1. Sport
  2. Saar-Sport

Badminton: Der Kronprinz greift nach dem Thron

Badminton : Der Kronprinz greift nach dem Thron

Der Neu-Bischmisheimer Fabian Roth startet ab Montag bei der Badminton-WM in Schottland. Im Herbst muss er wieder umziehen.

Volltreffer! Der Federball trifft genau auf den Allerwertesten. Mit voller Geschwindigkeit. Aus gerade mal vier Metern Entfernung. Strafe muss sein. Auch für Fabian Roth. Den Kronprinzen im deutschen Herren-Einzel. So wurde er mal genannt, erzählt er. Aber auch Kronprinzen scheitern. Diesmal nur im Training. Für die Jungs ein Ritual, ein Spaß, die Verlierer im Training mit dem Ball abzuschießen.

Das war nur das Aufwärmen. Die nächste Übung lässt den Schweiß tropfen. Roth streckt sich nach jedem Ball. Athletisch. Jede Ecke erreicht er – bis sein Körper am Boden entlangrutscht. Pause. Durchschnaufen. So trainiert er also. Der Anwärter auf den Badminton-Thron. Viele sehen ihn schon dort oben. Vergleichen ihn mit dem großen Marc Zwiebler. Dem Aushängeschild des deutschen Badmintons. Kurz vor Zwieblers Karriereende in diesem Jahr hat der 21-jährige Roth den neunmaligen deutschen Meister geschlagen. Und plötzlich waren alle Augen auf Roth gerichtet. Den Ruhigen. Den Ehrgeizigen. „Ich habe halt einfach gespielt“, sagt er im Nachhinein zu seinem Titelgewinn bei den deutsche Meisterschaften.

Den Vergleich mit Zwiebler sieht Roth als Kompliment. „Wenn ich erstmal so weit komme wie er, wäre das schon gut“, sagt Roth bescheiden. Drei Mal war Zwiebler bei Olympia dabei. Eine Medaille gewonnen hat er nie. Das gilt es zu toppen für Roth. Das ist sein Ziel: eine olympische Medaille. Für sich persönlich, aber auch für den Badminton-Sport wäre das wichtig, sagt er. Damit der Sport weiter finanziell gefördert werde.

Doch zurzeit sind die nächsten olympischen Spiele in drei Jahren in Tokio noch weit weg für Roth. Im Hinterkopf habe er sie schon. Erstmal konzentriere er sich auf die am Montag beginnende Weltmeisterschaft in Schottland. Und danach gelte es, sich in der Weltrangliste nach vorne zu arbeiten, um es in die großen Turniere hineinzuschaffen und sich für Olympia zu qualifizieren. Im Moment steht Roth an Platz 36 der Weltrangliste. Bis dahin hat er schon hart gearbeitet. Eine Hüft-Verletzung hatte ihn weit zurückgeworfen. Zehn Monate musste er aussetzen. Kraft aufbauen. In den Muskeln und im Kopf. Lange war unklar, ob er überhaupt zurückkehren kann auf das Feld, erzählt er. Eine schwere Zeit. Doch Roth kam zurück. Stärker als je zuvor.

Sobald Fabian Roth das Feld betritt, schaltet sein Kopf ab. „Ich mache einfach mein Ding, ohne groß darüber nachzudenken“, sagt er. Vielleicht das Erfolgsgeheimnis des 1,93 Meter großen Kraftpakets. Zwei Mal am Tag trainiert er mit seiner Gruppe aus fünf weiteren Einzelspielern. Hier, an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken. Von der Halle bis zur Wohnung trennen ihn nur einige hundert Meter. Roth wohnt im angrenzenden Haus der Athleten.

Aber schon im Herbst steht für den 21-Jährigen der nächste Umzug an. Es geht zurück nach Mülheim an der Ruhr. Ausgerechnet jetzt, wo er zur kommenden Saison zum saarländischen Bundesligisten BC Bischmisheim gewechselt ist. „Das ist schon doof. Immer wenn ich mir gerade ein neues Umfeld und einen neuen Freundeskreis aufgebaut habe, muss ich wieder wegziehen“, erzählt er. Eine Wahl hat er aber nicht. Alle Einzelspieler ziehen ab September an den Mülheimer Stützpunkt um. In Saarbrücken wird dann nur noch Doppel trainiert. Bisher wurde nach Geschlechtern getrennt, nicht nach Disziplinen. „Keiner von uns wechselt gerne“, erzählt Roth. Aber die Reform soll den Sport vorantreiben. Denn für die Mixed-Paarungen war es bisher schwierig, gemeinsam zu trainieren.

So hat Fabian Roth mit seinen 21 Jahren schon den einen oder anderen Umzug hinter sich gebracht. Denn eigentlich kommt er aus dem Karlsruher Raum. Ging dort mit sechs Jahren zum ersten Mal mit seinen beiden Brüdern zum Badmintontraining. Aber die konnten nicht lange mit ihm mithalten. Schnell räumte Fabian erste regionale Erfolge ab. „Mit 14 musste ich mich dann entscheiden, ob ich es profimäßig mache“, erinnert er sich. Die Wahl fiel auf den Sport. Und so zog er zum ersten Mal nach Mülheim – an das Sport-Internat.

Das erste Jahr spielte Roth noch für seinen Heimatverein in Baden-Württemberg. Dann wechselte er zum Bundesligisten TV Refrath. „Ich hatte eine coole Zeit in dem Verein und bin total verbunden mit den Leuten dort“, erzählt Roth. Der Wechsel nach Bischmisheim fiel ihm daher nicht leicht. Schon mehrfach habe der saarländische Spitzenverein ihm ein Angebot unterbreitet. Beim letzten Mal sagte er zu. Um sich weiterzuentwickeln. Sportlich und finanziell.

Ruhepausen gönnt sich Fabian Roth eher selten. Von der Klausur geht es direkt in die Halle. Das BWL-Studium an der Universität Saarbrücken musste er abbrechen. Es sei mit dem Sport kaum vereinbar gewesen. Jetzt klappe das besser – mit einem Fernstudium. Wenn Roth mal abschalten kann, liest er, hört Musik oder schnappt sich die Golfschläger. Nach der Ablenkung fällt es auch wieder leichter, auf den Badminton-Thron hinzuarbeiten. Denn auch bei Fabian Roth gibt es Tage, an denen die Lust fehlt. „Aber wir haben ein Ziel. Das macht es einfacher, sich zu motivieren“, sagt er.