Der Glanz von 2007 ist verblasst

Hamburg · Der deutsche Handball und auch die Bundesliga in ihrer bisherigen Form stehen am Scheideweg: Vor der Liga-Versammlung heute gibt es reichlich Diskussionsstoff, zukunftsweisende Entscheidungen stehen an.

Meisterschaftsfinale, Verkleinerung der Liga, Ausländerbeschränkung, Fernsehzeiten: Auf der Mitgliederversammlung der Handball-Bundesliga (HBL) kämpft die ins Straucheln geratene Sportart gegen den Abwärtstrend, die Agenda ist prall gefüllt.

"Die Entwicklung der Nationalmannschaft steht im Vordergrund. Wir werden vor allem über Möglichkeiten der Unterstützung durch die Liga reden", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Doch nicht nur die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) ist nach dem Scheitern in der EM-Qualifikation zum Problemkind geworden. Auch die nach eigenem Selbstverständnis "beste Liga der Welt" muss neue Wege gehen.

Finale um die Meisterschaft?

Stichwort Meisterschaftsfinale. "Das ist weiterhin ein Thema", sagte Bohmann, der für diese Idee anfangs teils heftige Kritik einstecken musste. Doch nachdem in erster Linie Branchenprimus THW Kiel wochenlang gegen eine mögliche Reform der Meisterschaft Sturm gelaufen war, hört man plötzlich ganz neue Töne von der Förde. "Wir müssen einen Modus finden, der sportlich reizvoll und für Medien interessant ist", sagte THW-Manager Klaus Elwardt. Zwar bezeichnete er ein separates Endspiel erneut als "Blödsinn", doch Playoff-Spiele - auch in einem Fußballstadion - könne er sich inzwischen gut vorstellen. Eine einfache Mehrheit der Bundesliga-Vertreter reicht, um den Modus zu ändern.

Stichwort Ausländerbeschränkung. Bundestrainer Martin Heuberger fordert seit Jahren eine Quotenregelung der Bundesliga-Vereine, die eine Anzahl deutscher Spieler festlegt, die pro Spiel und Club eingesetzt werden muss. Diese Regelung soll die DHB-Auswahl im internationalen Vergleich mittelfristig stärken. Heuberger droht auch in diesem Jahr mit seinem Wunsch zu scheitern. "Von uns gibt es ein klares Nein zur freiwilligen Selbstbeschränkung", sagte Elwardt: "In der Bundesliga sollten die besten Handballer spielen - ohne Wenn und Aber. Das wollen die Zuschauer sehen." In der 2. Liga mache so eine Quote dagegen Sinn.

Stichwort Verkleinerung der Liga. "Wenn Deutschland mit einer kleineren Liga Weltmeister und Olympiasieger wird, dann sind wir mit Sicherheit dafür", sagte Bohmann zu dem Wunsch Heubergers, die Staffel von 18 auf 16 Teams zu verkleinern. Allerdings müssten auch die Bedürfnisse der Clubs, die es mit der Finanzierung ihres Spielbetriebes schwer genug hätten, berücksichtigt werden. "16 Clubs bedeuten zwei Heimspiele weniger und weniger Sponsorleistungen. Trotzdem werden wir uns in diesem Punkt hinterfragen", sagte Bohmann. Elwardt hält von einer Reduzierung nichts: "Die Liga hat die richtige Größe."

Stichwort TV-Zeiten. Der Liga droht ein schwerer Rückschlag im Kampf um die öffentliche Wahrnehmung. Da TV-Exklusivpartner Sport1 ab der neuen Saison regelmäßig am Dienstagabend Regionalliga-Fußball zeigen will, werden die 18 Bundesligisten ihren bisherigen festen Live-Sendeplatz im frei empfangbaren Fernsehen verlieren. Zurzeit ist unklar, wie der Sender künftig von der Sportart berichten wird.

Bewerbung um WM 2019

Einen ersten Schritt auf dem Weg zurück ins Rampenlicht hat der DHB unternommen. Mit der Bewerbung um die Ausrichtung der WM 2019 wollen die Verbandsoberen den Handball wieder in den öffentlichen Fokus rücken. Denn der Glanz des Wintermärchens 2007, als Deutschland im eigenen Land Weltmeister wurde, ist nahezu verblasst.