Der neue LSVS bekommt ein Gesicht

Kostenpflichtiger Inhalt: Aufsichsrat wird gewählt : Der neue LSVS bekommt ein Gesicht

Bei der Mitgliederversammlung am Sonntag in Saarbrücken wird der neue Aufsichtsrat gewählt. Auch LSVS-Chef Zöhler kandidiert.

Am Sonntag wird im Saarbrücker Stadtwald ab 10 Uhr saarländische Sportgeschichte geschrieben. Zwar wird sich wohl niemand der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sportlich betätigen, ins Schwitzen kommen könnten einige aber schon, denn bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung geht es um nicht weniger als die Zukunft des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS).

„Zunächst müssen wir über eine Satzungsänderung entscheiden, die dann die Wahl eines Aufsichtsrates ermöglicht“, erklärt Adrian Zöhler, der aktuelle LSVS-Präsident, zur Tagesordnung. Dieser Aufsichtsrat soll aus neun Personen bestehen und hat nur eine einzige Aufgabe: Er soll zwei künftig hauptamtlich tätige Vorstände finden, die den Verband nach den Vorgaben des neuen LSVS-Gesetzes führen. „Sobald dies gelungen ist, wird aus dieser ursprünglichen Findungskomission ein echtes Kontrollgremium“, sagt Zöhler über den Aufsichtsrat. Bis die neuen Vorstände ihre Arbeit aufnehmen, trägt weiter das amtierende Präsidium die Verantwortung und auch die Haftung.

Grundsätzlich kann sich am Sonntag jeder Interessierte in den Aufsichtsrat wählen lassen, der – wie im LSVS-Gesetz gefordert – „einen ökonomischen und sportfachlichen Hintergrund“ aufweisen kann. Bis Dienstag sollen rund ein Dutzend Männer und Frauen ihre Bereitschaft, in diesem Gremium mitzuarbeiten, bekundet haben. Zu ihnen zählen der derzeitige LSVS-Vizepräsident Bodo Wilhelmi (Ringen) und der ehemalige Badminton-Boss Frank Liedke ebenso wie Zöhler. „Ich habe den 13-Millionen-Euro-Kredit für den LSVS persönlich unterschrieben, darum möchte ich auch an den Weichenstellungen für die Zukunft mitarbeiten. Ich denke, das ist nachvollziehbar“, sagt der Präsident, der allerdings nicht Vorsitzender des Aufsichtsrates werden möchte: „Ich bewerbe mich ja bekanntermaßen als Präsident des Saarländischen Fußballverbandes. Dem Fußball soll künftig meine ganze Aufmerksamkeit gelten. Der Vorsitzende des neuen Aufsichtsrats des LSVS wird künftig den Titel Präsident führen und zahlreiche repräsentative Termine wahrnehmen müssen. Das werde ich nicht leisten können.“

Dass sich neben Zöhler nach SZ-Informationen der bisherige Verbandsspielleiter der Fußballer, Adalbert Strauß, ebenfalls um einen Platz im Aufsichtsrat bewerben soll, sorgt für Unruhe. Strauß scheidet aus dem SFV-Vorstand aus, und Zöhlers Wahl am Sonntag ist nicht sicher. Vertreter der Oppositionsgruppen im SFV reklamieren, dass die Situation eintreten könnte, dass im LSVS dann keine gewählten Vertreter des größten Einzelverbandes vorhanden wären. Auch die Wahl des bisherigen Präsidenten des LSVS zum Aufsichtsrat könne man nur dann akzeptieren, wenn er dieses Amt zurückgibt, sofern er am 28. März 2020 nicht zum Präsidenten des SFV gewählt wird.

Die Stimmung in vielen Mitgliedsverbänden des LSVS ist seit Monaten angespannt. Zwölf von ihnen, darunter die Segler, Turner, Tänzer und Kickboxer, hatten einen Antrag auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung gestellt, weil die Reduzierung der Geschäftsstellen (wir berichteten) „im Widerspruch zum bestehenden Sanierungskonzept“ stünde, wie es Lutwin Jungmann vom Saarländischen Leichtathletik-Bund formuliert: „Die Unterzeichner des Antrags bestreiten, dass laut LSVS-Satzung die Befugnis zu einer solchen organisatorischen Grundsatzentscheidung dem Präsidium zusteht. Vielmehr bedarf es hierzu einer Beschlussfassung durch die Mitgliederversammlung als oberstem Verbandsorgan des LSVS.“

Präsident Zöhler sieht das erwartungsgemäß anders. „Der Antrag hat nicht das notwendige Quorum erreicht. Das räumen auch die Antragssteller ein“, sagt Zöhler: „Darum wird es auch kein Thema am Sonntag sein. Wir haben eine Umstrukturierung mit lernenden Elementen. Da passieren auch Fehler, daraus lernen wir und reagieren darauf. Es ist ein fließender Prozess.“

Zwei Wahlgänge sind in der Multifunktionshalle zur Bestimmung des neuen Aufsichtsrats vorgesehen. Dabei sollen – nicht wie ursprünglich untersagt (!) – Film-, Foto- und Tonaufnahmen erlaubt sein. „Wir wollen die größtmögliche Transparenz“, sagt Zöhler. In den Aufsichtsrat gewählt ist, wer im ersten Durchgang mindestens 50 Prozent plus eine Stimme erhält. Die freien Plätze werden in einem zweiten Durchgang über die Anzahl der dann erhaltenen Stimmen besetzt.

Dafür, wie der Aufsichtsrat die beiden Vorstandsposten besetzen wird, gibt es keine Vorgabe. „Ich denke, ein betriebswirtschaftliches Studium ist die Grundlage. Sportaffinität natürlich auch. Dazu sollte man eine gewisse Erfahrung im Führen von Mitarbeitern mitbringen und Teamplayer sein. Und natürlich wäre es von Vorteil, wenn die beiden gut miteinander harmonieren würden“, beschreibt Zöhler seine ganz eigenen Vorstellungen, denn: „Es gibt keine Vorauswahl, keine Stellenbeschreibung. Das ist alles Aufgabe des neuen Aufsichtsrates. Das aktuelle Präsidium hat da ganz bewusst keine Vorarbeit geleistet, um jedem Eindruck der Mauschelei die Basis zu entziehen.“ Es sei zwar „ambitioniert“, aber bis zum Sommer sollen die nach SZ-Informationen mit einem sechsstelligen Betrag dotierten neuen Vorstandsposten beim LSVS dann besetzt sein.