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Der letzte Sommermärchen-Prinz

Mit „Schweini“ (links) und „Poldi“, die 2014 Weltmeister wurden, sind die letzten Spieler aus dem Kader des Sommermärchens 2006 in Deutschland aus der Nationalelf zurückgetreten. Foto: Gebert/dpa
Mit „Schweini“ (links) und „Poldi“, die 2014 Weltmeister wurden, sind die letzten Spieler aus dem Kader des Sommermärchens 2006 in Deutschland aus der Nationalelf zurückgetreten. Foto: Gebert/dpa FOTO: Gebert/dpa
München. Nach dem Rücktritt von Lukas Podolski ist der letzte Held des Sommermärchens 2006 weg. Die Planungen von Joachim Löw beeinflusst dies nicht. Podolski bekommt wie Bastian Schweinsteiger ein Abschiedsspiel. sid-Mitarbeiter Thomas Niklaus

Als Joachim Löw am 16. August 2006 sein Debüt als Bundestrainer feierte, spielten noch Jens Lehmann , Bernd Schneider und Torsten Frings . Aber auch Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski . Zehn Jahre später ist die damalige deutsche Elf, die Schweden 3:0 besiegte, Vergangenheit.



In Schweinsteiger und Podolski sind nun die letzten Helden, die das Sommermärchen 2006 noch geprägt hatten, zurückgetreten. "Bastian und Lukas haben riesige Verdienste für die Nationalmannschaft, den DFB und den deutschen Fußball. Ich weiß, dass es beiden viel bedeutet, noch ein letztes Mal für Deutschland aufzulaufen. Das zeigt, wie wichtig ihnen die Mannschaft ist und war", sagte Bundestrainer Joachim Löw . Mit Blick auf die WM 2018 in Russland bedeuten die Rücktritte für Löw einen Einschnitt. Einen Neuanfang muss der 56-Jährige beim Weltmeister aber nicht starten.

Löw verfügt vor dem Start in die neue Saison mit dem Länderspiel gegen Finnland in Mönchengladbach am 31. August und dem ersten WM-Qualifikationsspiel in Oslo gegen Norwegen am 4. September auch ohne Schweinsteiger und Podolski, die zuletzt sportlich ohnehin nur noch eine Nebenrolle eingenommen hatten, über ein stabiles Gerüst. Die erfahrenen Manuel Neuer , Jerome Boateng, Mats Hummels , Toni Kroos , Sami Khedira oder Thomas Müller übernahmen mehr und mehr das Kommando und bewiesen Führungsqualitäten.

Löw, der nach dem WM-Triumph 2014 die "Abgänge" von Philipp Lahm , Per Mertesacker und Miroslav Klose kompensieren musste, hatte nach der Halbfinal-Niederlage bei der EM gegen Frankreich (0:2) bereits betont, "dass uns diese Mannschaft sicher noch viel Freude bereiten wird". Man könne sich "auf die Zukunft freuen", sagte auch Torwart Neuer, der nach dem Rücktritt von Schweinsteiger wohl die Kapitänsbinde übernehmen wird: "Ich denke, dass wir eine sehr gute Mischung in der Mannschaft haben." Und Hummels ergänzte: "Um gute Spieler müssen wir uns wenig Sorgen machen die nächsten Jahre."

Schon für die EM hatte Löw in Jonathan Tah, Julian Weigl, Leroy Sané und Joshua Kimmich vier junge Spieler berufen. Aus dem Olympia-Kader dürften Julian Brandt, Serge Gnabry und Max Meyer Perspektiven haben. Zudem kann Löw kurz- und mittelfristig auf die Leistungsträger Marco Reus und Ilkay Gündogan zurückgreifen, die bei der EM verletzt fehlten. Auch Karim Bellarabi oder Kevin Volland werden in Löws Blickfeld sein.



Noch genießt der Bundestrainer , der dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) mindestens bis 2018 erhalten bleibt, bis kommende Woche ein paar freie Tage, ehe er sich mit seinem Trainer- und Expertenstab treffen wird, um die EM aufzuarbeiten und die kommenden Monate zu planen. Erstmals wird die Nationalmannschaft dann am 29. August nach dem ersten Bundesliga-Spieltag zusammentreffen, um sich auf die Spiele gegen Finnland und Norwegen vorzubereiten.

Die Partie gegen die Finnen steht noch einmal im Zeichen von Schweinsteiger, der unter dem Motto "Servus Basti" sein Abschiedsspiel erhalten wird. Für Podolski, der sich einen Außenbandriss zugezogen hat, wird noch ein Termin gesucht.

Löw wird in Mönchengladbach auch das Rätsel um den neuen Spielführer lösen. Neben Neuer sind Müller, Khedira und Boateng Kandidaten. Aber schon in Frankreich hatte Löw dem Thema wenig Beachtung geschenkt. Das spiele für ihn "keine entscheidende Rolle. Wir haben einige Spieler, die die Kriterien erfüllen und diese Rolle übernehmen können".