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Regionalliga Südwest
Der bunte Hund soll für gutes Klima sorgen

Im März 2016 war Said Chouaib noch als Spieler im Trikot des SV Röchling Völklingen tätig. Jetzt will er statt auf dem Feld im Hintergrund mitarbeiten, damit das Regionalliga-Schlusslicht bald wieder mehr Erfolg auf dem Platz hat.
Im März 2016 war Said Chouaib noch als Spieler im Trikot des SV Röchling Völklingen tätig. Jetzt will er statt auf dem Feld im Hintergrund mitarbeiten, damit das Regionalliga-Schlusslicht bald wieder mehr Erfolg auf dem Platz hat. FOTO: Thomas Wieck
Völklingen. Said Chouaib ist im Fußball-Saarland herumgekommen. Jetzt will er seine Erfahrung als Sportlicher Leiter bei Röchling Völklingen einbringen. Ralph Tiné

Beim SV Röchling Völk­lingen herrscht derzeit wenig Anlass für gute Laune. Durch die 0:1-Niederlage gegen den SC Freiburg II haben die Hüttenstädter die Rote Laterne des Letztplatzierten in der Tabelle der Fußball-Regionalliga Südwest übernommen. Kein Wunder ist es da, dass Said Chouaib sagt, seine vornehmliche Aufgabe sei es, an „einer guten Atmosphäre“ mitzuarbeiten.



„Da die Ergebnisse im Moment nicht so stimmen, muss man schon schauen, dass die Jungs bei Laune bleiben“, sagt Chouaib, der vor zwei Wochen den Posten des sportlichen Leiters bei den Schwarz-Roten übernahm. Gute Stimmung kann der SV Röchling schon am Samstag gut gebrauchen. Dann geht es um 14 Uhr zum krisengebeutelten Tabellen-14. Stuttgarter Kickers. Dort wurde gestern Trainer Tomasz Kaczmarek gefeuert. Der 33-Jährige war erst seit Januar Trainer des Clubs und fiel einem Negativlauf zum Opfer. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll U19-Coach Paco Vaz als Interimstrainer fungieren.

Die Völklinger wollen ihre Negativserie mit Chouaib beenden. Der 40-Jährige ist in der saarländischen Fußballszene bekannt wie ein bunter Hund. Dafür sorgten seine vielen Stationen als Spieler. „Borussia Neunkirchen, SV Auersmacher, Halberg Brebach, FV Fischbach, SV Elversberg, SC Friedrichsthal, FV Püttlingen, Röchling Völklingen und 1. FC Riegelsberg“, zählt Chouaib spontan bisherige Vereine auf. Und mit einem Grinsen fügt er hinzu: „Ob man das Söldnertum nennen kann, weiß ich nicht. Ich gehe dorthin, wo es mir Spaß macht und wo es sportlich Sinn macht. Das hat bisher immer funktioniert.“

In Riegelsberg steht der gebürtige Marokkaner noch als Spieler unter Vertrag. Als das Völklinger Angebot kam, sei ihm Riegelsberg aber „ein Stück entgegengekommen. Die Aufgabe beim SV Röchling ist so reizvoll, dass ich sie nicht ablehnen konnte“. Und worin besteht diese Aufgabe genau? „Ich soll, als jemand, der mit dem Blick von außen kommt, mithelfen, die Abläufe und Strukturen im sportlichen Bereich zu verbessern. Die sind leider noch nicht regionalligatauglich. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Koordination von A-Jugend, zweiter und erster Mannschaft.“

Angesichts der schwierigen Situation des Regionalligateams habe es aber jetzt Priorität, „ein gutes Klima in der Mannschaft und zwischen Mannschaft und Trainer zu schaffen“. Mit Röchling-Trainer Günter Erhardt, unter dem er bei einigen Vereinen als Spieler aktiv war, verbindet den Mittelstürmer eine lange Bekanntschaft.



Auf den 56-jährigen Coach hält Chouaib große Stücke. „Auf Augenhöhe schafft es hier im Saarland fast keiner mit Günter“, sagt der sportliche Leiter spitzbübisch und spielt damit bewusst doppeldeutig sowohl auf den sportlichen Erfolg Erhardts als auch auf dessen zuweilen rustikalen Umgangston an. „Die Leute, die Ahnung von Fußball haben, wissen, dass er in einer Liga spielt, die schwer zu erreichen ist. Er war überall, wo er war, erfolgreich“, schwärmt Chouaib vom Völklinger Aufstiegstrainer. Und er fügt hinzu: „Er hat natürlich seine Art, aber er will halt immer gewinnen. Manchmal ist er nicht ganz so freundlich, aber das ist eben Männerfußball. Wer ihn kennt, weiß, dass er auch menschlich ist.“

Mit seinem offenen und lockeren Wesen bildet Chouaib eine Art Gegenpol zum meist strengen Trainer alter Schule. Chouaib ist verheiratet und hat zwei Kinder: der kleine Elia (4) und Sofia (8). Die Familie lebt in Kleinblittersdorf, dort ist er auch für ein saarländisches Pharmaunternehmen im internationalen Export tätig. Von sich selbst sagt Chouaib: „Ich bin entweder bei der Arbeit, daheim oder beim Fußball. Das bin ich. Ich bin eigentlich ganz einfach.“