Der FCK wird für Runjaic zum Stolperstein

Der FCK wird für Runjaic zum Stolperstein

Wieder Chaos beim Fußball-Zweitligisten 1860 München: Investor Hasan Ismaik hat Trainer Kosta Runjaic nach dem 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern rauswerfen lassen – und auch den Sportchef Thomas Eichin.

Wegen der anhaltenden Talfahrt in der 2. Bundesliga hat 1860 Münchens mächtiger Finanzier Hasan Ismaik handstreichartig die Profi-Führung beim Fußball-Traditionsclub ausgetauscht. Trainer Kosta Runjaic musste wegen Erfolglosigkeit gehen, Thomas Eichin und Raed Gerges wurden als Geschäftsführer abberufen und durch einen gelernten Maschinenbauingenieur namens Anthony Power ersetzt. Die Hoffnung auf bessere Zeiten ruht wieder auf Ex-Profi Daniel Bierofka, der die bis auf Tabellenplatz 13 abgerutschten "Löwen" bis zur Winterpause zurück zu Siegen führen soll. Dass dieser formal gar nicht lange Coach sein darf, stört den unberechenbaren Ismaik wenig.

Auf einer bemerkenswerten Pressekonferenz rechnete der Geldgeber mit den Versäumnissen der vergangenen Wochen und Monate ab und kündigte an, ein Versagen nicht weiter zu dulden. "Diese Leistung können wir so nicht akzeptieren", sagte der Geschäftsmann aus Abu Dhabi, der für das Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:1) am Montag eingeflogen war. Die Vorstellung bestätigte Ismaik in seinem Urteil. Allerdings war der verpasste Sieg nach einer Führung nicht der Grund für die Entlassung, wie TSV-Präsident Peter Cassalette überraschend verriet - die Trennung von Runjaic sei bei Anpfiff bereits besiegelt gewesen. "Entscheidend war das Spiel in Sandhausen", sagte der Vereinsboss in Bezug auf das 2:3. Warum Runjaic dann aber eine ganze Länderspielpause weiterarbeiten und kurioserweise sogar noch das FCK-Spiel betreuen durfte, das konnte Cassalette nicht erklären.

Überhaupt nahm der Termin an der Grünwalder Straße groteske Züge an. Ismaik redete sich zwischendurch in Rage und deutete Verschwörungen im Verein gegen seine Person an. Außerdem sei ihm "neulich" ein Verkaufsangebot über 40 Millionen Euro für seine Anteile am Verein unterbreitet worden, "das ich abgelehnt habe. Auch wenn ich vier Milliarden bekommen würde - der Verein steht nicht zum Verkauf." Ohne drei der wichtigsten Figuren beim Zweitligisten soll nun vor allem Bierofka für die Wende sorgen, der gestern bereits das erste Training leitete. Der Ex-Profi hatte die "Löwen" schon im Frühjahr als Interimscoach vor dem Abstieg bewahrt. Er werde bis zur Winterpause die Verantwortung tragen, ehe ein neuer Coach gefunden ist, kündigte Ismaik an. Dass Bierofka ohne nötige Lizenz aber nur gut zwei Wochen offiziell Trainer sein kann, sei kein Problem. Zur Not müsse er dann eben als Co-Trainer firmieren und ein anderer - etwa sein Assistent Denis Buschujew - Coach sein.

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