer Wachablösung. Und auch der Wechsel im Sommer zum BCB, um dort Zwieblers Nachfolger zu werden, war folgerichtig.

Doch dann hakte es plötzlich bei dem hoch veranlagten gebürtigen Karlsruher – körperlich. Der Rücken zwickte. Erst verhalten, dann immer schlimmer. Eine Bandscheibe. „Sowas zieht sich“, erzählt Roth, „ich habe viel Aufbautraining gemacht, viel Kraft zugelegt.“ Geduld war gefragt – eine Eigenschaft, die sich Roth seit einer zehnmonatigen Zwangspause 2015/2016 wegen Hüftproblemen zwangsweise hat aneignen müssen. Ein Versuch, Mitte Oktober bei den Denmark Open wieder einzusteigen, kam zu früh. Gegen den starken Wing Ki Vincent Wong aus Hongkong, die Nummer 14 der Welt, zeigte Roth sein Potenzial, aber danach zwickte der Rücken wieder. Also wieder Pause – bis zum vergangenen Sonntag.

Seit Januar trainiert Roth wieder auf dem ganzen Feld. Die DM in Bielefeld kommt angesichts seiner Spielstärke und der in den ersten Runden wohl doch eher überschaubaren nationalen Konkurrenz gerade recht. „Ich fahre ohne Erwartungen zur DM“, sagt Roth, „ich will schauen, dass ich so viele Spiele wie möglich machen kann.“ Im Idealfall werden es fünf – und wenn er alle gewinnt, dann hat er seinen Titel erstmals verteidigt.

Selbst wenn Roth am kommenden Sonntag in der Seidensticker-Halle nicht auf dem Siegerpodest stehen wird – die Wahrscheinlichkeit, dass der BCB in Bielefeld ohne Titel bleiben wird, ist gering. Vor allem Marvin Seidel, der im Herrendoppel und im Mixed jeweils an Position zwei gesetzt ist, rechnet sich einiges aus. „Ich fühle mich gut und habe insgeheim schon das Ziel, in beiden Wettbewerben vorne zu landen“, sagt der 22-jährige Nationalspieler. Stärkste Konkurrenten im Mixed, wo Seidel mit Stammpartnerin Linda Efler antritt, sind Vereinskollegen: Isabel Herttrich vom BCB führt die Setzliste mit Mark Lamsfuß (BC Wipperfeld) an, das BCB-Duo Peter Käsbauer und Olga Konon folgt an Position drei. Herttrich ist zudem die große Titel-Favoritin im Damendoppel an der Seite von Carla Nelte (TV Refrath). Es müsste also schon mit dem Teufel zugehen, wenn der BCB mit leeren Händen aus Bielefeld zurückkehren würde. Unabhängig davon, was Fabian Roth leisten kann.