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Der Fifa droht juristische Aufarbeitung

Der Fifa droht juristische Aufarbeitung

Zürich. Dem Fußball-Weltverband Fifa droht nach der Sperre Mohamed bin Hammams (Foto: afp) ein Nachspiel. Der Ex-Kandidat für die Fifa-Präsidentschaft und frühere Wahlkampfhelfer von Weltverbands-Chef Joseph Blatter wurde von der verbandsinternen Ethikkommission der Korruption schuldig gesprochen

Zürich. Dem Fußball-Weltverband Fifa droht nach der Sperre Mohamed bin Hammams (Foto: afp) ein Nachspiel. Der Ex-Kandidat für die Fifa-Präsidentschaft und frühere Wahlkampfhelfer von Weltverbands-Chef Joseph Blatter wurde von der verbandsinternen Ethikkommission der Korruption schuldig gesprochen. "Ihm wird auf Lebenszeit untersagt, an Aktivitäten auf nationaler oder internationaler Ebene teilzunehmen, die den Fußball betreffen", sagte Petrus Damaseb, zweiter Vorsitzender des Gremiums, im Fifa-Quartier in Zürich. Er versuchte am Samstag das Urteil als Befreiungsschlag im Korruptionsskandal der Fifa anzupreisen. Die ebenfalls unter Korruptionsverdacht stehende Vergabe der Weltmeisterschaft 2022 nach Katar war kein Thema.

Vorverurteilung angeprangert

Bin Hammam wurde in Zürich von zwei Anwälten vertreten. Zuvor hatte der 62-Jährige eine Vorverurteilung angeprangert. Der Katarer, seit 1996 Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees und seit 2002 Chef der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC), sieht sich als Opfer. Seine Anwälte kündigten Einspruch gegen das Urteil an: "Er beteuert seine Unschuld und wird mit allen juristischen Möglichkeiten durch alle Instanzen, die ihm offen stehen, weiterkämpfen und dagegen vorgehen." Das Urteil basiere "auf Lügen von Senior-Fifa-Offiziellen". Die Ethikkommission sah es als erwiesen an, dass der langjährige Blatter-Freund Stimmen für seine eigene Wahl zum Fifa-Chef kaufen wollte. Er soll Mitgliedern der karibischen Fußball-Union (CFU) bei einem Treffen am 10. Mai in Trinidad je 28 000 Euro geboten haben, um ihn bei seiner Kandidatur gegen Blatter zu unterstützen, die er später wieder zurückzog. Insgesamt soll es um etwa 700 000 Euro gehen.

Die Fifa sperrte auch mit Debbie Minguell und Jason Sylvester zwei Mitglieder der CFU für jeweils ein Jahr. Sie sollen die Schmiergelder verteilt haben. Auch der frühere Fifa-Vize-Präsident Jack Warner soll Komplize bin Hammams beim Stimmenkauf gewesen sein. Er trat im Juni von allen Ämtern zurück und hat sich so einer Bestrafung durch den Weltverband entzogen. Warner bestreitet aber die Vorwürfe

Der ehemalige Generalsekretär des AFC, Peter Velappan, hat das Urteil gegen bin Hammam begrüßt. Er beschrieb den Katarer als "den Architekten von Bestechung und Korruption. Ich hoffe, die Fifa wird auch gegen die anderen Verbrecher so unerbittlich vorgehen". Velappan forderte nun auch Untersuchungen im Zuge der Vergabe der Weltmeisterschaft 2022, wofür Katar den Zuschlag bekommen hatte.

Keine Reaktion von Blatter

Bin Hammam, der 15 Jahre in der Fifa-Exekutive war, verlor durch das Urteil sein Amt als AFC-Präsident. Die Strafe verbietet es ihm sogar, sich auf unterster Amateurebene für einen Verein zu engagieren. Der Katarer erwägt den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (Cas) und das Schweizer Bundesgericht. Der Fifa droht bei einer externen juristischen Aufarbeitung Ärger. Denn ein Prozess vor dem Cas oder einem ordentlichen Gericht könnte den skandalumwitterten Verband in Bedrängnis bringen.

Von Blatter (75) war gestern keine Reaktion zu dem Urteil gegen seinen einstigen Vertrauten bin Hammam zu vernehmen, der dem Schweizer in zwei Wahlkämpfen für die Fifa-Präsidentschaft ein wichtiger Stimmenbeschaffer war. dpa/dapd