| 21:14 Uhr

U19 der SV Elversberg verpasst Bundesliga-Aufstieg
Der große Traum platzt in der Verlängerung

Der Elversberger David Spanier (Mitte) starrt ins Leere. Auch seine Teamkollegen sitzen enttäuscht auf dem Rasen im St. Ingberter Mühlwaldstadion.
Der Elversberger David Spanier (Mitte) starrt ins Leere. Auch seine Teamkollegen sitzen enttäuscht auf dem Rasen im St. Ingberter Mühlwaldstadion. FOTO: Andreas Schlichter
St. Ingbert. Die U19 der SV Elversberg verpasst den Bundesliga-Aufstieg. Das Rückspiel in St. Ingbert verliert sie vor 1068 Zuschauern mit 1:5. Von Heiko Lehmann

Wie K.o. geschlagene Boxer sackten die Spieler der SV Elversberg gestern nach dem Schlusspfiff im Mühlwaldstadion in St. Ingbert zusammen und lagen auf dem Rasen. In einem wahren Krimi hat die U19 der SVE das Relegations-Rückspiel gegen den FSV Frankfurt mit 1:5 nach Verlängerung verloren und somit den Aufstieg in die Bundesliga verpasst. Das Hinspiel hatte die SVE noch mit 2:1 gewonnen.


Während sich die Feldspieler vor Enttäuschung fast auf dem Platz begruben, bearbeitete Torhüter Leon Thomé verbal Schiedsrichter Mario Schmidt. „Beim 4:1 hat mir der Frankfurter Stürmer an die Hand getreten. Das war ein klares Foul. Ich wollte vom Schiedsrichter wissen, warum er nicht gepfiffen hat, aber er konnte es mir nicht sagen“, sagte Thomé und zeigte seine geschwollene Hand. Die Frankfurter dachten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr an Schiedsrichter-Entscheidungen zurück. Die FSV-Spieler feierten mit ihren Fans auf dem Platz, stimmten die Humba an und sangen ein Feierlied nach dem anderen. „Wenn wir mal unten liegen, dann können wir ganz schnell aufstehen und zurückkommen. Wir sind unglaublich charakterstark“, sagte Cem Barlik, der bärenstarke Linksaußen der Frankfurter und gestern bester Mann auf dem Platz.

In der dritten Minute der Verlängerung lief Barlik aus spitzem Winkel auf das SVE-Tor zu und schob den Ball zum 3:1 ins lange Ecke. Das 4:1 durch den Abstauber von Emir Sejdovic bereitete Barlik mit einem Freistoß vor. „Der Junge ist super. Aber ich möchte heute keinen hervorheben. Es waren alle stark. Der Unterschied war heute, dass wir diesen Sieg mehr gewollt haben“, sagte FSV-Trainer Hakan Sünal.



Mit dem 2:1-Sieg vor einer Woche in Frankfurt hatte sich die SV Elversberg für das Rückspiel eigentlich eine ideale Ausgangsposition geschaffen. Doch bereits mit dem Anpfiff gestern wurde sehr schnell deutlich, dass von der SVE-Leistung in Frankfurt nicht viel übrig war. Die Körpersprache war nicht aufstiegsreif. Stellungsfehler, falsches Anlaufen des gegnerischen Spielaufbaus und viele Fehlpässe prägten das Spiel in der ersten Halbzeit. Ahmed Altindag köpfte den FSV in der 25. Minute mit 1:0 in Führung. Eine Führung, die zu diesem Zeitpunkt längst überfällig war. Mit zwei tollen Paraden kurz vor der Pause bewahrte Torhüter Thomé sein Team vor einem höheren Rückstand.

„Wir haben heute einfach die entscheidenden Fehler gemacht und waren viel zu nervös. In der zweiten Halbzeit waren wir plötzlich wieder voll da und haben danach erneut unerklärliche Fehler gemacht“, analysierte der Elversberger Trainer Marijan Kovacevic sein letztes Spiel für die SVE. Kovacevic wechselt zurück in seine Heimat nach Schwaben und wird dort Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bei den Stuttgarter Kickers. Sein Nachfolger als U19-Trainer der SVE wird Jens Kiefer, der die Partie alleine, weit weg von der mit über 1000 Zuschauern gefüllten Tribüne, verfolgte.

Er sah, wie sich die SVE mit Beginn der zweiten Halbzeit zurück in die Partie kämpfte. Zunächst vergab Mike Scharwarth in der 62. Minute die Riesenchance zum 1:1 und schoss über leere Tor. Luis Kerner machte es fünf Minuten später besser. Nach Zuspiel von Scharwarth traf er aus sieben Metern zum umjubelten 1:1-Ausgleich. Jetzt war Feuer in der Partie und die SVE am Drücker. Doch nur bis zum nächsten schlimmen Patzer. Filip Pandza köpfte quasi aus dem Nichts das 2:1 (74.) und sein Team zur Verlängerung. Das Ende ist bekannt.

„Ich kann meine Gefühle gerade nicht in Worte fassen. Es ist katastrophal. Wir haben vier Tore nach Standards bekommen. Das geht einfach nicht“, sagte SVE-Torschütze Luis Kerner. Die Zukunft heißt nun wieder Regionalliga Südwest – und nicht Bundesliga Süd/Südwest.