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Der Chefankläger tritt endgültig ab

Der Chefankläger tritt endgültig ab

Saarbrücken. "Ich würde ihn für drei Spiele, also die komplette Vorrunde sperren, damit er genug Zeit hat, nachzudenken

Saarbrücken. "Ich würde ihn für drei Spiele, also die komplette Vorrunde sperren, damit er genug Zeit hat, nachzudenken." Wäre Horst Hilpert noch Vorsitzender des Kontrollausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und hätte diese Befugnisse auf internationaler Ebene, der französische Nationalspieler Thierry Henry dürfte wegen seines Handspiels im WM-Qualifikationsspiel gegen Irland die WM-Vorrunde nur von der Tribüne aus betrachten.

Doch seit 2007 ist Horst Hilpert nicht mehr Mitglied des Kontrollausschusses, dem er 15 Jahre lang als Chefankläger vorstand. Er war es überhaupt, der diese Bezeichnung eigentlich erst bekannt machte. Spätestens seit er 1994 Andreas Möller wegen dessen Schwalbe im Spiel gegen den Karlsruher SC sperrte, war er nur noch "der Chefankläger". "Ich bin von vielen Seiten damals angegriffen und als Traumtänzer bezeichnet worden", erinnert er sich heute. Doch die Zeit hat seiner Kriegserklärung an die Schwalbe und letztlich ihm recht gegeben: "Heute ist die Schwalbe verpönt und wird geahndet." Zu großen Teilen Hilperts Verdienst.

Der Fall Möller ist es, der im Gedächtnis geblieben ist. Dabei hat der heute 73-Jährige in den 30 Jahren, die er beim DFB tätig war, so ziemlich jeden Spieler von Rang angeklagt. Beckenbauer, Breitner, Hrubesch, die Hoeneß-Brüder, Basler und zuletzt Podolski und Lehmann. Er war das Auge des Schiedsrichters in dessen Rücken. Was dem Mann in Schwarz entging, war der Angriffspunkt für Hilpert. Dass dabei seine Augen in den vergangenen Jahrzehnten - dem Fernsehen sei Dank - immer besser wurden, hat es für Hilpert leichter und für die Sünder immer schwerer gemacht, unentdeckt zu bleiben. Von den wenigen Kameras zu Beginn der Übertragungen zu den weit über 30 Kameras, die heute bei internationalen Spielen eingesetzt werden - kaum etwas bleibt mehr unentdeckt. "Natürlich ist das viel besser geworden", sagt dann auch Hilpert.

Den Videobeweis im Spiel selbst lehnt Horst Hilpert aber ab: "Fußball ist kein Sport, in dem einfach so das Spiel unterbrochen werden kann." Denn bei allen Regeln geht es immer noch um das Spiel. Seine Schönheit, seine Eleganz und auch seine Freiheit. Die Regeln geben dem nur den Rahmen und erlauben all das erst. Und die "Liebe zu diesem Fußball" war es dann auch, die Hilpert dazu getrieben hat, diese Regeln so vehement zu verteidigen und Verstöße gegen sie zu verfolgen.

Bis zum Ende diesen Jahres. Denn dann beendet Horst Hilpert auch seine Tätigkeit beim Saarländischen Fußballverband - nach genau 40 Jahren. Dass damit seine Verbundenheit zum Fußball nicht endet, steht fest. Schreiben, Vorträge halten und seine Enkel zu ihren Spielen begleiten. So sieht sein Ruhestand aus. Es sei denn, er erwischt seine Enkel bei einer Schwalbe. Dann dürfte der Chefankläger in ihm hervorkommen - auch ohne offizielles Amt. "Fußball ist kein Sport, in dem einfach so das Spiel unterbrochen werden kann."

Horst Hilpert

Zur Person

Horst Hilpert ist 1936 in Bexbach geboren. Seit 1971 im Saarländischen Fußballverband als Jurist tätig. Unter anderem Vorsitzender der Spruchkammer Aktive und am Verbandsgericht Südwest. Ab 1977 Mitglied des Kontrollausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), ab 1992 bis 2007 Vorsitzender des Kontrollausschusses (Chefankläger). 2007 Ernennung zum Ehrenmitglied des DFB. Unter anderem 13 Jahre lang Präsident des Landesarbeitsgerichts und des saarländischen Verfassungsgerichtshofs. jbö