Den Fluch besiegen

Kiel. Tief saß der Frust. Als sein Arbeitgeber THW Kiel das Finalrückspiel in der Handball-Champions-League in Ciudad Real noch abgegeben hatte, trotz eines zwischenzeitlichen Polsters von neun Toren, klagte der tschechische Rückraumstar Filip Jicha sein Leid. "Ich will doch unbedingt diesen Wettbewerb gewinnen", jammerte Jicha

Kiel. Tief saß der Frust. Als sein Arbeitgeber THW Kiel das Finalrückspiel in der Handball-Champions-League in Ciudad Real noch abgegeben hatte, trotz eines zwischenzeitlichen Polsters von neun Toren, klagte der tschechische Rückraumstar Filip Jicha sein Leid. "Ich will doch unbedingt diesen Wettbewerb gewinnen", jammerte Jicha. Inzwischen, sagt er, hätten sich seine Prioritäten verschoben. "Seit ich eine Tochter habe, denke ich darüber etwas anders", erzählt der 28-Jährige. Gleichwohl wäre ihm dieser Titel "sehr wichtig".

Vorgezogenes Endspiel

Am Wochenende bietet sich ihm und dem deutschen Rekordmeister nun die nächste Chance. Das Halbfinale des Wettbewerbs, das erstmals in Form eines Final-Four-Turniers ausgetragen wird, gibt den Zebras die Möglichkeit zur Revanche. Am Samstagabend (18 Uhr, live bei Eurosport) heißt der Gegner erneut BM Ciudad Real, der Sieger der Jahre 2006, 2008 und 2009. Entsprechend groß ist der Respekt. "Das wird ein sehr schwieriges Spiel", weiß Trainer Alfred Gislason. Zwar sei Ciudad Real personell nicht unbedingt besser besetzt als der HSV Handball, den der THW am letzten Samstag in der Meisterschaft dominierte. Doch die Spanier seien aufgrund ihrer Erfolge viel "abgezockter und abgeklärter".

Im ersten Halbfinale trifft der Rekordgewinner dieses Wettbewerbs, der FC Barcelona (sechs Siege), auf den russischen Serienmeister Medwedi Tschechow. Der Fokus liegt aber auf dem vorgezogenen Endspiel zwischen Kiel und Ciudad. Ein Nachteil ist für Kiel, dass der Halblinke Momir Ilic (Kreuzbanddehnung) vermutlich nur bei Siebenmetern zum Einsatz kommen dürfte - und dass Rückraum-Linkshänder Kim Andersson (Knieverletzung) ausfällt. Andererseits hat Anderssons Vertreter auf dieser Position, Christian Zeitz, zuletzt eine spektakuläre Leistungsexplosion hingelegt. Beim 33:31-Sieg in Hamburg ragte der Ex-Nationalspieler aus der homogenen Mannschaft heraus. "Weil er der einzige Linkshänder ist, sind wir wieder auf eine sehr disziplinierte Leistung von Christian angewiesen", sagt Gislason.

Trotz der prominenten Ausfälle glaubt der 50-Jährige an ein offenes Spiel: "Die Chancen stehen bei 50 zu 50." Denn die taktischen Möglichkeiten seien besser als noch in der letzten Saison. Damals habe sich der Gegner auf Nikola Karabatic konzentrieren können. Heute strahlten neben Zeitz auch Jicha, Daniel Narcisse und der isländische Aufbauspieler Aron Palmarsson große Torgefahr aus dem Rückraum aus. Wie wertvoll der erst 19-jährige Palmarsson sein kann, bewies er mit einem Weltklasse-Auftritt im Gruppenspiel gegen den FC Barcelona.

Hoffen auf Omeyer

Am Ende der 60 Minuten dürfte freilich wieder viel auf ein Duell der Torleute hinauslaufen. Arpad Sterbik (Ciudad Real) und Thierry Omeyer (THW) gelten als die besten ihres Fachs, das nicht selten über Wohl und Wehe im Handball entscheidet. Der Franzose präsentierte sich zuletzt allerdings nicht in überragender Form. Doch sein Landsmann Karabatic, der mit Montpellier zuschauen muss, ist überzeugt von einer Leistungssteigerung: "Omeyer liebt solche Spiele."

Für den THW Kiel geht es am Wochenende auch darum, den Fluch des Titels von 2007 zu besiegen. Damals siegte der Club zwar gegen die SG Flensburg. Doch dieser bislang einzige Erfolg in der Champions League ist befleckt, weil Ex-Manager Uwe Schwenker und Ex-Trainer Noka Serdarusic vorgeworfen wird, diesen Titel durch Schiedsrichterbestechung ermöglicht zu haben. Ein Sieg in Köln, und dieses unrühmliche Kapitel würde ersten Staub ansetzen.