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Der dritte Frühling von König Arthur

Der dritte Frühling von König Arthur

Weltmeister Arthur Abraham ist erfolgreich auf die Zielgerade seiner langen Karriere eingebogen. Der WBO-Champion im Super-Mittelgewicht rang in Hannover mit einer Energieleistung seinen starken Herausforderer Martin Murray nieder.

Während Arthur Abraham jubelnd auf die Ringseile kletterte, verdrückte Trainer Ulli Wegner ein paar Tränchen. Mit seiner Titelverteidigung gegen den Briten Martin Murray hätte der alte und neue Weltmeister seinem Trainer zu dessen 100. WM-Kampf kein schöneres Geschenk machen können. Dagegen verblasste sogar das Präsent von Arbeitgeber Sauerland - ein Wochenendtrip mit Ehefrau Margret.

Nachdem der knappe, aber verdiente 2:1-Punktsieg des WBO-Weltmeisters in trockenen Tüchern war, wurde auch Abraham sentimental und würdigte seinen Trainer: "Alles, was man Ulli Wegner schenkt, ist eigentlich zu wenig."

"Das kostet mich Jahre"

Seit zwölf Jahren schlägt und verträgt sich das ungleiche Duo immer wieder, die siegreiche Nacht von Hannover schweißte das Erfolgs-Tandem indes so eng zusammen wie schon lange nicht mehr. Denn der 35-Jährige boxte weitgehend nach Plan, fand nach lethargischem Auftakt in die Spur und rettete mit einem energischen Schlussspurt seinen WM-Gürtel.

Da verschmerzte der alte Trainerfuchs, immer noch wegen der Folgen eines Achillessehnen-Risses gehandicapt, sogar den Alterungsprozess, den der enge Kampf bei ihm ausgelöst hatte. Wegner: "Das hat mich wieder einige Jahre gekostet. Aber es war ja nur mein 100. WM-Kampf, ich bin ja noch nicht 100 Jahre alt."

Und das ist gut so. Denn Abraham und Wegner haben noch einiges vor, bis der 35-Jährige in zwei Jahren seine Boxhandschuhe an den Nagel hängt. Im März steht für den Super-Mittelgewichtler eine Pflichtverteidigung an, dann könnte es zu einer Titelvereinigung mit einem WBA-, WBC- oder IBF-Champion kommen. Keine guten Nachrichten für Murray, der eine Revanche in Manchester forderte. Was Abraham zwar nicht zurückwies, doch er ließ erkennen, dass er im Spätherbst der Karriere andere Pläne hat.

Zuvor hatte ihm der Engländer enorm zugesetzt. Entschieden war der Kampf vor 6500 Zuschauern eigentlich erst, als Murray in der elften und vorletzten Runde wegen Haltens verwarnt wurde. Eine kurze Schwächephase Abrahams in Runde acht hatte der 33-Jährige zuvor nicht nutzen können.

Auch Beobachter Axel Schulz fand: "Det war 'ne enge Kiste. Beeindruckend ist der Schlussspurt von Arthur." Murray protestierte nach dem Kampf: "Ich dachte, dass ich gewonnen habe. Schon beim letzten Mal ist es so gelaufen." 2011 gegen Felix Sturm war er der bessere Mann, erzielte aber nur ein Remis und verpasste so den Titel. Zuletzt war Murray Inhaber des Intercontinental-Titel des Weltverbandes WBA, den er niederlegte und um den nun am 5. Dezember in der Saarbrücker Saarlandhalle Jürgen Doberstein und der Argentinier Eduardo Acosta boxen werden.

Abraham erhielt vom Weltverband für die fünfte Titelverteidigung einen mit Rubinen besetzten goldenen Ring geschenkt. "Der ist schön und was Besonderes", meinte Abraham. Sein Promoter Kalle Sauerland jubelte: "Arthur erlebt derzeit seinen dritten Frühling ."