Der Pott geht in den Pott

Berlin. Das Objekt der Begierde wurde schon präsentiert - anfassen mochte es noch niemand. Doch wenn es nach Ralf Rangnick geht, wird Kapitän Manuel Neuer den DFB-Pokal am Samstag nach dem Finale gegen den MSV Duisburg (20 Uhr/ARD) in den Berliner Abendhimmel recken

Berlin. Das Objekt der Begierde wurde schon präsentiert - anfassen mochte es noch niemand. Doch wenn es nach Ralf Rangnick geht, wird Kapitän Manuel Neuer den DFB-Pokal am Samstag nach dem Finale gegen den MSV Duisburg (20 Uhr/ARD) in den Berliner Abendhimmel recken. "Manuel ist total fokussiert, will den Pokal in Empfang nehmen und hochhalten", sagte der Trainer des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 einen Tag vor dem Endspiel - und stiftete ein wenig Verwirrung um die mutmaßliche Abschiedspartie des Torhüters: "Ob Manuel wirklich sein letztes Spiel macht - da wäre ich mir nicht so sicher."Neuer schweigt weiter zu dem Thema, auch wenn an seinem Wechsel zu Ligakonkurrent Bayern München in diesem Sommer keine Zweifel mehr bestehen. Der 25-Jährige will sich in seiner Konzentration auf den Höhepunkt nicht stören lassen. Er sagte: "Das ist eine einmalige Chance für uns, und ich bin fest überzeugt, dass wir den Pokal holen."

Für Schalke geht es darum, die wechselvolle Spielzeit mit dem Pokalsieg zu krönen. Eine Niederlage wäre ein Desaster für den mit fast 250 Millionen Euro verschuldeten Verein. "Mit dem Titel könnte die Mannschaft stolz sein auf eine besondere Saison, die in die Vereinsgeschichte eingeht", sagte Rangnick, ergänzte aber: "Es ist ja auch ein Endspiel um die Qualifikation zur Europa League." Die Partie gehe man dennoch "ohne Angst" vor dem Scheitern.

So selbstbewusst gab sich Duisburgs Milan Sasic nicht. Nicht zuletzt wegen der großen Personalprobleme bleibt Zweitligist MSV nur die Außenseiterrolle, in der sich Sasic jedoch wohl fühlt. "Es ist sicher ein Höhepunkt für uns, den Verein und die Stadt", sagte der kroatische Trainer.

Der gesperrte Bruno Soares fehlt ebenso wie die verletzten Srdjan Baljak, Julian Koch und Jürgen Säumel. Ivica Grlic, Stefan Maierhofer und Benjamin Kern sind angeschlagen. Ihr Einsatz entscheidet sich kurzfristig. "Kein Verletzungspech kann größer sein als unser Wille, das Spiel zu gewinnen", versprach Sasic Einsatz bis zum Umfallen. Immerhin erhielt Maierhofer grünes Licht für eine Rückkehr 49 Tage nach seinem Fußbruch. "Mehr Adrenalin, als in diesem Spiel dabei zu sein, kann es gar nicht geben", sagte der österreichische Stürmer, der aber wohl nur als "Joker" in Frage kommt. Wenn Grlic fit wird, führt er die "Zebras" als Kapitän auf den Rasen. Der Mittelfeldspieler erklärte: "Wir können befreit aufspielen, haben nichts zu verlieren. Unsere Chance liegt darin, dass es nur ein Spiel gibt."

Auch für Schalke-Stürmer Raúl wäre "der letzte Schritt" in Berlin etwas Außergewöhnliches. Schließlich fehlt dem 33-jährigen Spanier, der in seinen 16 Jahren bei Real Madrid nie den spanischen Pokal gewinnen konnte, ein nationaler Pokalerfolg in seiner großen Titelsammlung. Trotz der zuletzt sechs Pflichtspiel-Pleiten glaubt Abwehrspieler Benedikt Höwedes fest an den fünften Schalker DFB-Pokalsieg nach 1937, 1972, 2001 und 2002. "Jeder wird bis in die Fingerspitzen motiviert sein. Der Titel wäre absolut fantastisch", sagte der Innenverteidiger.

"Ob Manuel sein letztes Spiel macht - da wäre ich mir nicht so sicher."

Schalke-Trainer

Ralf Rangnick

Hintergrund

Der DFB-Pokal ist eine Goldgrube. Speziell für Zweitligist MSV Duisburg. Aus den Vermarktungsrechten nahmen die Meidericher mehr ein, als sie für die gesamte Zweitliga-Saison an TV-Honorar bekamen, errechnete das Fußball-Fachmagazin "Kicker". Der Verlierer des Berliner Endspiels zwischen Duisburg und Erstligist FC Schalke 04 an diesem Samstag (20 Uhr/ARD) bekommt zwei Millionen Euro, der Gewinner darf sich über 2,5 Millionen Euro freuen. Insgesamt nahm der MSV Duisburg durch das Erreichen des Endspiels schon rund 6,5 Millionen Euro ein.

 Zwei Trainer, ein Ziel: Duisburgs Milan Sasic (links), Schalkes Ralf Rangnick - und der DFB-Pokal. Foto: dpa

Zwei Trainer, ein Ziel: Duisburgs Milan Sasic (links), Schalkes Ralf Rangnick - und der DFB-Pokal. Foto: dpa

Wegen der größten Anzahl an Live-Spielen im Fernsehen lag der FC Bayern München in der Geldrangliste bis zum Halbfinale gegen Schalke (0:1) vorn. Aus der zentralen Vermarktung erlöste der entthronte Titelverteidiger 5 293 250 Euro. Bei den Schalkern betrug diese Summe inklusive Vorschlussrunde 4 913 250 Euro. dpa

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