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Fußball-Bundesliga
Der Karibik-Kicker verzückt die Liga

Die Leverkusener Kevin Volland, Leon Bailey und Kai Havertz jubeln. Ihre Mannschaft hat sich in den vergangenen Wochen bis auf den vierten Tabellenplatz vorgearbeitet.
Die Leverkusener Kevin Volland, Leon Bailey und Kai Havertz jubeln. Ihre Mannschaft hat sich in den vergangenen Wochen bis auf den vierten Tabellenplatz vorgearbeitet. FOTO: Marijan Murat / dpa
Leverkusen. Bayer Leverkusen ist das Team der Stunde in der Bundesliga – vor allem dank Flügelflitzer Leon Bailey aus Jamaika.

Mit einer knallroten Weihnachtsmütze von Bayer 04 stand Leon Bailey in den Katakomben, völlig durchnässt und frierend. „Es ist schon mein fünfter Winter in Europa. Eigentlich bin ich das inzwischen gewohnt“, sagte der wieder einmal überragende Spieler von Fußball-Bundesligist Bayer Leverkusen lächelnd: „Aber ich brauche jetzt mal wieder ein bisschen Sonne. Deshalb freue ich mich auf Weihnachten zu Hause in Jamaika.“



Doch auch Schnee, Wind und Regen hindern den Spaß-Fußballer aus der Karibik nicht an seinem steilen Aufstieg zum internationalen Star. Seit Wochen spielt Bailey überragend, beim 1:0 (1:0) am späten Mittwochabend gegen Werder Bremen bereitete er das Siegtor von Lucas Alario (11. Minute) glänzend vor. Für viele ist Bailey der beste Bundesliga-Spieler der Hinrunde, beim Fachblatt „kicker“ hat er den besten Notenschnitt aller Profis. Mit vier Toren und fünf Vorlagen hat er riesigen Anteil an Bayers stolzer Serie von elf Spielen ohne Niederlage, die kurz vor dem Abschluss der Hinrunde mit dem Sprung auf Champions-League-Platz vier belohnt wurde – und das mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Tabellenzweiten FC Schalke 04.

Dies alles ist umso beachtlicher, da Bailey eine extrem anspruchsvolle Position bekleidet. Als linkes Glied der Fünferkette ist er quasi Linksverteidiger und Flügelstürmer in einem. Defensiv wirft sich der 20-Jährige in jeden Zweikampf, offensiv setzt er mit seiner Schnelligkeit und Zielstrebigkeit Akzente und versetzt die Fans mit einigen Kabinettstücken in Verzückung. „Er ist eine echte Waffe“, sagte Trainer Heiko Herrlich. Sportchef Rudi Völler lobte den Zwölf-Millionen-Einkauf des vergangenen Winters als „herzerfrischend“: „Besonders bemerkenswert ist, dass ein Spielertyp wie er nicht egoistisch ist, sondern immer für die Mannschaft arbeitet.“

Entsprechend bescheiden gibt sich Bailey. Im April hatte er noch für Negativ-Schlagzeilen gesorgt, als er einen Profi-Boxer bei Snapchat als „Clown“ bezeichnet hatte und dieser ihm öffentlich Prügel androhte. Doch der Jamaikaner, der im ersten halben Jahr in Leverkusen noch deutliche Anlaufschwierigkeiten hatte, hat daraus gelernt, gibt heute nur noch auf dem Spielfeld Vollgas. „Ich bin noch jung, will mich ständig verbessern und aus meinen Fehlern lernen“, sagte er: „Im Moment klappt es ganz gut, ich bin auf dem richtigen Weg. Aber entscheidend ist, dass wir eine Mannschaft sind, dass einer dem anderen hilft. Auf und neben dem Platz.“

Das ist bei Bayer sicher ein entscheidender Unterschied zur vergangenen Saison. Und das gewisse Extra bringt Bailey mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten mit. Seine Ideen, seine Energie, seine Fähigkeit, Spiele zu entscheiden, sind ein Faktor, der den Gegnern Sorgen bereitet. „Er ist ein super Typ. Es macht richtig Spaß mit ihm“, sagte Torschütze Alario: „Wenn er den Ball hat, suche ich schon Räume, in die ich laufen könnte. Und ich weiß, er wird dort reinspielen.“ Längst hat Bailey mit seinem Auftritt im Bayer-Trikot natürlich das Interesse vieler internationaler Top-Clubs geweckt. Doch Manager Jonas Boldt stellte klar: „Ein Transfer kommt nicht infrage.“ Wobei Bailey, der von KRC Genk kam, bereits deutlich mehr wert sein dürfte als die zwölf Millionen vor einem Jahr.