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Der Bundestrainer kommt aus Saarlouis

Hermann Paar arbeitet seit 1979 als Trainer im Basketball. Der Übungsleiter des Frauen-Bundesligisten Saarlouis Royals wurde am Freitag als neuer deutscher Bundestrainer präsentiert. Foto: Ruppenthal
Hermann Paar arbeitet seit 1979 als Trainer im Basketball. Der Übungsleiter des Frauen-Bundesligisten Saarlouis Royals wurde am Freitag als neuer deutscher Bundestrainer präsentiert. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Hermann Paar von den Saarlouis Royals übernimmt die deutschen Basketball-Frauen. Und er bleibt eine weitere Saison im Saarland. Tobias Fuchs

Die Saarlouis Royals starten am Sonntag in die Endrunde der Basketball-Bundesliga. Für den Bundestrainer der Frauen-Nationalmannschaft ein Pflichttermin. Er wird beim Heimspiel gegen den Herner TC in der Stadtgartenhalle sein. Ganz nah dran. Denn: Am vergangenen Freitag gab der Deutsche Basketball Bund (DBB) bekannt, dass er Hermann Paar als neuen Übungsleiter der deutschen Frauen verpflichtet hat (wir berichteten). Also den aktuellen Trainer der Saarlouis Royals.


In die Playoffs geht Paar ausschließlich als Angestellter des Clubs. Der 62-Jährige sagt: "Der Bundestrainer wird nur bei Länderspielen an der Seitenlinie stehen." So soll es auch in Zukunft sein. "Hermann Paar wird auch in der kommenden Saison bei uns Trainer sein", erklärt Royals-Manager Sascha Schmidt gegenüber der SZ.

Zwar hat der erfahrene Trainer seinen auslaufenden Vertrag noch nicht verlängert. Doch das gilt als Formsache. "Ich werde beides machen, und das ist auch miteinander zu vereinbaren", meint Paar. "Für mich ist das keine Doppelbelastung, sondern eine doppelte Motivation."



Laut Paar war der DBB vor ein paar Wochen an ihn herangetreten. Seitdem befand er sich in Gesprächen mit dem Verband. "Ich bin da ganz ehrlich: Für mich war es allein schon eine Ehre, gefragt zu werden", sagt Paar, der seit 1979 im Trainergeschäft ist. Am Ende einigte er sich mit dem DBB über eine Zusammenarbeit über vorerst zwei Jahre.

Auch als Verbandstrainer bringt der gebürtige Völklinger reichlich Erfahrung mit. 2002 begleitete er die deutschen U20-Juniorinnen zu einer Europameisterschaft. Etliche Jahre arbeitete Paar für den luxemburgischen Basketballverband FLBB.

Die Royals waren als Arbeitgeber über die Verhandlungen zwischen Paar und dem DBB informiert. Am Freitag erfuhren auch die Spielerinnen vom neuen Engagement ihres Chefs. "Wir freuen uns sehr, dass er sich mit dem DBB einig geworden ist, denn wir wissen um seine Qualitäten. Hermann Paar ist ein Glücksfall für den deutschen Basketball", findet Manager Schmidt.

Paar tritt beim DBB die Nachfolge von Bastian Wernthaler an. Der frühere Erfolgstrainer des TSV Wasserburg gab Mitte März sein Amt freiwillig auf. Als einen Grund führte Wernthaler an, dass er kein Vereinsteam betreue und sich daher immer weiter vom aktuellen Basketball entferne. Auf ihn folgt mit Paar jemand, der seit Jahrzehnten mittendrin ist.

"Ich werde erstmal mit allen Spielerinnen reden und mich mit Basti Wernthaler abstimmen", sagt Paar über seine neue Aufgabe. Die Nationalmannschaft sei ein bisschen im Umbruch. Ende Juli leitet Paar in Berlin den ersten DBB-Lehrgang. Dann hat die Bundesliga noch Sommerpause. Auch ansonsten sollen sich keine Termine mit denen der Royals überschneiden. "Wir haben sowieso Pause, wenn die Nationalmannschaft spielt", sagt Manager Schmidt. Im November starten die deutschen Frauen in die EM-Qualifikation. Als weitere "Zeitfenster" für den Bundestrainer nennt Paar Februar und November 2018.

Dass Paar diesen prestigeträchtigen Job übernimmt, ist die eine Nachricht. Sein weiteres Engagement im Saarland die andere. Schließlich gab es zuletzt Gerüchte über tiefgreifende Veränderungen bei den Royals. Ihre weitere Zukunft erschien unklar, kurz vor den Playoffs. Bis zum Freitag müssen die Lizenzunterlagen bei der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL) eingereicht werden.

Dazu muss man wissen: Seit 2010 steht hinter den Royals die M.U.T. Sportmanagement GmbH. Der TV 1872 Saarlouis beantragt zwar in jedem Jahr die Bundesliga-Lizenz, reicht sie aber an die Firma mit vier Anteilseignern weiter. Eine an Geschäftsführer und Gesellschafter Dieter Therre gerichtete Interviewanfrage unserer Zeitung beantwortete Schmidt. Der Manager geht davon aus, dass der TV Saarlouis bei der Liga eine neue Lizenz beantragen wird. Das heißt: "Es wird die Royals in der nächsten Saison geben." Mehr will der Club bei einer Pressekonferenz am Donnerstag verkünden.