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„Der hässliche Amerikaner“

Was geht in diesem Kopf vor? Mit der erfundenen Geschichte von einem Überfall sorgte Schwimmer Ryan Lochte für einen Skandal. Foto: DPA
Was geht in diesem Kopf vor? Mit der erfundenen Geschichte von einem Überfall sorgte Schwimmer Ryan Lochte für einen Skandal. Foto: DPA FOTO: DPA
Rio de Janeiro. Vom Helden zur Null: US-Schwimmstar Ryan Lochte hat in Rio einen gewaltigen Absturz erlebt – und sich danach einen skandalösen Abschied geleistet. Die Geschichte vom Raubüberfall war erstunken und erlogen. sid/dpa

Sage keiner, in Ryan Lochtes Kopf herrsche nur gähnende Leere. Seine gelegentlichen Aussetzer in Interviews erklärte der US-Schwimmstar einmal so: "Plötzlich poppt irgendetwas in meinem Kopf auf. Das können die verrücktesten Dinge sein. Eine hüpfende Banane zum Beispiel. Dann stoppe ich. Ich weiß nicht, was da los ist."



Ja, was? Was ging diesmal im Kopf des fünfmaligen Olympiasiegers vor? Das fragt sich nach Lochtes Partynacht mit drei Teamkollegen nicht nur die Sportwelt, sondern auch die Polizei . Die erfundene Geschichte vom bewaffneten Raubüberfall wird der Sunnyboy nicht mit seiner charmanten Naivität aus der Welt schaffen können.

"Der hässliche Amerikaner", ätzte die New York Post auf ihrer Seite eins und zeigte auf dem Titelbild den lasziv blickenden Schwimmstar und ergänzte: "Lochte verkörpert alles, was die Welt an Amerika hasst." Dabei hatte das Nationale Olympische Komitee der USA (USOC) eigens einen Verhaltenskodex vorgeschrieben, damit die US-Athleten nicht unangenehm auffallen. Brasilien und die USA - das Verhältnis ist angespannt.

Dass Lochte mit nur einer Goldmedaille in der Staffel auch sportlich enttäuschte, passt ins Bild. Der nach Michael Phelps erfolgreichste Medaillensammler der olympischen Schwimm-Geschichte erlebte in Rio einen gewaltigen Absturz. Erst recht durch den erfundenen Überfall. "Wir sind die Opfer, und wir sind froh, in Sicherheit zu sein", hatte der Staffel-Olympiasieger, der in Rio seine zwölfte Olympia-Medaille gewann, noch am Donnerstag in einem Telefoninterview beteuert. Wenige Stunden später gab die Polizei in Rio bekannt: alles Lüge. Ein neues Beweisvideo und weitere Zeugenaussagen belegten: Lochte und seine Kollegen Gunnar Bentz, Jack Conger und James Feigen randalierten in der Toilette einer Tankstelle. Der Besitzer sagte, die Schwimmer seien pinkelnd an der Gebäudewand entlang gegangen. Als sie von einem Sicherheitsmann gestellt wurden, wollten sie flüchten. Am Ende beglichen Lochte und Co. den Schaden mit Bargeld - rund 45 Euro. Lochte hatte mehrere Versionen präsentiert: Einmal war ihm angeblich eine Pistole an den Kopf gehalten worden, einmal seien ihm 400 Euro gestohlen worden. Das Olympische Komitee der USA entschuldigte sich mittlerweile bei den Olympia-Gastgebern. Für falsche Angaben in einem Polizeibericht droht in Brasilien bis zu einem halben Jahr Haft.