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Das Trainer-wechsel-dich-Spiel

Das Trainer-wechsel-dich-Spiel

Frankfurt. Das Trainer-Karussell in der Bundesliga drehte sich gestern mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter. Robin Dutt (Foto: dpa) verkündete seinen Abschied beim SC Freiburg. Er geht zur neuen Saison zu Bayer Leverkusen. Dessen Trainer Jupp Heynckes bestätigte gestern Kontakte zu Bayern München. Und bei Schalke 04 stellte sich gestern Ralf Rangnick (Foto: dapd) vor

Frankfurt. Das Trainer-Karussell in der Bundesliga drehte sich gestern mit atemberaubender Geschwindigkeit weiter. Robin Dutt (Foto: dpa) verkündete seinen Abschied beim SC Freiburg. Er geht zur neuen Saison zu Bayer Leverkusen. Dessen Trainer Jupp Heynckes bestätigte gestern Kontakte zu Bayern München. Und bei Schalke 04 stellte sich gestern Ralf Rangnick (Foto: dapd) vor.Neun Trainer-Wechsel gab es in dieser Saison. Und drei Trainer sind nur noch bis zum Bundesliga-Finale am 14. Mai bei ihren Clubs tätig: Heynckes, Dutt und Louis van Gaal in München. Heynckes verkündete gestern seinen Abgang aus Leverkusen. Dutt erhält als Nachfolger des 65-Jährigen einen Zweijahresvertrag. Heynckes lehnte eine Vertragsverlängerung um ein Jahr ab. Er sagte: "Es ist mir sehr schwer gefallen, diese Entscheidung zu treffen."

Ruhestand ist für den ältesten Erstliga-Trainer kein Thema. Erstmals bestätigte Heynckes, dass München, wo er schon zwei Mal arbeitete, Kontakt zu ihm aufgenommen hat. Er sagte aber: "Es gibt weder eine Zusage von mir noch haben Vertragsverhandlungen stattgefunden."

Für Dutt, der in Freiburg bis 2012 unter Vertrag steht, muss Bayer dem Vernehmen nach eine Ablöse von einer Million Euro bezahlen. Der 45-Jährige war vier Jahre beim SC. "Ich freue mich auf die Aufgabe. Aber schon jetzt gibt's eine gewisse Wehmut in mir", sagte er mit Blick auf den Abschied in Freiburg. Als sein Nachfolger kann sich ein Neuling im Haifischbecken Bundesliga freischwimmen: Marcus Sorg, Trainer der Regionalliga-Elf des SC.

Die Einstellen-und-Feuern-Mentalität in der Liga sorgt derweil nicht für Solidarität unter Trainern. Felix Magath, der 48 Stunden nach der Trennung von Schalke zum VfL Wolfsburg zurückkehrte, hat seinen Vorgängern Steve McClaren und Pierre Littbarski ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: "Der Zustand der Mannschaft ist schlecht, körperlich fehlt viel."

Rangnick setzte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit bei Schalke Nadelstiche in Richtung Vorgänger Magath: "In den nächsten Wochen will ich eine Spielweise entwickeln, wo man ein Stück weit eine Mannschaft erkennen kann", sagte der Mann, der in dieser Saison schon 1899 Hoffenheim trainierte. Mit Horst Heldt will der 52-Jährige einen Kurswechsel einleiten. "Rangnick wird dazu beitragen, dass wir wieder zu einer Einheit werden", versprach der Sportvorstand. Zwar feierte Schalke mit dem Einzug ins Champions-League-Viertelfinale und ins DFB-Pokalfinale Erfolge. In der Liga ist der Tabellenzehnte mit fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz aber noch in Gefahr. "Wir brauchen noch zwei Siege", sagte Rangnick, der am 9. April mit Schalke die Wolfsburger mit seinem Vorgänger Magath erwartet.

Magath hat übrigens wohl Bundesliga-Geschichte geschrieben hat: Als erster Trainer trat er innerhalb einer Woche mit zwei Vereinen an - am Sonntag mit Wolfsburg beim VfB Stuttgart (1:1), am Spieltag zuvor mit Schalke gegen Eintracht Frankfurt (2:1). Matthias Sammer, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes, bereitet dieser ganze Trainer-Zirkus Kopfschmerzen. "Es macht keinen guten Eindruck, weil wir auch mal wieder über sportliche Dinge diskutieren sollten." Er sprach sich für eine Regel wie in Italien und Spanien aus. Dort darf ein Trainer innerhalb einer Saison nicht zu einem Ligakonkurrenten wechseln.

Sammer hatte Anfang 2010 ein Angebot für die Stelle des Sportdirektors beim Hamburger SV abgelehnt. Nun ist er "froh, beim Deutschen Fußball-Bund zu sein, auch weil ich das Chaos etwas von außen betrachten kann". Der 43-Jährige bedauerte: "Wir führen keine sportliche Diskussion in Deutschland, sondern nur noch personelle und strukturelle Diskussionen." Er wies darauf hin, dass die Liga nur mit Schalke im Viertelfinale der Champions League vertreten sei und in der Europa League nicht mehr. Das bereite ihm Bauchschmerzen.