1. Sport
  2. Saar-Sport

Tennis: Der mit dem Kämpferherz ist zurück

Tennis : Der mit dem Kämpferherz ist zurück

Der Argentinier Juan Martin del Potro steht bei den US Open im Viertelfinale und begeistert die Fans.

Bei Roger Federer waren die Erinnerungen sofort wieder da. Die Erinnerungen an 2009, dem Jahr seiner Hochzeit, der Geburt seiner Töchter und seinem einzigen French-Open-Sieg. Aber auch einer völlig überraschenden Endspiel-Niederlage in New York – gegen den Argentinier Juan Martin del Potro. Fünf Mal nacheinander hatte Federer zuvor die US Open gewonnen, der damals 20-jährige Südamerikaner beendete seine Erfolgsserie.

„Ich hatte all diese Chancen. Es ist eines der Matches, das ich noch einmal spielen würde“, sagte Federer nach seinem glatten 6:4, 6:2, 7:5 im Achtelfinale gegen den überforderten Philipp Kohlschreiber. Kohlschreiber sagte daraufhin genau wie Mischa und Alexander Zverev für das Relegationsspiel der Davis-Cup-Mannschaft in der Weltgruppe vom 15. bis 17. September in Lissabon gegen Portugal ab.

Für Federer wird es heute nun beim letzten Grand-Slam-Turnier des Jahres erneut zum Duell mit „Delpo“ kommen. Und zwar nur, weil der jahrelang von Handgelenksverletzungen zurückgeworfene del Potro ein mitreißendes Achtelfinale gewann, bei dem er wie der sichere Verlierer aussah.

„Er war so lange weg, dass es schön ist zu sehen, dass er wieder solche Matches spielt“, sagte Federer, der seit 2008 auf den US-Open-Titel wartet. Der Schweizer bedauerte del Potros ständige Blessuren: „Es tat mir so leid für ihn, weil ich glaube, er hatte eine berechtigte Chance, die Nummer eins zu werden.“ Nach insgesamt drei Operationen am Handgelenk kämpfte sich Publikumsliebling del Potro zurück. Zwei Jahre hatte der Olympia-Zweite von Rio zwischendurch fast komplett pausieren müssen.

Sein Achtelfinale gegen den Österreicher Dominic Thiem in der Nacht zu Dienstag war an Spannung, Dramatik und Emotionen kaum zu überbieten. Als er nach 3:34 Stunden und dem 1:6, 2:6, 6:1, 7:6 (7:1), 6:4 als Sieger feststand, streckte der Argentinier die Hände dem Himmel entgegen, bekreuzigte sich und sackte dann völlig erschöpft auf seinen Stuhl. Er habe doch eigentlich schon jetzt eine Trophäe verdient, meinte er: „Ich weiß nicht, wie ich dieses Spiel gewinnen konnte.“

Die Stimmung war wie beim Davis-Cup, Fans in Argentinien-Trikots hüpften, tanzten und schrien auf der Tribüne. Nach den ersten beiden Sätzen hatte der kranke Weltranglisten-28. schon aufgeben wollen. Zu erschöpft fühlte er sich, zu aussichtlos waren die Chancen. Doch die Unterstützung der 8000 Zuschauer habe ihn dazu bewogen zu kämpfen. „Ich konnte nicht atmen und mich nicht gut bewegen“, erklärte del Potro, der zwischendurch Tabletten schluckte.

Das Publikum liebt ihn für sein Kämpferherz und für seine monströse, flach übers Netz gepeitschte Vorhand. Im vierten Satz holte der 28-Jährige ein 2:5 auf und wehrte bei 5:6 zwei Matchbälle mit Assen ab. Im Viertelfinale kommt es jetzt auch darauf an, ob sich der 1,98-Meter-Hüne körperlich berappeln kann.