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Vor Champions-League-Spiel des FC Bayern
Die weibliche Macht im Fußball

Lisa Müller (rechts), Ehefrau von Bayern-Star Thomas Müller, trat bisher öffentlich eher zurückhaltend in Erscheinung. Am vergangenen Wochenende hat sich das mit ihrem Angriff auf Bayern-Trainer Niko Kovac geändert.
Lisa Müller (rechts), Ehefrau von Bayern-Star Thomas Müller, trat bisher öffentlich eher zurückhaltend in Erscheinung. Am vergangenen Wochenende hat sich das mit ihrem Angriff auf Bayern-Trainer Niko Kovac geändert. FOTO: AP / Alexander Hassenstein
München. Sie sind meist wunderschön und gestylt – und werden gnadenlos unterschätzt: Frauen an der Seite der Fußballprofis. sid

Lisa Müller liebkost ihr Pferd. Sie schmust mit einem Kaninchen und drückt ihre Nase auf einem dritten Foto ins Fell ihres schwarzen Labradors. Am vergangenen Wochenende zeigte die Ehefrau von Bayern-Stürmer Thomas Müller in den sozialen Netzwerken eine andere Seite: Mit einem viel zitierten Instagram-Post stichelte sie gegen Trainer Niko Kovac – und sorgte damit für helle Aufregung in der Fußballwelt. Ein emotionaler Ausrutscher oder ein cleverer Schachzug?


Müller löschte den Post, mit dem sie die späte Einwechslung ihres Mannes kritisierte, zwar nach kurzer Zeit und entschuldigte sich unmittelbar nach dem Abpfiff bei Kovac. Doch da war die Breitseite gegen den Trainer („Mehr als 70 Minuten, bis der mal nen Geistesblitz hat“) längst in der Welt, die Schlagzeilen geschrieben und nicht zuletzt die Follower-Anzahl bei Instagram in die Höhe geschnellt. Wie Kovac damit und ihrem Ehemann umgeht, wird sich erstmals am heutigen Mittwoch zeigen, wenn der FC Bayern in der Champions League AEK Athen (21 Uhr) empfängt.

Für Lisa Müller ist ein solches Verhalten eigentlich untypisch: Die passionierte Dressurreiterin ist sonst keine, die auffällt. Sie agiert in der Öffentlichkeit sympathisch zurückhaltend, ihre Auftritte auf dem roten Teppich sind rar, ihre Outfits schlicht – damit stellt sie das komplette Gegenteil zu dem vorherrschenden Bild einer Spielerfrau dar. Wie groß die weibliche Macht im Fußballgeschäft ist, belegt ihr Beispiel dennoch.



Die landläufigen Klischees bedienen andere. Andere wie Kerstin Lasogga. Die Mutter des Hamburger Torjägers Pierre-Michel ist schrill, liebt das Scheinwerferlicht und giert nach Aufmerksamkeit. Als Managerin des Zweitliga-Profis verschaffte sie der gesamten Familie die erste Fußball-Soap „Die Lasoggas – eine fast normale Fußball-Familie“. Der heimliche Star der vierteiligen Serie der Bild-Zeitung: die 46 Jahre alte Mama.

Ihren Job, ihren Sohn zu vermarkten und ihm gute Verträge zu verschaffen, weiß sie umzusetzen. Lasogga gilt mit einem Gehalt von knapp 3,4 Millionen Euro als der teuerste Profi in der 2. Fußball-Bundesliga. „Wir haben damals in der 1. Liga einen Vertrag abgeschlossen. Verträge sind dafür da, um eingehalten zu werden“, sagte die Mutter und Managerin der Bild selbstbewusst: „Kein Mensch würde einfach so auf Geld verzichten, wenn es ihm zusteht. Und eines ist klar: Pierre würde mit dem HSV auch lieber in der 1. Liga spielen.“

An der Seite ihres Sohnes erinnert die platinblond gefärbte Lasogga mit ihren schrägen Outfits und ihrem Durchsetzungsvermögen an die Spielerfrauen der Neunziger Jahre. Gaby Schuster (Ehefrau von Europameister Bernd Schuster), Bianca Illgner (Ehefrau von Weltmeister Bodo Illgner), Martina Effenberg (Ex-Frau von Stefan Effenberg) und Angela Best (damals noch Häßler und Ehefrau von Weltmeister Thomas Häßler) mischten sich damals in die Geschäfte ihrer Männer ein, sorgten dabei immer wieder für Schlagzeilen – und wurden vor allem häufig maßlos unterschätzt.

Mit ihren pompösen Designer-Klamotten und -handtaschen machten sie die Stadiontribünen zum Laufsteg. Doch hinter der perfekten Föhnfrisur und geschlossenen Türen bewiesen sie ihr Geschick als knallharte Geschäftspartner. Die Millionenverträge mit Topclubs wie Juventus Turin, Real Madrid und Bayern München zogen die Ehefrauen für ihre Männer an Land – und verfolgten damit nicht zuletzt auch ihre eigenen Interessen. Inwiefern das bei Lisa Müller zutrifft, wird sich noch zeigen. Ins Blickfeld gerückt ist sie auf jeden Fall.