Der Prinz steigt in den Ring

Berlin · In Prinz Ali bin al-Hussein hat sich ein zweiter Gegenkandidat für den umstrittenen Fifa-Präsidenten Joseph S. Blatter aus der Deckung erhoben. Wie groß seine Unterstützung in Asien und Europa ist, bleibt abzuwarten.

Ein Prinz gegen den Patriarchen: Der jordanische Adlige Ali bin al-Hussein will Joseph S. Blatter vom Fifa-Thron stoßen und den skandalumwitterten Fußball-Weltverband einer längst fälligen Reform unterziehen. Via Twitter teilte Prinz Ali gestern seine Kandidatur für die Wahl des Fifa-Präsidenten mit. Seine Chancen gegen den stark vernetzten und mit allen Wassern gewaschenen Amtsinhaber Blatter lassen sich derzeit noch nicht einschätzen.

"Zeit für Veränderungen"

"Ich tue das, weil ich glaube, dass es an der Zeit ist, den Fokus wieder auf den Sport zu richten", teilte der Sohn des verstorbenen Königs Hussein von Jordanien mit: "Die Botschaft, die ich immer wieder gehört habe, war, dass es Zeit für Veränderungen ist. Das Weltspiel verdient eine Weltklasse-Regierung - eine internationale Vereinigung, die eine Dienstleistungsorganisation ist und Beispiel gibt für Ethik, Transparenz und gute Führung."

Hehre Ziele, die auch Wolfgang Niersbach unterstützt. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) reagierte dennoch erst einmal zurückhaltend. "Prinz Ali bin al-Hussein hat mich heute in einem Brief über seine Kandidatur informiert. Ich habe ihn bisher noch nicht näher kennengelernt, aber sehr viel Positives über ihn gehört. Er wird als starke Persönlichkeit beschrieben", ließ Niersbach verlauten.

Prinz Ali, seit 16 Jahren Präsident des jordanischen Fußballverbandes und seit 2011 Fifa-Vize, gilt als Vertrauter von Uefa-Boss Michel Platini . Das bedeutet aber nicht, dass er automatisch eine breite Unterstützung der nationalen Verbände der Europäischen Fußball-Union (Uefa) erhält. "Wir werden innerhalb der Uefa noch im Januar besprechen, wie wir uns positionieren", sagte Niersbach. Neben dem 39-jährigen Prinzen will auch der als chancenlos geltende Franzose Jérôme Champagne den Schweizer Fifa-Boss ablösen.

Blatter (78), der bei der Wahl am 29. Mai in Zürich seine fünfte Amtszeit anstrebt, schwieg über die angekündigte Kandidatur des halb so alten Herausforderers aus Nahost. Dass sich die Uefa komplett gegen ihn stellt, fürchtet Blatter offenbar nicht. Angeblich hat er viele europäische Verbände bereits hinter sich gebracht. Ob der Jordanier al-Hussein den Großteil der Stimmen der Asiatischen Konföderation AFC erhalten würde, gilt nicht als sicher, da dem AFC-Präsidenten Salman Bin Ebrahim Al Khalifa ein sehr guter Draht zu Blatter nachgesagt wird.

Kandidatur noch nicht offiziell

Die Einschätzung der Lage fällt auch deswegen so schwer, weil Prinz Alis Kandidatur erst offiziell wird, wenn er sie bis zum 29. Januar bei der Fifa einreicht und er die Unterstützung von mindestens fünf Nationalverbänden nachweisen kann. Welche von den insgesamt 209 Mitgliedsverbänden dafür infrage kommen, teilte der Jordanier nicht mit. Aber gerade diese Information dürfte die Richtung für die Wahl vorgeben.

Prinz Ali, Bruder von Prinzessin Haya, der langjährigen Präsidentin des Weltreiterverbandes, wurde 2011 als jüngstes Mitglied ins Fifa-Exekutivkomitee gewählt. Er hatte sich wegen der Korruptionsvorwürfe im Zuge der WM-Vergaben an Russland (2018) und Katar (2022) als einer der wenigen Fifa-Offiziellen für eine vollständige Veröffentlichung des "Garcia-Reports" ausgesprochen.

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