| 20:28 Uhr

Biathlon-Ikone tritt zurück
Der Hunger des Kannibalen ist gestillt

Acht Olympiasiege, 20 WM-Titel, 94 Weltcup-Erfolge – der gestern zurückgetretene Norweger Ole Einar Björndalen ist eine Biathlon-Legende.
Acht Olympiasiege, 20 WM-Titel, 94 Weltcup-Erfolge – der gestern zurückgetretene Norweger Ole Einar Björndalen ist eine Biathlon-Legende. FOTO: Sven Hoppe / dpa
Simostranda. Biathlon-Ikone Ole Einar Björndalen beendet seine außergewöhnliche Karriere. Die Erfolgsbilanz des Norwegers ist einzigartig.

Schwache Ergebnisse häuften sich, der Abschied von der großen Sport-Bühne deutete sich an, seit gestern ist er offiziell: Nach acht Olympiasiegen, 20 WM-Titeln und 94 Weltcup-Erfolgen beendet „Mister Biathlon“ Ole Einar Björndalen seine einzigartige Karriere. Der norwegische Volksheld teilte seine Entscheidung gestern auf einer Pressekonferenz in Simostranda unter Tränen mit.


„Freude und Motivation sind noch immer ungebrochen“, sagte Björndalen, der eigenen Angaben zufolge zuletzt mehrmals unter Herzrhythmusstörungen gelitten hatte, sichtlich mitgenommen: „Ich hätte gerne noch ein paar Jahre weitergemacht, doch dies ist die letzte Saison gewesen – und das ist besser so.“ Auch wegen der Krankheits-Probleme konnte er seine beste Form nicht mehr wie gewohnt abrufen.

Dort, wo beim mittlerweile 44-Jährigen einst die Leidenschaft für seinen Sport entfacht worden war, machte er nun also Schluss – in Simostrada, seiner Heimat. Am 24. März beim Weltcup-Finale im russischen Tjumen hatte Björndalen sein letzten Rennen absolviert. In der Verfolgung hatte er einen 32. Rang belegt, was den Ansprüchen des Ehrgeizlings, der sich aufgrund seines immensen Erfolgshungers den Beinamen „Kannibale“ verdiente, längst nicht genügt.

Der Abschied des erfolgreichsten Skijägers der Geschichte zeichnete sich ab, der zurückliegende Winter war sein Schwanengesang. Die guten Resultate blieben aus – und somit auch eine Nominierung für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Spätestens dort reifte bei Björndalen, der als Betreuer seiner Frau Darja Domratschewa vor Ort war, der Entschluss, das Gewehr in den Schrank zu stellen.

Trotz des unrühmlichen Abgangs auf Raten überwiegen Björndalens Sternstunden, die er seit seinem ersten Start am 18. März 1993 in 580 Weltcup-Rennen zuhauf erlebte. Sein letzter Erfolg datiert vom 2. Dezember 2015.



Biathlon war mehr als zwei Jahrzehnte Björndalens Leben, doch die Prioritäten haben sich verschoben. Mit der Weißrussin Domratschewa hat er die gemeinsame Tochter Xenia, ihnen gehört nun endlich die volle Aufmerksamkeit. Wie lange das aber der Fall sein wird, ist freilich offen. Früher oder später könnte der Norweger eine Funktionärs-Laufbahn einschlagen und eines Tages möglicherweise sogar dem Weltverband IBU als Präsident vorstehen.

Bis dahin werden zumindest seine Olympia- und WM-Rekorde wohl Bestand haben. Neben den 20 Goldmedaillen gewann Björndalen bei Weltmeisterschaften noch 14 Mal Silber und elf Mal Bronze. Auch die acht Olympiasiege, vier Silberplaketten und einmal Bronze dürften schwer zu erreichen sein.

Sorgen muss sich Björndalen, der einst auch im Saarland beim damals in Püttlingen organisierten City-Biathlon an den Start gegangen war, allenfalls um seine Weltcup-Bestmarke machen. Zwar thront der Superstar, der neben seinen 94 Erfolgen im Biathlon auch einen Weltcupsieg im Langlauf feierte, weit vor Martin Fourcade. Der Franzose ist seit sieben Jahren aber der Dominator der Szene, holt Siege am Fließband – und ist „nur“ noch 24 von Björndalen entfernt.

„Er ist unglaublich“, sagte Björndalen einmal über Fourcade, den designierten Nachfolger des Kannibalen. Und der wiederum meinte: „Vor ihm kann ich mich nur verneigen. Ole ist und bleibt der Größte unseres Sports.“ Und als solcher wird er auch nach dem Ende seiner Karriere in Erinnerung bleiben. Ole Einar Björndalen geht, der Hunger des Kannibalen ist gestillt.

Auch im Saarland war Ole Einar Björndalen in seiner Karriere schon aktiv – hier auf Rollskiern im Jahr 2008 beim City-Biathlon in Püttlingen.
Auch im Saarland war Ole Einar Björndalen in seiner Karriere schon aktiv – hier auf Rollskiern im Jahr 2008 beim City-Biathlon in Püttlingen. FOTO: Thomas Wieck
„Danke Ole Einar Björndalen“ steht auf einem Kuchen, der bei der Pressekonferenz gestern in Simostranda verteilt wurde.
„Danke Ole Einar Björndalen“ steht auf einem Kuchen, der bei der Pressekonferenz gestern in Simostranda verteilt wurde. FOTO: Vidar Ruud / dpa