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"Der Profi-Fußball hat sich zu einer unerbittlichen Welt entwickelt"

"Der Profi-Fußball hat sich zu einer unerbittlichen Welt entwickelt"

Hannover. Die Anteilnahme am Tod Robert Enkes ist riesig. Hannover 96 und die Stadt bereiten sich auf die größte Trauerfeier in Deutschland seit über vier Jahrzehnten vor. Die größte in der Nachkriegsgeschichte war 1967. Nach dem Tod Konrad Adenauers defilierten 300 000 Menschen am Sarg des Bundeskanzler vorbei

Hannover. Die Anteilnahme am Tod Robert Enkes ist riesig. Hannover 96 und die Stadt bereiten sich auf die größte Trauerfeier in Deutschland seit über vier Jahrzehnten vor. Die größte in der Nachkriegsgeschichte war 1967. Nach dem Tod Konrad Adenauers defilierten 300 000 Menschen am Sarg des Bundeskanzler vorbei. 45 000 wollen an diesem Sonntag (11 Uhr/ARD) im Stadion Abschied vom beliebten Enke nehmen, der an Depressionen litt und sich am Dienstag umbrachte, Zehntausende vor der Arena. Während Nationalspieler ein Abschiedsspiel für Enke wollen, ging die Diskussion um Lehren aus dessen Suizid weiter. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bunds, Theo Zwanziger (Foto: ddp), glaubt, dass der Tod des 32-Jährigen den Fußball verändern werde: "Wenn wir Robert Enke gerecht werden wollen, müssen wir dazu kommen, dass im Fußball jeder ohne Angst leben kann. Mit seinen Stärken, Schwächen und Neigungen." Sportsoziologe Gunter Gebauer hat Zweifel daran: "Der Profi-Fußball hat sich zu einer unerbittlichen Welt entwickelt. Das macht einen Teil seiner Faszination aus: Er fordert von seinen Helden den Sieg über alle Gegner." Der Profi-Sport träume vom unfehlbaren Athleten. Der Mythos sei nicht nur naiv, sondern gefährlich. Florian Holsboer, der Direktor des Münchner Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, behandelte den zurückgetretenen Profi Sebastian Deisler wegen Depressionen. Er befürchtet, dass sensible Künstler weniger werden. "Da werden diese jungen Menschen ohne große Lebenserfahrung in den Mittelpunkt des Interesses gerissen und haben Geld ohne Ende. Sich damit zurechtzufinden, braucht eine robuste Natur und führt vielleicht auch dazu, dass die Sensibleren, die Künstlertypen vielleicht nicht mehr den Zugang zum Profi-Fußball finden." In Hannover indes soll ein Platz zu Ehren Enkes dessen Namen tragen. Fans forderten, bei 96 die Nummer 1 nicht mehr zu vergeben. Mit einem Zitat des tschechischen Ex-Präsidenten Václav Havels gedachte Enkes Frau Teresa (Foto: ddp) in einer Anzeige ihrem Mann: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht." Dazu hieß es: "In ewiger Liebe - Teresa, Leila und Dein kleiner Engel". Leila ist die im Mai adoptierte Tochter. Mit "Engel" ist Tochter Lara gemeint, die 2006 mit zwei Jahren starb. Enke wird neben Lara beigesetzt - im Familienkreis. dpa