Der fliegende Österreicher

Bischofshofen · Stefan Kraft fliegt in Bischofshofen zum Gesamtsieg bei der 63. Vierschanzentournee. Am Ende liegt er knapp vor seinem Landsmann Michael Hayböck. Die DSV-Springer können nicht mithalten.

Als Tournee-König Stefan Kraft in seinem "Wohnzimmer" auf den Schultern der Teamkollegen den größten Triumph seiner Karriere genoss, standen die deutschen Ski-Adler einmal mehr im Schatten. Mit dem dritten Platz beim Finale auf seiner Heimschanze in Bischofshofen verwies der 21 Jahre alte Österreicher in der Gesamtwertung seinen Landsmann Michael Hayböck, der für seinen ersten Weltcupsieg wie sein Zimmerkollege von 20 000 Fans frenetisch bejubelt wurde, auf Rang zwei. "Das ist einfach genial", sagte Kraft.

Die erhoffte Attacke von Richard Freitag auf den ersten deutschen Podestplatz im Gesamtklassement seit Michael Neumayer , der vor sieben Jahren Dritter wurde, verpuffte frühzeitig. Der Sachse wurde Sechster und beendete die Tournee mit 1056,8 Punkten als bester DSV-Adler ebenfalls auf Rang sechs. Den erhofften dritten Platz behauptete der Slowene Peter Prevc . "Wir haben leider nur einmal gezeigt, was wir drauf haben. Das war insgesamt zu wenig", sagte Freitag. Schon im ersten Durchgang ließ der Innsbruck-Sieger mit 129,5 Metern zu viel liegen. "Der Sprung war nicht ganz so gut", räumte der 23-Jährige ein. Im Finale steigerte sich Freitag auf 133,5 Meter und schob sich noch an Severin Freund vorbei. Der Skiflug-Weltmeister wurde sowohl im Tages- als auch im Gesamtklassement Achter. "Ich hatte mir bei der Tournee mehr vorgenommen. Aber unser Jahr wird noch kommen", sagte Freund.

Überschattet wurde das Finale von einem Sturz des viermaligen Olympiasiegers Simon Ammann . Der Schweizer knallte nach der Landung bei 136 Meter mit dem Kopf auf den eisigen Hang. Der Altmeister war wenig später aber wieder bei Bewusstsein und in einer stabilen Verfassung.

Routinier Neumayer verabschiedete sich mit Rang zwölf von der Tournee. Auch Marinus Kraus als 20. und Stephan Leyhe auf Platz 26 sammelten Weltcup-Punkte. "Ich war viermal im Finale. Das überrascht mich selbst ein bisschen. Die Tournee war der Hammer", sagte der Debütant vom SC Willingen. In der Endabrechnung reichte es für ihn hinter Kraus (12.) und Neumayer (13.) zum 14. Platz. Die Chancen auf den ersten Triumph seit Sven Hannawald vor 13 Jahren hatten die deutschen Springer bereits zum Auftakt in Oberstdorf verspielt. "Wir mussten knallhart erfahren, dass sie noch nicht so weit sind, dem Druck standzuhalten. Wir müssen daraus lernen", sagte Bundestrainer Werner Schuster. Nein, sagt Stefan Kraft. Es habe sich nie so angefühlt, als ob er im Schatten seiner höchst erfolgreichen Teamkollegen stehe. "Ich habe immer gewusst, dass es bei mir auch mal klappen wird", sagt Österreichs neuer Super-Adler. Mit seinem überraschenden Gesamtsieg bei der 63. Vierschanzentournee hat der 21 Jahre alte Überflieger das eindrucksvoll unter Beweis gestellt - und seinem Heimatland ganz nebenbei noch den siebten Triumph in Serie beschert.

Gerechnet hatte damit allerdings kaum jemand. Immerhin gehören in Gregor Schlierenzauer , Andreas Kofler und Thomas Diethart gleich drei ehemalige Tourneesieger zur aktuellen österreichischen Mannschaft - doch Kraft stahl ihnen allen die Schau. "Er ist ein echter Tournee-Held", sagte Cheftrainer Heinz Kuttin. Mit seinem ersten Weltcupsieg zum Auftakt in Oberstdorf ebnete er sich den Weg zum Gesamtsieg und sicherte sich diesen schließlich in Bischofshofen .

Nirgendwo springt Kraft so gerne wie auf der Paul-Ausserleitner-Schanze, denn er wohnt keine fünf Minuten entfernt. Doch wenn er mal zu Hause ist, hält er es dort auch nicht lange aus. "Dann wird mir langweilig", sagt er. 24 Stunden in der Wohnung? Unmöglich. Stattdessen verbringt er viel Zeit in der Natur, macht Skitouren oder geht Bergsteigen. "Ich bin ein aufgedrehter Junge, bin von Herzen gut, lache gerne und viel", sagt Kraft.

Sein Herz hat der Fußballfan allerdings nicht in Österreich, sondern in Deutschland verloren. "Ich bin mit Herzblut Bayern-Fan. Mein Onkel und meine Tante haben seit 15 Jahren Dauerkarten, da bin ich schon immer als kleines Kind mitgefahren und dann hineingewachsen", sagt Kraft. So oft es geht, besucht er die Spiele in der Münchner WM-Arena.

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