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Der ewige Tokic wird für Düsseldorf geschont

Der ewige Tokic wird für Düsseldorf geschont

Tischtennis-Bundesligist 1. FC Saarbrücken tritt im Halbfinal-Rückspiel in der Champions League in Orenburg ohne seinen Kapitän an.

Bojan Tokic hat heute spielfrei. Das ist ungewöhnlich. Denn der Tischtennis-Bundesligist 1. FC Saarbrücken bestreitet um 14 Uhr in Russland bei Fakel Orenburg das Rückspiel im Halbfinale der Champions League - mit Tiago Apolonia, Patrick Franziska und Patrick Baum. Aber ohne Tokic, den Kapitän. Der eigentlich nie fehlt. "In den letzten acht Jahren habe ich nur zwei Spiele verpasst - weil ich krank war", sagt der Slowene Tokic: "Da bin ich auch stolz drauf."

Nach dem 1:3 im Hinspiel stehen die Chancen auf ein Weiterkommen in der Champions League eher schlecht. Und am Sonntag um 15 Uhr folgt die nächste große Herausforderung: Rekordmeister Borussia Düsseldorf empfängt die Saarbrücker zum ersten Halbfinal-Spiel um die deutsche Meisterschaft.

Zeit also, Tokic mal eine Pause zu verschaffen. Der Routinier ist mittlerweile 35 Jahre alt. Obwohl diese Saison noch nicht beendet ist, war sie für ihn sehr lang. "Zu lang", wie Tokic meint. Trotzdem behagt ihm die Auszeit nicht: "Ich habe ein bisschen ein schlechtes Gewissen." Ohne Grund.

Im vergangenen Sommer flog er nach Rio zu den Olympischen Spielen. Tokic besiegte seinen Saarbrücker Mannschaftskollegen Tiago Apolonia, zog ins Achtelfinale ein. Nach den Olympischen Spielen startete die Bundesliga. Der Slowene stand immer an der Platte, half sogar in der 2. Mannschaft in der 2. Liga aus.

Fünf Tage fuhr Tokic zum Jahreswechsel in den Skiurlaub. Seine einzige Pause. Hinzu kam: Apolonia befand sich lange in einer Formkrise, hatte immer wieder Blessuren. Patrick Franziska fiel von November bis März aus. Deshalb war Tokic in den vergangenen Monaten umso mehr gefordert. Er bestach durch seine Konstanz, überraschte aber auch. Positiv. Dass der FCS mal wieder ins Halbfinale des Europapokals einzog, hat die Mannschaft nicht zuletzt ihrem Kapitän zu verdanken.

"Ich bin glücklich, dass ich so viele Spiele machen kann, nie wirkliche Verletzungen hatte", sagt Tokic. Alle zwei, drei Jahre zwickt der rechte Ellenbogen. Auch das Alter macht sich langsam bemerkbar. An die Platte will er trotzdem. Und zwar immer. Tokic hat seine Prinzipien. Er weiß, dass viele Topspieler im Tischtennis dankbar sind für Pausen. Für ihn gilt das nicht. "Was würde passieren, wenn Ronaldo sagt: Jetzt will ich etwas weniger spielen?", fragt er, um anzuschließen: "Ich will, dass es so ist wie bei den Fußballspielern. Die sind sauer, wenn sie nicht spielen."

Der 1. FC Saarbrücken profitiert von dieser Einstellung. Seit vielen Jahren. "Bojan ist hier der Älteste, er gibt alles für den Verein", lobte ihn Trainer Slobodan Grujic. "Er kann fast jeden schlagen in Europa, das hat er bewiesen. Aber wichtiger ist, dass er diese Stabilität hat. Bojan gewinnt die Spiele, die er gewinnen sollte."

Auch Grujic ist nicht mit nach Russland geflogen. Aus gesundheitlichen Gründen. Während Apolonia, Franziska und auch Baum in Orenburg weilen, bereiten sich der Trainer und Tokic daheim auf das schwere Spiel in Düsseldorf vor. Dass die Personalsituation so entspannt ist wie lange nicht, zeigen die Ergebnisse: Saarbrücken gewann die letzten vier Partien der regulären Saison. Der beste Endspurt der Liga. Jedoch: Die letzte Niederlage gab es für den FCS im Februar. Beim 0:3 in Düsseldorf. Die Rheinländer überragen in diesem Jahr. Daher nennt Grujic den Finaleinzug eine "fast unmögliche Mission". 2016 traf seine Mannschaft erst im Endspiel auf die Borussia, im Januar verloren die Blau-Schwarzen auch das Pokalfinale gegen Timo Boll und Düsseldorfs übrige Stars.

Die Bundesliga-Abschlusstabelle legt nahe, dass der FCS die jetzige Begegnung hätte vermeiden können. Als Tabellenvierter kam Saarbrücken punktgleich mit dem Zweiten ins Ziel. Doch Grujic hadert nicht: "Es ist so, wie es ist. Schließlich war zwei Runden vor Schluss nicht klar, dass wir ins Halbfinale kommen."

Düsseldorf sei in einem Spiel zu überraschen, meint Tokic. Aber der FCS muss im Halbfinale zwei Mal gewinnen. Nach dem Auftakt am Sonntag findet an Gründonnerstag in Saarbrücken um 19 Uhr in der Joachim-Deckarm-Halle das Rückspiel statt. Sollte es danach unentschieden stehen, käme es Ende April zu einem weiteren Aufeinandertreffen. Eine Verlängerung der Saison, gegen die Tokic nichts einzuwenden hätte. "Ich hoffe, dass wir mindestens noch das dritte Spiel gegen Düsseldorf haben", sagt er. Einmal spielfrei, das reicht ihm.