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Der Arbeiter hinter dem Arbeiter

 Tochter Sude (links) und Sohn Eray sieht Co-Trainer Fuat Kilic derzeit nicht oft. Sie leben mit Ehefrau Cigdem in Köln, während er sich in Saarbrücken auf den FCS konzentriert. Foto: Schlichter
Tochter Sude (links) und Sohn Eray sieht Co-Trainer Fuat Kilic derzeit nicht oft. Sie leben mit Ehefrau Cigdem in Köln, während er sich in Saarbrücken auf den FCS konzentriert. Foto: Schlichter FOTO: Schlichter
Saarbrücken. Der neue Trainer des 1. FC Saarbrücken, Milan Sasic, zieht naturgemäß viel Aufmerksamkeit auf sich. Seit sechs Jahren arbeitet der Kroate mit dem Türken Fuat Kilic als Duo. Beide schätzen sich in höchstem Maße. Von SZ-MitarbeiterPatric Cordier

"Fragen Sie mich nicht nach der Länge meines Arbeitstages. Fragen Sie, wie lange wir schlafen, seit wir hier angefangen haben", sagt Fuat Kilic, der Co-Trainer des Fußball-Drittligisten 1. FC Saarbrücken, und antwortet direkt: "Es sind meistens nur vier oder fünf Stunden." Wir - das sind eben Kilic und sein Chef und Freund Milan Sasic. "Wir arbeiten mit einer kurzen Unterbrechnung seit sechs Jahren zusammen", erzählt der 40-Jährige, "ich habe nie einen Menschen gesehen, der sich so schnell mit einer Sache identifiziert, der so eine Einstellung zu seiner Arbeit vorlebt".

Seit sechs Jahren mit Sasic

Arbeit ist ein Wort, das auch im Leben des Fuat Kilic eine wichtige Rolle spielt. Jeden Tag mit dem FCS - derzeit in der Vorbereitung auf das Heimspiel am kommenden Samstag, 14 Uhr, gegen Preußen Münster. Aber auch früher schon. Mit sieben kam der Türke nach Deutschland. Er konnte in der unbekannten Umgebung des Westerwaldes kein Wort der fremden Sprache. "Als Kind hat man es leichter. Mit meiner älteren Schwester und meinem jüngeren Bruder haben wir schnell Anschluss gefunden. Mein Vater arbeitete als Lehrer. Er war ein Bildungsfanatiker." Trotz Ehrenrunde in Klasse zwei schaffte es der kleine Fuat aufs Gymnasium, machte im zweiten Anlauf das Abitur.

Das fußballerische Talent war überschaubar. Oberliga in Wirges, 2. Liga in der Türkei. "Ich habe gemerkt, dass da was fehlt für ganz oben, und habe mich auf meinen Beruf konzentriert", sagt Kilic, "während des Studiums hat es Klick gemacht. Ich habe verstanden, was mein Vater für uns geleistet hat. Ich wollte ihn und meine Familie stolz machen". Kilic wurde der erste Türke, den die Sporthochschule Köln als Dozent einstellte. Er arbeitete hauptamtlich als Trainer der Kölner Fußball-Schule, stieg zum sportlichen Leiter auf.

Keine eigenen Ambitionen

Während der Ausbildung zum Fußball-Lehrer lernte er Milan Sasic kennen. "Ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der so hart für sein Ziel gearbeitet hat", sagt Sasic über Kilic. Fortan arbeiteten beide gemeinsam. Doch Kilic ist nicht nur der "Hütchenaufsteller". Er sagt: "Ich kann mich in jeder Beziehung einbringen und das auf dem Platz umsetzen. Unsere Art, Fußball zu denken, deckt sich zu fast 100 Prozent. Am Ende ist er aber der Cheftrainer, der entscheidet." Die Frage, selbst Chef zu sein, "ergibt sich vielleicht irgendwann aus der Situation. Jetzt nicht. Wir können hier etwas aufbauen. Darauf konzentrieren wir uns".

Dafür stellt der Moslem ("Ich glaube an Gott und an Gottes Gerechtigkeit. Und ich glaube an das Gute im Menschen") alles hintenan - auch seine Frau Cigdem, Sohn Eray (2 Jahre) und Tochter Sude (6). "Sie leben in Köln, die Kleine ist jetzt in die Schule gekommen", erzählt Kilic. Man merkt ihm an, dass die Trennung schmerzt. "Ohne die Unterstützung meiner Frau würde das alles nicht gehen. Aber so ist das in unserem Beruf", sagt er. Ein Beruf, der für Kilic "einer der schönsten der Welt ist. Wenn ich einmal nicht an Fußball denke, gehe ich kaputt". Momente wie das DFB-Pokalfinale, das er 2011 mit Sasic und dem MSV Duisburg erreicht hat (0:5 gegen Schalke 04), entschädigen für viele Entbehrungen. "Dafür", sagt Kilic, "muss man täglich arbeiten". Und manchmal wenig Schlaf in Kauf nehmen.