Der Bruce Lee aus Saarwellingen

Der Bruce Lee aus Saarwellingen

Saarwellingen/Baku. "Nö, der Eurovision Song Contest interessiert mich nicht", gibt Daniel Saar offen zu. Das Ding des 17 Jahre alten Saarwellingers ist Karate

Saarwellingen/Baku. "Nö, der Eurovision Song Contest interessiert mich nicht", gibt Daniel Saar offen zu. Das Ding des 17 Jahre alten Saarwellingers ist Karate. Und seine Begeisterung für die fernöstliche Selbstverteidigungs-Kunst ist auch der Grund, warum der deutsche Juniorenmeister im Freikampf (Kumite) nicht erst im Mai nach Baku reist, wenn dort Europas beste Gesangsstimme gekürt wird, sondern die Hauptstadt Aserbaidschans bereits an diesem Wochenende besucht.

Noch nicht nervös

Daniel ist nämlich einer von 1200 jungen Sportlern aus 46 Ländern, die vom 10. bis 12. Februar in der "Stadt der schlagenden Winde" um die Titel bei den Junioren-Europameisterschaften im Karate kämpfen werden. "Ein riesiges Sportereignis. Es wundert mich, dass ich noch so ruhig bin. Aber das wird sich sicher ändern, wenn ich auf der Matte stehe", grinst der einzige Saarländer im Kader des Deutschen Karate Verbandes. Das Nationalmannschafts-Debüt des jungen Gymnasiasten, der an diesem Samstag den Kampfschrei "Kiai" durch die Heydar-Aliyev-Halle in Baku schmettern wird, liegt noch gar nicht lange zurück. Gleich beim ersten Start für Deutschland kämpfte sich Daniel in Österreich beim Austrian Champions Cup in der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm auf Platz eins. Bundestrainer Thomas Nitschmann nominierte ihn prompt für die EM in Baku.

Begonnen hat Daniels noch junge Karriere vor 13 Jahren im heimischen Wohnzimmer. "Als Fünfjähriger habe mir alte Karate-Filme mit Bruce Lee angeschaut. Ich war von den Kampftechniken begeistert und wollte das auch können", erinnert er sich an die ersten Theoriestunden vor dem Fernseher. Im Shotokan-Karate-Klub Saarwellingen lernte er die Grundtechniken. Trainer Ernst Kreuzer erkannte seine Begabung für den Freikampf und förderte das Talent. "Dabei bin ich im normalen Leben eher ein zurückhaltender Typ. Im Wettkampf ist das anders. Wenn ich auf die Matte gehe, bin ich voll konzentriert und verfolge aggressiv meine Ziele", erzählt der 1,85-Meter-Mann.

Ben, der Konditionstrainer

Drei bis vier Mal pro Woche trainiert er mit Vereinstrainer Kreuzer und Landestrainer Manfred Engel. Sein Übungsleiter in Sachen Kondition heißt Ben. "Das ist mein Border-Collie, mit dem ich laufen gehe und nebenbei noch den Hundesport Agility betreibe", lacht der junge Karateka, der Jonathan Horn zum Vorbild hat. Mit dem für einen Saarbrücker Klub startenden Welt- und Europameister trainiert Daniel gelegentlich und schaut sich Tricks und Kniffe ab. "Jonathan ist eher defensiv, ich offensiver - aber das passt schon", erzählt der Jugendliche. Lohn für die harte Arbeit sind mehrere Saarlandmeistertitel. "Im vergangenen Jahr wurde ich deutscher Junioren-Meister, mein bislang größter Erfolg", ergänzt Daniel. In der Woche vor dem größten Auftritt in seiner Karriere erhielt er von Bundestrainer Nitschmann in Duisburg den letzten Schliff. So gibt sich Saar vor dem Start entsprechend selbstbewusst: "Mein Ziel ist ein Podiumsplatz. Ich wäre enttäuscht, wenn es nicht klappt."

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