Das Warten auf die NHL-Stars und Erhoff

Köln · Deutschland kämpft bei der Eishockey-WM mit Problemen in der Abwehr. Ausgerechnet jetzt geht's gegen Rekordtitelträger Russland.

Ernüchterung statt Euphorie bei der Eishockey-Weltmeisterschaft: Das drohende Turnier-Aus von Kapitän Christian Ehrhoff dämpft die Hoffnungen. Nach der 2:7-Niederlage gegen Schweden war Bundestrainer Marco Sturm nicht nur vom Ergebnis genervt: "Klar ist, wir müssen da langsam mal eine Entscheidung treffen. Wir können nicht darauf warten, bis es mit der Verletzung mal besser wird." Vor dem Duell mit Rekordweltmeister Russland heute (16.15 Uhr/Sport 1) hat Ehrhoff wegen nicht näher definierter Oberkörperprobleme beide Spiele verpasst. Beim 2:1 gegen die USA fiel das Fehlen des 34-Jährigen nicht sonderlich ins Gewicht, 24 Stunden später gegen Titelfavorit Schweden dagegen schon. "Das hat man auf dem Eis schon gemerkt", sagte Sturm zur Personalsituation mit nur sechs Abwehrspielern im Kader.

Die Chancen auf die Viertelfinal-Teilnahme stehen durch den Auftaktsieg am Freitag zwar gut. Doch gegen Top-Nationen stößt die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) an ihre Grenzen. Mitfavorit Russland spielte sich vor dem Aufeinandertreffen mit Deutschland beim 10:1 gegen Italien in einen Torrausch.

Wie sehr Ehrhoffs Präsenz auf dem Eis fehlt, wurde im Spiel gegen Schweden am Samstagabend deutlich. "Jede Sekunde im Spiel wünscht man ihn herbei. Seine Erfahrung und Ruhe könnten wir gut gebrauchen", sagte Ersatz-Kapitän Dennis Seidenberg von den New York Islanders. Der 35 Jahre alte NHL-Verteidiger scheint bislang der Einzige in der deutschen Abwehr, der Ambitionen auf eine erneute WM-Überraschung wie vor sieben Jahren rechtfertigt, als Deutschland bei der Heim-WM das Halbfinale erreichte. "Seine Qualität geht uns natürlich ab", sagte der zweimalige Torschütze Patrick Hager von den Kölner Haien über das Fehlen seines Mannschaftskollegen Ehrhoff. Ohne den früheren NHL-Verteidiger und einst bestbezahlten Verteidiger der Welt droht gegen Rekordweltmeister Russland das nächste Debakel.

Die deutsche Auswahl muss heute noch ohne weitere Verstärkung aus der nordamerikanischen Profiliga NHL auskommen. Das Ausscheiden von Leon Draisaitl mit den Edmonton Oilers könnte frühestens am Montag (Ortszeit) besiegelt sein. "Er ist der beste deutsche Spieler, den wir haben. Aber es bringt nichts, jetzt über ihn zu sprechen, denn er ist noch nicht hier", sagte Sturm. Sollte der 21-Jährige in den kommenden Tagen in seine Heimatstadt Köln nachreisen, würde dies die Chancen erheblich steigern. "Eine Person kann die Mannschaft definitiv verändern, und das ist Leon Draisaitl", sagte Sturm über den aktuellen Toppunktesammler der Edmonton Oilers.

Auch ohne NHL-Star Draisaitl sind die Aussichten auf eine Viertelfinal-Teilnahme trotz der 33. WM-Niederlage im 36. Spiel gegen Angstgegner Schweden gut. Durch den überraschenden Sieg gegen die USA wäre auch eine Niederlage gegen Russland zu verkraften. "Wenn wir die 18 000 Zuschauer im Rücken haben, kann noch das eine oder andere Märchen entstehen", erklärte Stürmer Philip Gogulla von den Kölner Haien angesichts des Heimvorteils. Und Bundestrainer Sturm meinte gar: "Wir glauben daran, dass wir jede Mannschaft schlagen können."