Der Ballforderer

Kaiserslautern. Christian Tiffert ist nicht mehr der junge Wilde, nicht mehr der unbekümmerte Draufgänger in der Offensive. Viel mehr ist er Stratege und Grätscher geworden. Das Bindeglied zwischen Angriff und Abwehr. Dass er, alleine schon des Namens wegen, zu den Schwergewichten der Transferphase gehören würde, stand fest

Kaiserslautern. Christian Tiffert ist nicht mehr der junge Wilde, nicht mehr der unbekümmerte Draufgänger in der Offensive. Viel mehr ist er Stratege und Grätscher geworden. Das Bindeglied zwischen Angriff und Abwehr. Dass er, alleine schon des Namens wegen, zu den Schwergewichten der Transferphase gehören würde, stand fest. Doch er verlieh seinem Namen auch in der Mannschaft des Fußball-Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern schnell Gewicht. Kaum ein Spieler fordert den Ball so oft, kaum ein Spieler bekommt ihn so oft. 61 Ballkontakte pro Spiel sind in einer Mannschaft, die oft dem Gegner das Spiel überlassen muss, überragend. Er hat diese Rolle nicht eingefordert, nimmt sie aber an. "Ich habe natürlich auch gemerkt, dass mir da eine gewisse Rolle zukommt, aber das sind Sachen, die sich ergeben müssen", sagt Tiffert. Nichts, was nur auf Order des Trainers passiert.

Die Situation, gegen den Abstieg zu spielen, ist dabei auch für Tiffert relativ neu. Wobei er trotz Platz 15 das Wort Abstiegskampf ungern verwendet: "Wir können noch nicht sagen, es ist Abstiegskampf. Wir sind unten drin. Das wussten wir aber schon vorher. Entscheidend ist, dass wir es geschafft haben, dass keine Verunsicherung drin ist. Wir haben die Fehler angesprochen. Aber wir müssen uns auf die Dinge konzentrieren, die wir richtig gemacht haben. Und das waren einige." Tiffert analysiert die Situation ruhig, sachlich. Er wirkt wie einer, der seine Rolle gefunden hat. Und so ist das Spiel gegen den VfB Stuttgart morgen, 15.30 Uhr, in seiner neuen Heimat nicht nur eine Reise zurück zu seinen Wurzeln, sondern auch in seine eigene fußballerische Vergangenheit. Wobei es für ihn vor allem die Stadt ist, zu der er noch eine emotionale Bindung hat.

Fußball ist zu schnelllebig, um noch Bekannte in der Mannschaft zu haben. Mit Stuttgart verbindet ihn aber einiges: "Mein Bruder und meine Schwiegereltern leben dort. Es ist kein Spiel wie jedes andere, aber es ist auch kein besonderes Spiel." Nette Erinnerungen - nicht viel mehr. Da geht es Tiffert ähnlich wie FCK-Trainer Marco Kurz. Er hat für Stuttgart sein erstes Bundesliga-Spiel bestritten. Gegner damals: Kaiserslautern. Er denke gerne zurück, auch wenn sich das Ergebnis - 1:0 für den VfB - nicht wiederholen müsse.

Die Personalsituation beim FCK ist angespannt. Nachdem Florian Dick erneut mit Muskelfaserriss ausfällt, muss Kurz auf sechs Spieler verzichten. Dass Stuttgart am vergangenen Sonntag Werder Bremen mit 6:0 abgefertigt hat, macht ihm keine Sorgen: "Es hat uns in der Vergangenheit gut getan, auf uns zu schauen. Da haben wir genug Arbeit." Rückschlüsse aus dem eigenen 1:3 bei Bayer Leverkusen dürften für den 1. FC Kaiserslautern tatsächlich größer sein, als die aus dem Sieg der Stuttgarter.

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