Der erste Dreikampf bleibt ohne Sieger

Kostenpflichtiger Inhalt: Machtkampf im Saarfußball : Der erste Dreikampf bleibt ohne Sieger

Im Machtkampf um die Spitze im Saarfußball trafen die drei Kandidaten in einer Podiumsdiskussion in Brebach erstmals aufeinander.

Viele bekannte Positionen, wenige neue Personalien und zumindest ein gemeinsames Bekenntnis – mit diesem Ergebnis endete am Dienstagabend die Podiumsdiskussion der drei Kandidaten um das Amt des Präsidenten des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) im Clubheim des SC Halberg Brebach. Der derzeitige Vizepräsident Adrian Zöhler und seine Herausforderer Thorsten Klein und Udo Hölzer waren sich einig, das Urteil des vom SV Britten-Hausbach angestrengten Schiedsgerichtsverfahrens anzuerkennen. „Egal, wie es ausgeht – wir werden danach nicht vors Amtsgericht ziehen“, sagte Klein: „Die Schiedsgerichtsbarkeit ist die Instanz unserer Satzung. Wenn sie eine Entscheidung trifft, werden wir diese akzeptieren.“ Das tut auch Zöhler: „Wenn die Entscheidung so fällt, führen wir einen außerordentlichen Verbandstag durch.“

Am Dienstag war der Antrag des Landesligisten zur Einleitung des Schiedsverfahrens per Einschreiben beim Verband eingegangen. Das Gremium soll feststellen, ob die 131 eingereichten Anträge rechtens sind und damit ein außerordentlicher Verbandstag einberufen werden muss. Das hat der SFV-Vorstand bislang zurückgewiesen. Der Verein hat den Sportrechtler Dennis Dietel aus Berlin als seinen Bevollmächtigten benannt, der Verband zog am Mittwoch mit der Nominierung von Wolfgang Kuntz von der DJK Neuweiler nach. Nun muss sich auf einen Vorsitzenden geeinigt werden. Ist der gefunden, hofft man innerhalb von zwei Wochen auf eine Entscheidung. Hölzer will mit seinem Team ohnehin antreten, „egal ob vorgezogen oder am 6. Juni“.

Während es bei Hölzers potenziellem Vorstands-Team keine Veränderungen gab, konnte Zöhler mit SPD-Politiker David Lindemann (Palatia Limbach) einen „Neuzugang“ präsentieren: „Er ist als Jurist im Wirtschaftsministerium tätig und hat eine große soziale Ader. Er kann den Bereich Sozial- und Gesellschaftspolitik abdecken.“

Neu in Kleins Oppositions-Gruppe „Vereine vor“ ist mit Philipp Werth­müller „ein Profi in Sachen Kommunikation“. Dagegen hat Josef Kreis angekündigt, unter einem Präsidenten Klein nicht mehr als Vorsitzender des Verbandsspielausschusses zur Verfügung zu stehen. Mit Hölzer und Zöhler dagegen wolle der 61-Jährige zusammenarbeiten. „Es war abgesprochen, dass ich das mache, wenn ich nicht gegen Adalbert Strauß in einer Stichwahl antreten muss“, sagte Kreis: „Dafür haben wir zu lange gut zusammengearbeitet.“ Der aktuelle Amtsinhaber Strauß tritt nicht mehr an.

Zurück zur Podiumsdiskussion. Die Mitglieder des Vereins Saarländische Sportjournalisten (VSS) und des Saarländischen Journalisten-Verbanses (SJV) fühlten den Kandidaten auf den Zahn. Wie zum Beispiel bei den Finanzen. Dem SFV sind in den letzten Jahren Sponsoren von der Fahne gegangen. Beim letzten Verbandstag hat man darum mit Zustimmung der Mehrheit der Vereine die Gebühren angehoben. Nun ächzen viele Clubs unter der Last. „Dass sich Sponsoren zurückziehen, betrifft den Verband, aber auch die Vereine. Auch die Zuschüsse über den LSVS sind geringer geworden“, sagte Zöhler: „Dennoch haben wir die Leistungen für unsere Vereine – zwischen 500 000 und 600 000 Euro bei einem Gesamthaushalt von 2,3 Millionen – aufrechterhalten.“ Klein will die Gebührenordnung noch einmal abklopfen. „Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich das Personal beim Verband um sechs Personen erweitert. Seit kurzem haben wir zwei Mitarbeiter vom LSVS übernommen. Wir leisten uns zwei Geschäftsführer, wir leisten uns zwei Verbandssportlehrer“, rechnete Hölzer vor. Eine echte neue Finanzkonzeption konnte aber keiner der Kandidaten aufweisen.

Uneinigkeit gab es auch beim Thema Ehrenamt. Vielerorts wird es immer schwieriger für die Vereine, Helfer zu finden. „Das Konstrukt, dass die Hauptlast im Ehrenamt liegt, können wir nicht mehr lang aufrechterhalten“, meinte Klein: „Wir müssen mehr ins Hauptamt verlagern.“ Hölzer fehlt die Wertschätzung für die Freiwillligen. „Die Gruppe Klein will doch Leute, die gutes Ehrenamt machen, abwählen“, stichelte Hölzer, um dann sachlich zu werden: „Die Freibeträge für Ehrenamtler müssen erhöht werden.“ Auch Zöhler setzt auf die Liebe zum Verein. „Ins Hauptamt verlagern, das würde eine ganze Menge Geld kosten. Geld, das jetzt schon knapp ist“, sagte Zöhler.

Hölzer glaubt, dass die derzeitige Diskussion dem Fußball schade – „mir wird angst und bange. Wer sowas anrührt, muss es nachher auch ausbaden.“ Klein konterte: „Wir haben nichts angezettelt, wir haben den Kontakt zu den Vereinen gesucht. Die Vereine brauchten eine Plattform, ihren Unmut kundzutun.“ Und Zöhler will festgestellt haben, dass die Zahl der Kritiker bröckelt: „Mich hat ein Verein angerufen, der den Antrag auch unterschrieben hat, und hat sich dafür bei mir entschuldigt.“

Die Podiumsdiskussion am Dienstagabend in Brebach blieb ohne klaren Sieger – den ermittelt der Verbandstag, egal ob noch in diesem oder dann im nächsten Jahr.

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